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auch fleißig die Sternwarte, an welcher
der berühmte P. Hell (s. d.) damals
Director war. Auf dessen Rath gab G<
das medicin. Studium auf, widmete sich
der Astronomie und wurde 1784 Adjunci
an der Prager Sternwarte; seine ausge
zeichnete Thätigkeit an derselben hatte
seineWahl zumMtgliede der königl. uöhm.
Gesellschaft der Wissenschaften zur Folge.
Die Trefflichkeit der Arbeiten, die er als
Ingenieur bei der Robot-Abolitions-Hof>
Commission geliefert, veranlaßten seine
Berufung zur Mitwirkung bei den von
Kaiser Iofep h II. angeordneten Steuer
Neguliruugs-Arbeiten. Mit Beibehalt
seiner Stelle wurde er zuerst Obercom
missions-Ingenieur und Ende 1787Ober»
leiter bei der neuen Organisirung der
Rectifications-Registratur. Als 1787 sein
Lehrer Tefsanek erkrankte, supplirte G.
1788 und 89 die Lehrkanzel der höhern
Mathematik in Prag und wurde am 4.
Dec. 1789 ordentlicher Professor dersel-
ben. Seine Vortrage, in denen er namenb
lich die Bedürfnisse der Gewerbßkunde
und des Maschinenwesens berücksichtigte,
waren sehr zahlreich besucht, und auch
praktisch übte G. seine Wissenschaft aus,
verbesserte alte, baute neue Maschinen
für die Horzowitzer und Pürglitzer Eisen-
werke, und betheiligte sich am Um- und
Zubau der k. k. Zbirower Eisenwerke.
Als im Nov. 1795 Kaiser Franz eine
Hofcommifsion zur Revision der öffent-
lichen Unterrichts - Anstalten anordnete,
dessen Präsidium Gf. Rottenhan führte,
wurde G. als Beisitzer derselben nach
Wien berufen, und führte das Referat
für die naturwissenschaftlichen Studien.
G. zählt zu den glorreichen Vorkämpfern
für das Aufblühen dieses Studienzwei-
ges im Kaiserstaate. Bon praktischer Be-
deutung war aber seine energische Be-
kämpfung der abgeschmackten Behaup-
tung: für die Staaten des Continents
sei es am zuträglichsten,
sich
auf den Land- und Bergbalf zu beschränken, wogegen
den Maschinen Englands die Berarbei«
tung der gewonnenen Stoffe zu über-
lassen sei. 1798 eröffnete er die Borträge
aus der Naturgeschichte, Physik und Ma-
thematik, denen 1806 die Begründung
des Prager polytechnischen Institutes mit
Uebertragung dcr Direction an G. folgte.
Als um diese Zeu die Idee einer Ver-
bindung der Moldau mit der Donau auf-
tauchte uud diese durch den Bau eines
Verbindungscanals zwischen beiden Flüs-
sen verwirklicht werden sollte, wurde G.
die scientifische Direction dieser Angele-
genheit übertragen. Er wies nun nach,
daß die Wasserverbindung hier unzweck-
mäßig sei, und die von ihm angeregte
Eisenbahn-Verbindung sollte, jedoch meh-
rere Jahre später, sein Sohn (s. den Bor.)
unter des Vaters Oberleitung zu Stande
bringen. Im 1.1811 erhielt er zu seinen
bisherigen Anstellungen noch die eines
Wasserbau- Directors in Böhmen. Eine
bedeutende Augenschwäche, die
sich seiner
1822 bemächtigte, nöthigte ihn, die Pro-
fessur der höhern Mathematik und das
Studien - Directorat niederzulegen. Mit
Belassung des Gehaltes erhielt nun G.
den Titel eines Gubernialrathes, nachdem
er früher schon (1810) in Folge des 1803
erhaltenen Ritterkreuzes des Leopold-
Ordens in den erbl. Ritterftand erhoben
worden war. Seit 1328 nahm G.'s Lei-
den zu; in seinen Borträgen über Me-
chanik mußte ihn seit 1830 sein Sohn
Franz Anton suppliren und nun er-
folgte am 9. April 1832 G.'s Iubilirung.
Das Jahr vorher hatte er noch den Lehr-
plan der Realschulen von Rakonitz und
Neichenberg entworfen. Milderung für
sein Leiden suchend, begab er sich
Anfangs
Juni 1832 zu seinem Schwiegersöhne
Ios. Aug. Papftmann nach Mladiegow
bei Gitschin, aber schon zwei Wochen spä-
ter erlag sein Körper im Alter von 76
Jahren. Bedeutend und für das prak-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon