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Zolkiev u. a. Gegenden mehrte sich sein
Anhang, den er für seine aus den An-
sichten von Sabathei Sevi geschöpfte
Lehre gewonnen hatte. Er sammelte seine
Lehren in einem Buche und fertigte davon
mehrere Abschriften für seine Jünger an,
die ihn als einen von Gott Auserwählten
betrachteten. Die Rabbiner von Podo
lien setzten
sich
seinem Treiben entgegen
und benutzten seine Reise nach Salonichi,
um ihn des Vorhabens auszuwandern
zu beschuldigen, was seine Verhaftung
zur Folge hatte. Durch seine Verbindun-
gen jedoch gelang es ihm bald, die Frei-
heit und die Gestattung zu erlangen,
seine Lehre unbehindert in Podolien zu
predigen. Seine Anhänger nannten sich
öffentlich Zohariten, nach dem heiligen
Buche, auf das sie glauben und Sohar
nannten, auch hießen sie
Anti-Talmudisten,
weil sie mehrere Lehren des Talmud ver-
warfen. F. und seine Anhänger genossen
den Schutz der Christen, weil viele ihrer
Lehren mit jenen des Christenthums über-
einstimmten, wodurch die Geistlichkeit
hoffte, einen nicht unbeträchtlichen Theil
der jüdischen Bevölkerung jener Gegen-
den für das Christenthum zu gewinnen.
Diese Ansicht wußte F. so sehr auszu-
beuten , daß die Verfolgungen der Tal-
nmdisten zunahmen und alle Exemplare
des Talmud, welche sich in der Diöcese
von Kanneniec vorfanden, verbrannt
wurden. Die Sachlage nahm aber eine
andere Wendung, als ein zur Unter-
suchung dieser Angelegenheit von Rom
nach Polen geschickter Nuntius daselbst
eintraf, einer von Franks Hauptgön-
nern starb und sein wie seines mittler-
weile sehr gewachsenen Anhanges Unfug
an den Tag kam. Die Zohariten schickten
sich nun auf Rath ihres Oberhauptes an,
auszuwandern und fluchteten sich
in die
Moldau, wo sie viele Mißhandlungen zu
erleiden hatten.Dadurch erschreckt, nahmen
sie auf Franks Rath zum Schein den christlichen Glauben an, Frank selbst
ließ
sich
taufen, wurde aber nichts desto-
weniger verhaftet und in Ezenstochan
gefangen gehalten, wo er blieb, bis die
Russen in Polen einrückten (1773). Un-
geachtet der Gefangenschaft F.'s wuchk
sein Anhang. Nachdem er frei gelassen
worden, durchzog er Westgalizien, Mäh-
ren , Schlesien, Böhmen, erhielt große
Geldsummen, und reiste mit einem präch-
tigen Gefolge 1778 selbst nach Wien.
Dort entwickelte er einen so großen Auf-
wand, daß er den Verdacht der Behörden
wach rief und Befehl erhielt, Wien zu
verlassen. Nun begab er
sich nach Brunn,
ließ
sich
dort nieder und gewann immer
neue Anhänger, welche seine Lehre über
alle Theile Deutschlands verbreiteten.
Geld floß ihm von allen Seiten zu und
die abentheuerliche Weise, mit welcher er
öffentlich seine Gebete verrichtete, mehrte
den Zudrang zu diesem Possenspiele. Er
wagte es nochmals in Wien zu erscheinen,
mußte es aber über amtlichen Befehl wie-
der verlassen (1788), worauf ihm der
Landgraf von Hessen gestattete, sich in
Offenbach niederzulassen, wo er im Palast
des Fürsten selbst seinen Sitz ausschlug.
Er führte ein Gefolge von 50 Personen
mit sich,
legte sich den Rang eines Barons
bei, besuchte alltäglich die Kirche und
bald wuchs sein Anhang auf tausend Per-
sonen, wodurch der Stadt nicht unbedeu-
tende Summen zuflössen. Dabei war
ein und seines Anhanges Verhalten
tadellos. Seine Schüler übten sich un-
unterbrochen im Fechten und machten
chemische Versuche, deren Resultate übri-
gens unbekannt geblieben sind. F. starb,
78 Jahre alt, am Schlagstuß, und ein
prachtvolles Leichenbegängniß machte den
Schluß dieser abentheuerlichen Episode.
Nach seinem Grabe wurde gewallfahrtet.
Er hatte zwei So'hneR ochus undI oseph,
welche in der Revolutionszeit unter dem
Namen Fr ei in Paris lebten und daselbst
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon