Seite - 308 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Egervári-Füchs, Band 4
Bild der Seite - 308 -
Text der Seite - 308 -
308
war nun mit noch fünf Geschwistern ver-
waist und auf ein unbedeutendes Erbe
beschränkt, welches er der Erziehung seiner
Geschwister widmete, und worin ihn sein
Onkel, der Pfarrer, unterstützte. Im I .
1804 begab er sich nach Pavia, um seine
Studien fortzusetzen. Nach Bollendung
derselben erhielt er 1807 das Diplom
eines Doctors der Chirurgie, im April
1809 jenes der Medicin und der freien
Praxis. F. wurde nun mit Dr. Sacco
dem General - Director der Vaccine be-
kannt und zugleich besuchte er im Frauen-
Spital bei St. Katharina die Klinik L o-
catelli's; Dr. Sacco hatte solches
Vertrauen zu F.'s Tüchtigkeit, daß er
ihm, als er 1811 eine große Geschäfts-
reise nach Baiern und Frankreich unter-
nehmen mußte, seine Patienten, das Im-
pfungsgeschäft und die Aufsicht über sei-
nen Besitz übertrug. Später wurde F.
Sacco's Assistent im Civilspitale zu
Mailand, übte aber, da der berühmte
Chirurg Branca, der auch für F. eine
große Vorliebe besaß, ihn stets zu wichti-
gen Operationen berief, auch die Chirur-
gie aus. 1812 wurde F. Assistent des be-
rühmten Rafori, und allmälig sein
Freund und Mitarbeiter bei den wissen-
schaftlichen Arbeiten. Die polit. Wirren
des 1.1814 traten störend in das wissen-
schaftliche Wirken F.'s, wozu sich viel
häusliches Unglück gesellte. Einer seiner
Brüder wurde geworben und fiel im
Kriege; eine liebliche Schwester erlag
einem schleichenden Fieber, in Folge des
Schreckens, der sie befiel, als sie unter
ihren Fenstern einen Kampf von Solda-
ten der italienischen Garde mit Oester-
reichern sah; der Gemal einer zweiten
Schwester verlor beim Regierungswechsel
feine Stelle und wurde brodlos. F. setzte
seine Praxis in der Stadt und im Spital
fort, mit Nasori, der indessen in der
Festung Mantua, dann im kleinen Fort
von Mailand gefangen gehalten wurde, einen wissenschaftlichenBriefwechsel unter-
haltend. Als aberStrambio, Rasori'S
Gegner, an dessen Stelle die Direction
desSpitals erhielt, war fürF., den Freund
Rasori's, und den Träger exaltirter
Tendenzen wenig Aussicht in Mailand.
Er führte nun sein seit längerer Zeit be-
schlossenes Vorhaben, nach Paris zu gehen,
1820 aus. Seine Verbindung mit Ra-
sori, dem Reformator der medicinischen
Studien in Italien, kam ihm in Paris
gut zu Statten; nach seinen Instructionen
ordinirteu Laennec im Hospital Necker
und Kapeller im Hospital St. Antoine
als Digitalis, ^oonit, 6u.nl.-
in starken Dosen bei Entzün-
dungskrankheiten und in deu äußersten
Fällen mit Erfolg. Ein Zusammen-
treffen mit dem berühmten Dr. Galt
veranlaßte ein innigeres Verhältniß
zwischen beiden Männern; Fossati
studirte die Wissenschaft seines Freundes,
die Phrenologie, mit aller Liebe. Von
seinem
sterbenden
Onkel in die Heimat
berufen, kehrte F. dahin zurück, traf aber
den Onkel bereits todt; nun bereiste er
Italien, machte daselbst Galls Lehre
bekannt und trat mit den Fachgelehrten
semes Vaterlandes in wissenschaftlichen
Verkehr. Nach semer Rückkehr nach PariS
1825 ließ er sich als praktischer Arzt
bleibend daselbst nieder, und eröffnete an
der Pariser Universität Vorlesungen aus
der Phrenologie. Zu gleicher Zeit war
er einer der Redacteure der „Revue on-
o^dopsäitiiiS", für welche er viel arbei-
tete und namentlich die Kenntniß der
italienischen Literatur in Frankreich ver-
mittelte. Nach Galls Tode schrieb er
auch viel für die „Nno^olopHäio nw-
darunter die Artikel: ^M<-s-
OganoloZie"/ im franz.
„ äo Is. Oonvergätiou."
die phrenologischen Aufsätze; F. war auch
einer der Hauptbegründer der phrenolo-
gischen Gesellschaft zu Paris. Während
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon