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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Egervári-Füchs, Band 4
Seite - 203 -
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203 Gemüth. Am 29. Mai 1779 — 23 Jahre alt — erhielt F. die heiligen Weihen; aber in seinem Innern hatte er mit dem Stande, dem er angehörte, gebrochen. Aus einem Briefe an den Prälaten Ste- phan Rautenstrauch vom 20. Mai 1780 ersieht man, wie weit er mit seinem Zwie- spalt gekommen. „Wer", heißt es in die- sem Brief, „das Evangelium gelesen, weiß, was nach dem Evangelium Christ, was Priester heißt. Der Christ folgt der Sittenlehre Jesu, den die Priester kreuzigen ließen". Im Sept. 1781 kam F. in das Kloster nach Wien, um daselbst seine Studien zu vollenden. Da war es, daß er am 23. Febr. 1782 vom Guar- dian den Auftrag erhielt, einem Laien- bruder in den unterirdischen Kloster- gefängnissen das heil. Sacrament zu rei- chen. Von dem was F. da gesehen, erstat- tete er in einem geheimen Schreiben Be- richt an Se. Majestät Kaiser Joseph II. Diesem Schreiben folgte dieSchrift: „Mag ist W Rüinl" (1782). M e Schriften F's folgen weiter unten in kleinerer Schrift nach ihrem Inhalt geordnet.) In Folge dessen fand eiue strenge Untersuchung in allen Klöstern der Monarchie Statt. F. aber wnrde angeklagt, das Gelübde der Armuth, des Gehorsams und der Keusch- heit verletzt zu haben, und vor den Nich- terstuhl des Cardiual Migazzi gestellt. Sein Oheim Georg Kneidinger war unter seinen Anklägern. Nach überstan- dener Strafe besserte sich seine Lage nicht, bis über Verwendung Rauten st rauchs die Sache eine günstige Wendung nahm und F., nachdem dessen Unschuld darge- than worden, am 6. Februar 1784 zum Lector, am 11. Nov. zum ordentlichen Professor der orientalischen Sprachen und Hermeneutik des alten Testamentes in Lemberg ernannt wurde. Vorher noch wurde F. durch kaiserl. Decret aus dem Kapuziner-Orden entlassen. In Lemberg lag F. seinen wissenschaftlichen, philolo- gischen Studien ob ssehe S. 206 o) F.'s philologische Schriften), las Spinoza, führte ein sehr eingezogenes Leben, zugleich begann er seine erste schöngeist. Arbeit, das Drama,Fit>n<I1.S.205 d)F.'s schöngeist. Schriften), welches am 26. Iänn. 1788 in Lemberg aufgeführt ward und F. in solche Unannehmlichkeiten verwickelte, daß er vorzog, sich allen befürchteten Folgen durch die Flucht nach Schlesien zu entzie- hen , welche er am 2. Februar 1788 aus Lemberg ausführte. Am 6. Februar kam er nach Breslau und fand beim Buch- händler Korn gastliche Aufnahme. An eine Rückkehr war nicht zu denken. F. kam nun als Erzieher nach Wallisfnrth zu dem regierenden Fürsten Schänaich- Carolath (2. Juli 1788). Eine Recen- sion seines Drama's „Zitmeq", das seine Flucht veranlaßte, hatte den Fürsten auf F. aufmerksam gemacht. In diese Zeit fällt sein erster Roman „Nlarr Amel", der bis 1799 3 Auflagen erlebte. Im Jahre 1791 trat F. zur lutherischen Kirche über. Dem ,,Mmc Zlnrel" folgte: „Aristides null GhlmistM«". Am 25. Iänn. 1792 schloß F. die Ehe mit einem Mädchen und die- ser Schritt hatte zehnjährigen Kummer im Gefolge, denn erst 1802 erfolgte die gerichtliche Scheidung. Seine Stelle als Erzieher im Fürst Carolath 'schen Hause verlor er aber bereits 1796 , als ökono- mische Verhältnisse den Fürsten zwangen, sämmtliche Hofbeaniten darunter anch F. zu entlassen. F. war nun auf sich selbst angewiesen. Noch während seines Auf- enthaltes im sürstlichen Hause hatte er den „Evergeten-Bund" in Schlesien ge- stiftet, der später, politischer Tendenz ver- dächtig, aufgelöst wurde. Am 11. Iänn. 1797 begründete er zu Berlin die „Ge- sellschaft der Freunde der Humanität". Aber seine Verhältnisse waren sehr miß- lich, gegen den Druck der dringendsten Lebensbedürfnisse sicherte ihn eine zeit- weilige Anstellung, welche ihm die Preu-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Egervári-Füchs, Band 4
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Egervári-Füchs
Band
4
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1858
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
422
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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