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Seme armen Eltern konnten nur wenig
für die Entwickelung seiner edlen Geistes-
fa'higkeit sorgen. Zur Theologie bestimmt,
wurde er nach Prag gesendet, nm den hö-
hern Studien zu obliegen. Er machte nun
so schöne Fortschritte, daß ihm schon im
Alter von 22 Jahren ein Rabbinat zu
Theil wurde. Nun erst begann er das
Studium der deutschen Sprache und ward
des Genius derselben in so kurzer Zeit
Herr, daß er
sich dieserSprache als Schrift-
steller bedienen konnte. Humanere Cul-
tur, vor Allem aber Beseitigung der vielen
religiösen Mißbräuche und abergläubi-
schen Gewohnheiten seiner Glaubensge-
nossen hatte er sich zur Aufgabe gestellt.
Daß er auf mächtige Hindernisse stieß,
versteht sich von selbst. Als er im I . 1804
mit seiner „Versöhnungsschrift" auftrat
(die doch erst 1837 in deutscher Ueberse-
tzung erschien), gingen die Anfeindungen
so weit, ihn für einen „abtrünnigen Un-
ruhstifter in Israel" zu erklären, der die
Strafe verdiente aus der Gemeinschaft
der Synagoge ausgestoßen zu werden.
Diese Vorkehrung zwang C. zu gericht-
lichen Schritten. I n Folge derselben
ging er als Sieger hervor, und er-
langte völlige Anerkennung seines rein-
sten Willens und würdigsten Strebens;
das Vertrauen zu seiner Einsicht, zn
seinem Wissen, besonders zu der Fülle
seiner gediegenen Ideen, wuchs bald in
solchem Grabe, daß in- und ausländische
Iudengemeinden sich mit den wichtigsten
Fragen an ihn wendeten, denen er auch
mit Geist und Weisheit entsprach. I n der
Erörterung u. Beantwortung dieser Fra-
genfand er
sich mannigfach angeregt, seine
Ansichten, Kenntnisse, Meinungen, Wün-
sche u. Erwartungen dem Drucke zu über-
geben. In Folge dessen erschienen nachste-
hende Schriften: „Vahcheiwiter" (Dessau
1818) Meinhaltung der Gebote von un-
gebührlichen Zusätzen; Verrichtung des
Gebetes nach Befund auch in der Landes- sprache^ ; — „Gin Mrt zu nimrIeii" (Wien
1820); — „Igurch GlaINph" (Prag 1826)
sUeber Zulassung einer Reform des I u -
denthumes im Sinne des Talmuds Diese
letztere Schrift brachte eine große Anzahl
Rabbiner auf das heftigste gegen den
Verfasser auf und hatte zur Folge, daß
sie so weit gingen, ihn und alle seine An-
hänger mit dem synagogischen Banne zu
belegen; — „Nrachess Mmagen. Gebet nach dem
G55en" (Wien 1826). Eine Sammlung
der literarischen Arbeiten dieses edlen
Denkers und Umbildners und Heraus-
gabe mit Erläuterungen, in deutscher
Uebersetzung der hebräischen Texte wäre
ein noch heute dankeuswerthes Unter-
nehmen. Ein anerkennender Beurtheiler
Chorins faßt das Wesen der Ten-
denz dieses würdigen Lehrers in folgen-
den Worten zusammen: „Chorin war
vor Allen bemüht, den Gottesdienst seiner
Gemeinde zu reinigen und durch Chor
und Orgel auf eine wundervolle Weise
zu regeln und zu verherrlichen: der Er-
ziehung der israelitischen Jugend eine bes-
sere Richtung zu geben, und vor Allen
Handwerker, Gewerbsleute und nützliche
Staatsbürger heranzubilden, ein Streben,
das, je anstrengender sein Kampf war,
desto inniger von den Bessern aller Glau-
bensbekenntnisse Deutschlands anerkannt
worden ist". — Als C. beerdigt wurde,
wurden sämmtliche Kirchenglocken der
Stadt Arad geläutet; die christliche
Bevöl-
kerung gab ihm auf diesem letzten Gange
gerührt das Geleite und die P. P. Mi-
noriteu lasen Messen für sein Seelenheil.
Wahrlich ein schöner Sieg echter Huma"
nität, ganz im Geiste des wahren Chr>
stenthums. C.'s lebensgroße Büste, von
Jak. Guttmann (s. diesen) ausgeführt,
war in der Wiener Kunstausstellung 1347
aufgestellt. Sie ist Eigenthum der israe-
litischen Gemeinde zu Arad.
Jüdischer Plutarch, oder biographisches Lexikon
n. s. w. Zweites Alphabet sWien 1343, Ulv.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Bninski-Cordova, Band 2
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Bninski-Cordova
- Band
- 2
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1857
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 470
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon