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zu Venedig iO. Iänn. 1800). Erhieb
in Bologna und Rom eine gelehrte Erzie-
hung und in Padua die juridische Do»
ctorswürde. Er entschied sich
aber für die
geistliche Laufbahn und lebte bis zum 30,
Jahre in geistlicher Zurückgezogenheit
Als im I . 1758 Karl Rezzonico zum
Papste — als ClemensXIlI. —gewähl
worden war und G. sich dahin b?gab
dem neuen Kirchenfürflen zu huldigen,
nahm ihn Clemens, der die trefflichen
Eigenschaften des Priesters erkannte, un
ter feine Hausprälaten auf, ernannte ihn
zum päpstlichen Kämmerer, ihn immer
im Auge behaltend zur Wahl für eine
hohe Kirchenwürde. Obwohl O. in seiner
Bescheidenheit sich jeder solchen Bestim-
mung zu entziehen suchte, mußte er doch
die Wahl zum Bischof von Chioggia, die
von Seite des Senats von Venedig 1775
erfolgte, annehmen. 1776 fand seine Er
Hebung auf den Patriarchenstuhl Venedigs
Statt, welche Würde er 24 Jahre — bis
1800 — bekleidete. In stürmischen Zei
ten leitete er mit Weisheit sein kirchliches
Regiment. Papst Pins VI. hegte solche
Zuversicht zu ihm, daß er, als ihn der
französische Gewalthaber nach Frankreich
entführte, ihm die Geschäfte der Kirche
unter dem Titel eines OeihAato g^os
lioo übertrug. Als Kaiser Franz I. das
venetianische Königreich übernahm, er-
nannte er ihn — am 28. Jänner 1798
— zum geheimen Rath. Seine Privat-
Bibliothek vermachte er der Patriarchen-
kirche Venedigs. In den letzten Jahren
feines Lebens war er erblindet. Er war
ein Kirchenfürst, der die seltensten Tu-
genden in seiner Person vereinte, und
mit ihm starb
der Zweig derGiovanelli
della Calle delle Acque aus.
I. Genealogie. Die Familie der Giovanelli
zerfällt in 2 Linien, in die Venetianische
und in die Tyroler. Beide sind gräflich und
stammen ursprünglich aus Bergamo. Urkund-
lich erscheint 1230 Alberico Zoanello,
dessen Sohn ist Zamboni Zoanelli (d.i. bo2U5 ßiovaneiio). Ein Peter Gio-
vanelli ist der Stammvater der zwei obigen
Linien, von denen letztere, die tyroler, sich
in zwei Aefte, den gräflichen zu Trient
und in den freiherrlichen zu Boyen
abtheilt. Peters Sohn, Vincenz gründete
die gräfliche Venediger Linie, der zweite Sohn
Alexander die beiden tyroler Linien.
Tassen Enkel Joseph Petruzzo kaufte sich
. v. die Mitte des 16. Jahrhunderts in Tyrol
, Im I. 1564 wurde dem Joseph Pe-
uzzo G. von Kaiser Ferdinand der
. <e Adel bestätigt und er für seine Person
5, den deutschen Reichsadelftand erhoben.
Kaiser Mari l . vermehrte 1572 das Familien-
Wappen ; Kaiser Nudolph erhob den Peter
v. G. 1583 in den Reichsritterftack, und
gestattete 1590, als Joseph G. das Schloß
Gerstburg von der Familie Gerstl käuflich
an
sich
brachte, demselben: das Gerstl'sche
Wappen (die beiden Gerstenähren) mit dem
Giovane I li'schen Hauswappen (den beiden
Jünglingen im Schifflein) zu vereinigen. Jo-
sephs Sohn Bernard I. (geb. 1575) wurde
1618 in den Nitterftand der tyroler Adels-
matritel aufgenommen. Ein Enkel Bernards I.,
Vernarb II., hinterließ zwei Söhne: Al-
ban I., den eigentlichen Stifter des gräflichen
Astes zu Trient und Bernard III., den des
freiherrlichen Astes zu Botzen. Alban I. er-
hielt 1660 das trienter Patriziat; sein Enkel
Alban II. durch Heirat mit Barbara Freiin
von Gcmtrndi die Herrschaft Noccabruna in
Tyrol und dessen Sohn Peter von dem
Churfürsten Karl Theodor von der Pfalz
am 2. Sept. 1790 (während dieser das Reichs-
vicariat führte) den Reichsgrafenstand. Der
Ast von Botzen erhielt von Kaiser Ferdi-
nand I. im I . 1838 die erbländische Frei-
herrnwürde (siehe den besonderen Artikel:
Joseph v. G.). — Die VenedigerLinie
erhielt 1659 von Kaiser Leopold I. den
Reichsfreiherrnftand, 1668 von der Republik
das Patriziat, 1678 in der Person des Frei-
herrn IohanuAnoreas den Reichsgrafen-
ftand; am 30. Dec. 1681 den ungarischen
Magnatenstand und 1838 die österreichische
Fürftenwürde nach dem Rechte der Erstgeburt.
II. Ausgezeichnete Glieder der Familie. Franz
G. focht als Feldzeugmeifter unter dem be-
rühmten Lazar Schwendi in Ungarn gegen
die Türken. — Friedrich Maria, Patriarch
von Venedig. Dergl. die obige Biographie.)
Quellen über denselben: Ouccetti
solenn! eseyuis per ?. K. HiovaQeUi', pa-
triaroa. äi Verulk (Venkäi^ 1300, 8°.). —
Desselben: lHoiupenäia äsU«.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon