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gern. Früher bereits gab F. ein kleineres
Werk über ungar. Literatur: „ ^
d. i. Beitrag zur Geschichte unserer vater-
ländischen Sprache und Literatur (Preß,
bürg 1844) heraus, welches unter den
Fachmännern Beifall fand und F. zu
ferneren Forschungen auf literar-histo-
rischem Felde anregte. Außerdem schrieb
Ferenczy mehrere Schulprogramme u.
Abhandlungen in verschiedenen Blättern.
Nach der Einführung des neuen Schul-
planes kam F. 1850 als Professor in's
Raaber Obergymnasium und wurde 1852
in Anbetracht feiner Verdienste als Di-
rector an das Graner Obergymnasium
berufen, als welcher er noch gegenwärtig
thätig ist.
/, d. i. ungar.
Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreib.
Von Jakob Ferenczy und Josef D anielit
(Pefth 1856, Gustav Emich) S.141.
Ferenczy, Stephan (Bildhauer,
geb. zuRy ma-Szombathim Gömörer
Comitat Ungarns 24. Febr. 1792, gest.
zu Pesth 6. Juli 1856). Entstammt einer
edlen aber verarmten Familie. Erlernte
anfänglich das Schlosserhandwerk, und erst
als ihn die Wanderjahre nach Ofen brach-
ten, fand er Gelegenheit, die Zeichnen-
schule zu besuchen, wo er ein ausgespro-
chenes Talent für die bildende Kunst
beurkundete. Nun ging er nach Wien,
besuchte die kaiserliche Akademie der
bildenden Künste, zeichnete anfänglich
untergeordnete in sein Schlosserhandwerk
einschlägige Objecte, dann Statuen und
erhielt endlich einen Preis. Ein zweiter
Preis, den er errang, hob seinen Muth;
er gab endlich gegen den Willen seines
Vaters das Handwerk auf und pilgerte
nachRom, wo erinThorwaldsen den
Meister fand, der fein Talent würdigte
und
sich seiner annahm. Nun vollendete
F. mehrere Arbeiten u. z. die „Niiste des ungar. Dichters Osokonaq", im Costüm; ein
„Hirtenmädchen", Statue einer weiblichen
Figur, die den Namen ihres Geliebten
in Sand zeichnet, eine „Venus". Als der
Erzherzog Palatin diese Arbeiten sah,
erkannte er die Tüchtigkeit des jugendli-
chen Künstlers und wies ihm eine jährliche
Pension von 400 st. an. 1824 kehrte F.
nach Ungarn zurück und eröffnete in
Ofen sein Atelier. Die ungar. Magnaten
nahmen
sich des Künstlers an, er erhielt
mehrere Aufträge und als sich ein Verein
bildete, der zuerst eine Statue dem König
Mathias Corvinusund dann andern
Heroen der ungar. Geschichte errichten
wollte, wurde F. mit der Ausführung be-
traut. Der Künstler kam — nach Einigen,
weil es ihm an Mitteln fehlte, nach An-
dern, als dem großartigen Werke nicht
gewachsen — damit nicht zu Stande.
Doch möchte letztere Ansicht irrig sein,
denn es ist bekannt, daß F. das kolossale
mitBegeisterung ausgeführte Ghpsmodell,
als er es imHause, welches demolirt wurde,
nicht behalten konnte und er ein entspre-
chendes größeres Locale aus Mangel an
Mitteln nicht zu miethen im Stande war,
mit bitterer Wehmuth vernichtet hatte.
Die politisch aufgeregten vierziger Jahre
waren seiner Kunst nicht günstig; eine
Motion im ungarischen Reichstage, dem
ersten ungar. Bildhauer eine Landes-
unterstützung zu gewähren, fiel durch
und F. sah
sich
ob Mangel an Arbeit der
Noth preisgegeben. Er verließ Ofen und
zog'sich nach Ryma - Szonibäch, seinem
Geburtsorte zurück. Ihn auch dahin zu
verfolgen, ermüdete das Unglück nicht;
eine Feuersbrunst vernichtete seine Werk-
stätte. Nichtsdestoweniger brach alles dies
den Muth des Künstlers nicht, der —
freilich in sehr gedrückten Umständen —
bis an sein Lebensende, das ihn im Alter
von 64 Jahren traf, unablässig arbeitete.
F.'s Arbeiten — ihre Zahl soll nicht ge-
ring sein — sind im Lande zerstreut. Be-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon