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V (Carlsruhe 1835, Marx),
wovon mehrere Auflagen und auch eine
französische Ausgabe erschienen ist. I n
neuester Zeit enthält das „Morgenblatt"
von C. Mittheilungen aus dem Leben
seiner Mutter. Als Erzähler gehört C.
zu den beliebtesten Autoren der Gegen-
wart; seine Schilderungen aus dem mit-
telalterlichen nnd modernen Volks- und
Cavalierleben sind lebendig, voll Humor,
der öfter an Ironie streift. C. hat die ge-
schichtliche Richtung in seinen erzählenden
Arbeiten eingeschlagen und in denselben
nie eine specielle Tendenz durchgeführt,
vielmehr durch seine ganz objective Hal-
tung versetzt er den Leser gerade in die
Zeit, in welcher seine Erzählung spielt.
(Blockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.)
IV. Bd. S. 91. — AauveUo Lio^raickio 36-
Qsralo ... pudiiss 8OU8 12. äirsotion 60
Hr.ievr. Noktor (?2.rig1853) X. Lä. 39.290.
— Meyer (I.), Das große Conversations-
Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen
1843, Vibl. Inst., Lex. 8°.) II. Suppl. Bd.
S. 943. — Univ.-Lexik. von Pierer (Altenburg
1841 u.f.)VI.Bd. S.409. SuPPl.I.Bd.S. 295.
Chiari, Peter (dramatischer Dichter,
geb. zu Brescia im 1.1700, gest. zu
Venedig 1762). Trat nach vollendeten
Studien in den geistlichen Stand, ohne
jedoch die Functionen desselben zu ver-
richten. Er lebte längere Zeit in der
Eigenschaft eines Hofpoeten des Herzogs
von Modena der Literatur. 1736 u. 1737
warerProf. derLiteratur daselbst. Nachdem
er Italien bereist, ließ er sich in Brescia
nieder. Zu einer Zeit als Goldoni und
Carlo Gozzi für die italienische Bühne
schrieben, war Chiari der dritte. C.'s
Stücke wurden gleich denen Goldoni's
mit Beifall in Venedig gegeben; doch be-
sitzen
sie lange nicht die vi3 coinicN und
den freien munteren Dialog, derGoldo-
ni's Stücken eigen ist. In etwa 10—12
Jahren hatte C. an 60 Stücke verfaßt n.
dieNebenbuhlerschaftmitG oldoni nahm
einen feindseligen Charakter an. C. ging gar so weit, daß er Goldoni in fast lä-
cherlicher Weise nachahmte und als dessen
„Noiisre" aufgeführt worden, selbst einen
zweiten „Uolisrs" schrieb; als Goldoni
den „i6r6Q2" verfaßt, mit dem „?
ins" nach folgte und der» 6
Goldoni's mit der „6
ein Seitenstück gab. Aber nicht blos in den
Titeln war Ch. Goldoni's Nachfolger,
auch die Form desselben machte er zu der
seinigen und schrieb die Lustspiele in den
sogenannten Versi m3.rtbili3.ni s14sil-
bige gereimte Verse, eine Neb engattnng
des Alexandriners), welcher Versart Gol-
doni
sich bediente. C. überlebte selbst noch
seinen Nuhm und sah sich auf den Bret-
tern von Goldoni zuletzt ganz verdrängt.
Seine Versuche in der Tragödie sind noch
mehr mißlungen und die vier Trauer-
spiele, die er verfaßt, fanden eine ungün-
stige Aufnahme. Seine dramat. Werke
erschienen gesammelt in 10 Bänden:
1756, auch
1759—1762); — wozu noch gehört:
..." (V6Q6Ä1F 1762) und „T
(L0I03NÜ 1792). — Nicht viel glückli-
cher als mit seinen dramatischen Arbeiten
war C. mit seinen Romanen, worunter
als seine besten „AnocatT-ics H lotto"/
" und „Oamtati'ice
'a" anzuführen sind. Dieser
letztere erschien sogar in französ. Uebersc-
tzung unter dem Titel: ^^T-ismbs mt?eF
liL 1768,12°.). — Anch schrieb C. ein
paar philosophische Werke: ^.I/^omo^ iet-
te>-s FosoMe" (VeneäiZ 1755- 4".)
u. m. a. Als Lustspieldichter war C. nicht
ohne Talent, er besaß sogar eine glückliche
Erfindungsgabe; aber der Styl ist ohne
Kraft, der Dialog unwahr, affectirt, matt;
als Romandichter fehlte ihm jedoch tue
Hauptsache: Kenntniß des menschlichen
Herzens und wie ein italienischer Kritiker
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon