Seite - 215 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Egervári-Füchs, Band 4
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unterrichten, um ihn dann in der eige-
nen Capelle zu verwenden. Sein Spiel
erregte die Aufmerksamkeit Aller, die es
hörten. Zugleich nahm F. bei Werner
Unterricht im Violoucell und spielte auch
dieses mit Virtuosität. Die häufigen
Anträge, in's Ausland zu gehen, bewo»
gen ihn, bei der sclavischen Behandlung,
welche er im Hause der Gräsin erfuhr,
zur Flucht, und unter dem Schutze des
kaiserl. Gesandten, des Grafen Hartig,
trat er in Negensburg auf. Verlockenden
Versprechungen Folge leistend, kehrte er
noch einmal nach Prag zu seiner Gebie-
terin zurück, aber es ging ihm nur noch
schlimmer. Zum zweiten Male ergriff
er die Flucht (Vergl. unten die Quellen)
und trat nun an fremden Orten auf.
1778 wurde er Kammermusüus des Erz-
bischofs Hieronymus in Salzburg,
hatte aber durch zu vieles Blasen seine
Gesundheit so sehr geschwächt, daß er die
Hoboe lassen und nunmehr Violoncell
spielen mußte. 1786 ging er nach Wien,
wo er Mozart kennen lernte: mit Em-
pfehlungen des kaiserl. russischen geheim.
Rathes Besborodto reiste er nach Ruß-
land , erntete in St. Petersburg reichen
Beifall und erhielt den Auftrag, die Ca-
pelle des Fürsten O rlo ff zu bilden, wo-
für er fürstlich belohnt wurde. 1792
kehrte er nach Deutschland zurück und
war zuletzt fürstlich Fürstenberg'scher
Violoncellist und Hofmusikus zu Donau-
eschingen, wo er, 65 Jahre alt, starb.
Der größte Theil seiner Compositionen
ist in Handschrift und für die Hoboe,
Flöte, das Violoncell und die Gambe ge-
schrieben. Gedruckt wurden: „lV Vivlin-
qnawrs" (Frankfurt a/M. 1780); —
„SqmptMie in (", für 2 Violinen, 2 Oboen,
2 Flöten, 2 Hörner, 2 Clarinetten uud
Tympan, 2 Violen und 'Baß; — „Sqm>
phunir in k" und „Sqmphunie in L§", für ein
ganzes Orchester (diese in Trags musi-
kalischem Verzeichniß des I . 1799 ange- führt^ ; — „VI Hnuä a Vialin und Diulllncelle"
(op. 4), 2 Hefte lAugsburg 1799).
Dlabac; (G. I.). Mg. hift. Künstler-Lexikon
für Aöbmen .. . (Prag 1815, Hanse, 4°.)
I. Bd. Sp., 392 Inach diesem geb. 17511. —
Pil lwein (Bened.), Biogr. Schilderungen
oder Lexikon salzburgischer, theils verftorb.
theils leb. Künstler (Salzburg 1821, Mayer,
8°.) 2. 48. — Gerber (Ernst Ludwig),
Historisch - biograph. Lexikon der Tonkünftler
(Leip-ig 1790, Breitkopf, 3°.) I. Bd. Sp. 408.
— Desselben: Neues histor.-biogr. Lexikon der
Tontünsiler (Ebend. 1812, Kühnel, gr. 8°.)
II. Bd. Sp. 113. — Mensel ( I . G.),
Künstler-Lexikon vom 1.1808. I. Bd. S. 233.
— Ersch (I.S.)u. Grub er( I . G.), Allg.
Encytt. der Wifsensch. u. Künste (Leipzig 1822,
Gleditsch, 4°.) I. Sect. 43. Bd. S. 439. —
Meyer (I.), Das große Conversat.-Lexikon
(Hildburghausen 1852, Bibl. Inst., Lex. 8".)
X. Bv. S. 165 lnach diesem geb. zu Lobko-
Witz in Böhmen 1749. Berichtet unter Anderem
von seiner Flucht von der Gräsin Netoliczky
von Netolitz, welche vereitelt worden und
von dcr Absicht der Gräsin, deren Unterthan
er war, ihn zur Strafe dafür durch Ausbre-
chen der vorderen Zähne zur Ausübung seiner
Kunst anf dem Blasinftrumente, welches er
meisterhaft spielte, untauglich zu machen. Als
Kaiser Leopold davonKunde erhielt, ertheilte
er der Gräfin den Befehl: „F. sogleich frei
und sein Glück als Künstler auswärts suchen
zu lassen").
Fichtel, Johann Ehrenreich von
(Mineralog, geb. zu Preßburg 29.
Sept. 1732, gest. in Siebenbürgen 4.
Febr. I7'.)5). Verlor früh seinen Vater,
erhielt aber eine sorgfältige Erziehung.
Er ftudirte die Rechte in Ungarn und
widmete sich der Advocatur, welche er
aber später 1759 mit einer Anstellung
in Hermannftadt vertauschte. Nach Auf-
hebung des Amtes, wo F. bisher gedient
(1762), ging er nach Wien, wo er bei
der Hofrechnuugskammer in Verwendung
trat und 1768 nach Siebenbürgen als
Buchhalter bei dem Thesauriat kam.
1778 wurde er Thefauriatsrath in Her-
mannstadt, wo er sich um die Verbesse-
rung der S.'.linen und die Hebung des
Salzhandels nach Ungaru verdient machte.
1785 kam er als Director bei der Bankal-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon