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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Egervári-Füchs, Band 4
Seite - 319 -
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319 Zolkiev u. a. Gegenden mehrte sich sein Anhang, den er für seine aus den An- sichten von Sabathei Sevi geschöpfte Lehre gewonnen hatte. Er sammelte seine Lehren in einem Buche und fertigte davon mehrere Abschriften für seine Jünger an, die ihn als einen von Gott Auserwählten betrachteten. Die Rabbiner von Podo lien setzten sich seinem Treiben entgegen und benutzten seine Reise nach Salonichi, um ihn des Vorhabens auszuwandern zu beschuldigen, was seine Verhaftung zur Folge hatte. Durch seine Verbindun- gen jedoch gelang es ihm bald, die Frei- heit und die Gestattung zu erlangen, seine Lehre unbehindert in Podolien zu predigen. Seine Anhänger nannten sich öffentlich Zohariten, nach dem heiligen Buche, auf das sie glauben und Sohar nannten, auch hießen sie Anti-Talmudisten, weil sie mehrere Lehren des Talmud ver- warfen. F. und seine Anhänger genossen den Schutz der Christen, weil viele ihrer Lehren mit jenen des Christenthums über- einstimmten, wodurch die Geistlichkeit hoffte, einen nicht unbeträchtlichen Theil der jüdischen Bevölkerung jener Gegen- den für das Christenthum zu gewinnen. Diese Ansicht wußte F. so sehr auszu- beuten , daß die Verfolgungen der Tal- nmdisten zunahmen und alle Exemplare des Talmud, welche sich in der Diöcese von Kanneniec vorfanden, verbrannt wurden. Die Sachlage nahm aber eine andere Wendung, als ein zur Unter- suchung dieser Angelegenheit von Rom nach Polen geschickter Nuntius daselbst eintraf, einer von Franks Hauptgön- nern starb und sein wie seines mittler- weile sehr gewachsenen Anhanges Unfug an den Tag kam. Die Zohariten schickten sich nun auf Rath ihres Oberhauptes an, auszuwandern und fluchteten sich in die Moldau, wo sie viele Mißhandlungen zu erleiden hatten.Dadurch erschreckt, nahmen sie auf Franks Rath zum Schein den christlichen Glauben an, Frank selbst ließ sich taufen, wurde aber nichts desto- weniger verhaftet und in Ezenstochan gefangen gehalten, wo er blieb, bis die Russen in Polen einrückten (1773). Un- geachtet der Gefangenschaft F.'s wuchk sein Anhang. Nachdem er frei gelassen worden, durchzog er Westgalizien, Mäh- ren , Schlesien, Böhmen, erhielt große Geldsummen, und reiste mit einem präch- tigen Gefolge 1778 selbst nach Wien. Dort entwickelte er einen so großen Auf- wand, daß er den Verdacht der Behörden wach rief und Befehl erhielt, Wien zu verlassen. Nun begab er sich nach Brunn, ließ sich dort nieder und gewann immer neue Anhänger, welche seine Lehre über alle Theile Deutschlands verbreiteten. Geld floß ihm von allen Seiten zu und die abentheuerliche Weise, mit welcher er öffentlich seine Gebete verrichtete, mehrte den Zudrang zu diesem Possenspiele. Er wagte es nochmals in Wien zu erscheinen, mußte es aber über amtlichen Befehl wie- der verlassen (1788), worauf ihm der Landgraf von Hessen gestattete, sich in Offenbach niederzulassen, wo er im Palast des Fürsten selbst seinen Sitz ausschlug. Er führte ein Gefolge von 50 Personen mit sich, legte sich den Rang eines Barons bei, besuchte alltäglich die Kirche und bald wuchs sein Anhang auf tausend Per- sonen, wodurch der Stadt nicht unbedeu- tende Summen zuflössen. Dabei war ein und seines Anhanges Verhalten tadellos. Seine Schüler übten sich un- unterbrochen im Fechten und machten chemische Versuche, deren Resultate übri- gens unbekannt geblieben sind. F. starb, 78 Jahre alt, am Schlagstuß, und ein prachtvolles Leichenbegängniß machte den Schluß dieser abentheuerlichen Episode. Nach seinem Grabe wurde gewallfahrtet. Er hatte zwei So'hneR ochus undI oseph, welche in der Revolutionszeit unter dem Namen Fr ei in Paris lebten und daselbst
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Egervári-Füchs, Band 4
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Egervári-Füchs
Band
4
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1858
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
422
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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