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rathes Israel Honig Edlen v. Honigs-
berg (s. d.), welcher, der erste Jude
in Oesterreich, seiner Verdienste wegen
um das Tabakregale den erbländischen
Adel erhielt. Die erste Erziehung bekam
F. im elterlichen Hause und in der Volks-
schule des Ortes, welche damals der tüch-
tige Lehrer Filcik (s. dies. Bd. S. 226)
leitete, auch wurde darauf gesehen, daß
der Knabe zugleich mit der deutschen
die böhmische Sprache erlerne. Da ihn
der Vater für die Studien bestimmt hatte,
erhielt er von einem katholischen Geistli-
chen den Unterricht in der lateinischen
Sprache. Schon um diese Zeit erwachte
in dem Knaben eine große Leselust, von
feinen kleinen Ersparnissen kaufte er sich
einige Dichterwerke als: Sal is, Ma-
thisson, Hölty u. a., und die reizende
Natur seines ländlichen Geburtsortes,
der durch den kleinen Prunk des bischöf-
lichen Residenzlebens einiges Leben er-
hielt, trug das. ihrige dazu bei, den Sinn
für Poesie in dem Knaben zu wecken.
Ende 1823 wurde F. nach Prag geschickt
und Schüler des Piaristen-Gymnasiums
auf der Prager Neustadt. Daselbst studirte
F. gerade so viel, um nicht zurückzublei-
ben, nur in den stylistischen
Ausarbeitun-
gen zog er die Aufmerksamkeit des ?.
Guido Lang auf sich, der F.'s Aufgaben
den Mitschülern zum Muster aufstellte.
Um diese Zeit erschienen Egon Eberts
Dichtungen im Drucke und blieben theils
durch ihre Schönheit, theils als Schö-
pfungen eines vaterländischen Poeten
nicht ohne Einfluß auf das rege Gemüth
des Jünglings. Eine Wendung in den
bisherigen Verhältnissen erfolgte Ende
1825 mit dem Tode seines Vaters: F.
war nun mittellos, sich selbst überlassen
und angewiesen,
sich durch Unterrichtgeben
zu erhalten. Nach beendeten Gymnasial-
studien kehrte er nach Chrast zurück, und
sollte als ältester Sohn die Leitung des
an die Großmutter übergegangenen kais. Tabakdisirittsverlags übernehmen. Doch
kam es nicht dazu, und F. ging Ende 1826
nach Leutomischl, um am dortigen Piari«
sten-Collegium Philosophie zu hören. Der
feurige Vortrag aus der Geschichte, welche
ein Piarist lehrte, weckte die Lust dafür
in den jungen Zöglingen; Pubitschka's
Geschichtswerk über Böhmen machte F.
mit der Geschichte der Heimat bekannt,
die Liebe zur Poesie war die gleiche ge-
blieben und aus dieser Zeit stammen
Balladen, Trauerspiele, als: „Agnes mir
Zezinill" ; — „Nnbolph unn der Wart"; —
„Wenzel im Milige" , ja selbst Gedichte in
böhmischer Sprache, welche als Jugend-
arbeiten bis auf ein böhm. Gedicht nie ge-
druckt wurden. Nun gelang es ihm durch
seine Bekanntschaft mit den Mitgliedern
derSuwa r'schen Truppe, welche damals
auf ihren Wanderungen in Leutomischl
Haltgemacht, ein Stück betitelt: „Nie Braut-
nacht", unter dem Einflüsse des Müllner--
schen Fatnms geschrieben, zur Aufführung
zu bringen. Die Tendenz, welche seine
Professoren in diesem Stücke entdecken
wollten, erregte derenMißfalleu, F. wurde
vor die Conferenz geladen und nur die
mildernden Umstände seines Vergehens
verwandelten die beschlossene Erclusion
in eine schlechtere Sittenclasse. Die ge-
ringen Fortschritte in der Mathematik
drohten auch die Fortsetzung seiner Stu-
dien zu stören; doch auch diese Hemmnisse
überwand er, ging in den Ferien 1827
nach Wien, wo er den Freiherrn v. Hor-
ni a y r aufsuchte und demselben sein epi-
sches Gedicht inHexametern „«/cm^a^^
übergab, der es im „Archiv" 1828 ab-
drucken ließ. Zur Fortsetzung seiner Stu-
dien begab
sich F. Ende 1828 nach Wien,
erhielt sich vom Unterrichtertheilen und
wählte die Medicin zum Berufsftudium,
weil ihn sein Glaubensbekenntniß in
einem andern Fache keine Zukunft er-
warten ließ. Doch immer behielt die
Poesie die Oberhand, wozu der Umgang
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Band 4
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Egervári-Füchs
- Band
- 4
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1858
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 422
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon