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1. April ankam. Er fand Beschäftigung,
um dürftig sein Leben zu fristen, bis ihn
Peter Nobile kennen lernte, der damals
durch Kaiser Franz I. von Trieft nach
Wien berufen wurde, um daselbst den
völlig gesunkenen Sinn für Architektur
zu wecken und die Studien über diesen
Gegenstand zu organisiren. Nobile, F.'s
Talente würdigend, nahm sich väterlich
desselben an, und behielt ihn in seinem
Hause, wo dauernde Beschäftigung im
Zeichneu von Plänen, Entwürfen, im
Kupferstechen und Lithographiren, ja selbst
im Uebersetzen aus dem Italienischen und
in andern schriftlichen Arbeiten, einerseits
zur Entwicklung des talentvollen Mannes
in der Kunst beitrugen, andererseits auch
seine Anstellung als Corrector an der
Architektnrschule der Akademie der bil-
denden Künste (Mai 1820) zur Folge
hatten. Sechs Jahre besorgte F. seinen
Dienst, aber die Qual, aller selbständigen
Thätigkeit entbehren zu müssen, ließ ihn
denselben aufgeben. Bei der schlechten
Bestelltheit des Bauwesens in Oesterreich
in allen seinen Richtungen, in öffentlichen
wie privaten, erwachte W F. der Gedanke:
eine artistisch-lithographische Anstalt in's
Leben zu rufen. Nun gab er eine Samm-
lung von Ideen zur äußeren Verzierung
von Gebäuden und eine Sammlung von
Haudzeichnungen alter Meister heraus,
letztere nach Originalen aus der Galle-
rie des Erzherzogs Karl. Im I. 1836
begründete F. die „Bauzeitung", bei
welcher ihm die von ihm eingeführte
bisher in Oesterreich nicht bekannte Zin-
kographie treffliche Dienste leistete, weil
er sich derselben bei den Abbildungen
der,,Bauzeitung" bediente. Die Aufmerk-
samkeit, welche F. unter Einem dem
Eisenhüttenwesen zuwendete, erwies sich
bei F.'s Arbeiten im Gebiete der Archi-
tektur und Plastik so lohnend, daß cr ein
eigenes Etablissement in Wien und bei
Merkliu in Böhmen eine Zinkhütte errich- tete, in deren Betrieb erst die Jahre 1848
und 49 störend einwirkten, weil der Preis
des Zinkes so herabgedrückt wurde, daß
die Zinkhütte aufgelassen werden mußte.
Auch war das genannte Jahr von andern
schlimmen Folgen für F. begleitet, weil
in den Octoberereignissen die Verwüstung
und Plünderung seines Hauses in der
Leopoldstadt stattfand. Die „Bauzeitung"
bot ihm Gelegenheit genug, ebenso seine
vom Studium durchgebildete, praktische
Richtung, als einen durch viele Reisen
in Deutschland, Italien, Frankreich und
England geläuterten Geschmack zu bethä-
tigen. Gleich bei ihrer Begründung er-
freute sich F. eines namhaften Schutzes
der Regierung, da selbe allein 200 Exem-
plare seiner Zeitung pränumerirte, unter
die amtlichen Bauämter vertheilte und
dadurch den abgestumpften Sinn für
diese Kunst wieder weckte. Auch wurde
Förster im Publicum als Architekt be-
kannt und mit der Ausführung mancher
Bauwerke betraut. Unter den von F.
theils ausgeführten, theils entworfenen
Bauten nennen wir das Baron L. Pe -
reira'sche Haus in der Weihburggasse,
das Daum'sche Haus am Peter, welches
bei seiner Umgestaltung in ein Hotel
manche Umänderungen erfuhr, den Bazar
am Haarmarkt, das Baron Ad. Perei-
ra'sche Haus in der Krongasse, in Ver-
bindung mit dem Architekten Hansen
(s. d.), der sich 1851 mit F.'s Tochter
vermalt hatte, vom I . 1846 — 1848 das
Naional - Hätel in der Leopoldstadt, die
evangelische Kirche in der Vorstadt Gum-
Pendorf, die Baron L. Pereira'sche
Villa in Altenberg bei Greifenstein, das
Klein'sche Haus in Brunn u. m. a.
Im I . 1849 wurde ihm und Hansen
nach den von ihnen eingereichten Concurs-
Projecten für das Arsenal vor dem Süd-
bahnhofe der Bau des Waffenmuseums,
der Gewehrfabrik und Schießstätte über-
tragen, welche letztere zwei sie ganz, das
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon