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1804, also volle 7 Jahre, währte, und
während welcher Zeit er größere und
kleinere Ausflüge in Deutschland mochte.
Mehrere vortheilhafte Anträge in dieser
Periode schlug G. aus Liebe zu seiner Hei-
mat aus, in die er anfangs 1804 zurück-
kehrte , einem Rufe an die Schulanstalt
der evangelischen Gemeinden Augsburger
und Helvetischer Konfession in Wien fol
gend. Im Mai g. I . trat G. sein Lehr-
amtan, wurde 1805 an Bredetzky's
Stelle (s. d. II. Bd. S. 127) dritter Pre-
diger der evangel. Gemeinde, bald dar-
auf zweiter Prediger und geistl. Consi-
storialrath. Berufungen nach Eperics
(1806) und Leutschau (1807), welche in
der Zwischenzeit «erfolgt waren, hatte
abgelehnt. Seit Jahren leidend, sah er
stch genöthigt, 1816 seinem Predigeramte
zu entsagen und sich im Mai g. I . in die
Ruhe zurückzuziehen; sein Gesuch um
Entlassung vom k. k. Consiftorium schlug
aber der Kaiser Franz in einer für den
Bittsteller sehr ehrenvollen Weife ab, und
erhöhte unter Einem seine Bezüge. Nun
oblag G. ganz seinen Geschäften als Con-
fisiorialrath und leitete zuvörderst die
Verhandlungen betreffs der 3. Sä'cular-
feier der Reformation, welche im I . 1817
Statt fand, und am 2. Nov. d. I . in her
ganzen Monarchie gefeiert wurde, anläß-
lich welcher Feier G. mehrere Gelegen-
heitsschrifien veröffentlichte, welche werth-
volles Materiale zu einer Geschichte der
Protest. Kirche im Kaiserstaate enthalten.
Eine erfolgreiche Thätigkeit bewies G.
bei den Verhandlungen über die Errich-
tung einer Protest. - theolog. Lehranstalt
in Wien, über deren Geschichte er auch
eine Denkschrift ausarbeitete, die sich in
seinem handschriftlichen Nachlasse befin-
det. Familienverhältnisse bestimmten G.
im I . 1824 feinen Wohnsitz von Wien
nach Preßburg zu verlegen, wo sein Sohn
das treffliche protestantische Gymnasium,
welches in Wien fehlt, besuchen konnte. Im Frühling 1825 unternahm er''eine
Erholungsreise nach Oberitalien, deren
Ergebnisse er in den „Bruchstücken uns Vrie»
ten, geschrieben aut einer Aeise uan Wien mich,
ErieZt nnil einem Gheüe mn Mniwlim" , im
zweiten Bande seiner „Aurora" S. 349
—446 mittheilte. Seine wankende Ge-
sundheit zwang ihu zu wiederholtem Be-
suche von Bädern, welche aber wenig hal-
fen. Der Winter 1830 auf 31 ging un-
ter schweren Anfällen der Gicht dahin,
deren Folgen er endlich im September
des gen.I. im Alter von 55 Jahren erlag.
Ein Jahr vor seinem^ Tode wurde ihm
noch die Auszeichnung, daß die Hochschule
Göttingen, welche am 25. Juni 1830 das
dritte Säcularfest der Uebergabe der
Augsburger Confession feierte, ihm mit
mehreren Gelehrten die theolog. Doctor-
würde verkehr Als Jugendschriftsteller
steht G. nur ein Mann ebenbürtig zur
Seite: Christoph S
chm id. Bei Benü-
tzung der Schriften beider verschwindet
jeder Religions-Unterschich und die des
katholischen Schmid bilden ebenso Herz
und Kopf protestantischer Kinder, wie jene
des protestantischen Glatz Herz und Kopf
katholischer Kinder gebildet und geläutert
haben. Eine große Menge seiner Schrif-
ten wurde nachgedruckt, viele iu's Fran-
zösische, Englische, Italienische," Hollän-
dische, Ungarische und in slavische Spra-
chen übersetzt. Die, Natürlichkeit und
Wahrheit der religiös-sittlichen Gefühle,
die er aussprach, die verständliche, schlichte
und edle Sprache, in die er seine Gedan-
ken kleidete, und die vernunftgemäße Auf-
fassung und Darstellung des Christen-
thums, die seinen Askesen überall zum
Grunde liegt, haben es gemacht, daß man
seine Werke in den Händen der Christen-
familien au der Themse, wie an der
Loire, an der Tiber, wie an der Donau,
ja selbst in Händen nicht°christlicher Glau-
bensgenossen sah und noch heute findet.
Von feinem „AndllchtZkuche tür gebildete Hl»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon