Seite - 232 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
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von Anton Schmid. — Auch in dessen Bio- I
graphie Glucks, S. 160. — Liter. Monate, '
herausgeg. in Wien Iuftus Riedel. 1776,
S. 8 u. f.
Glück, Barbara, Pseudon. BettiPcwli
<Dichterin, geb.zuW i e n 30.Dec.1815).
Ihr Vater, ungar. Israelit, war kais. Mi-
litärarzt, ihre Mutter eine Belgierin, er-
sterer starb früh und ließ die Mutter im
Besitz eines ansehnlichen Vermögens zu-
rück. Als die Tochter 15 Jahre zählte,
stürzte sie der Bankerott des Kaufmanns,
t>em die Mutter das Vermögen anver-
traut hatte, in die bedrängteste Lage. Nun
begann für das Mädchen jene folgenreiche
Epoche des Lebens, aus welcher es nur
Einen Schatz: diePoesie, gerettet hatte.
Der Ort ihres Aufenthaltes wechselte.
Zwei Jahre brachte
sie in Nußland, dann
in Schlesien, anderen Orten und zuletzt in
Wien zu, u. z. als Erzieherin von Töchtern
wohlhabender Familien, indeß sich die
poetischen Beiträge zur Geschichte einer
tief empfindenden Seele häuften. Im
Salon einer Wiener Dame lernte sie
Wiens Schöngeister kennen: Bauern-
feld, L. A. Frankl, Gril lparzer,
Prechtler, Witth auer u.A. und fand
nun jenes Maß und jene Regel, welche sie
in einer früh unterbrochenen Erziehung
nicht hatte finden können. Im I . 1844
erhielt sie die Stelle einer Gesellschafts-
dame bei dcr Fürstin Schwarzenberg,
ber Wttwe des Siegers bei Leipzig. Wenn
diese Stellung einerseits ihre schriftstelle-
Tische Thätigkeit beschränkte, so war ande-
rerseits groß der Gewinn, den die Dich-
terin aus dem beständigen Verkehr mit
bieser wahrhaft außerordentlichen Frau
zog. Sie selbst erklärt: „was die
ziehung in mir versäumte, hat der Ver-
kehr mit diesem ganz großen und gan.
reinen Charakter nachgeholt". Nach dem
im Jahre 1848 erfolgten Tode der Für-
stin unternahm die Dichterin eine Reife
in's Ausland, und lebte in Deutsch. land und Frankreich. Erst 1850 kehrte
sie nach Wien zurück, wo sie seither, nur
mit jenen Unterbrechungen, die vom Land-
aufenthalt oder Reisen im Sommer be-
dingt werden, ununterbrochen lebt, sich
mit Unterrichtertheilen in Sprachen, von
denen
sie die französische, englische, italie-
nische und spanische gründlich versteht,
und in ästhetischen Gegenständen beschäf-
tigt, und beständige Mitarbeiterin am
Feuilleton der „Oesterr. Zeitung" (vor-
mals „Wiener Lloyd") ist. Als solche
schreibt
sie die kritisch-ästhetischen Berichte
über die Vorstellungen des Burgtheaters,
die Ausstellungen der Kunstvereiue und
die Besprechungen hervorragender Werke
der verschiedenen Literaturen. Früh regten
sich in ihrer Seele die Schwingen der
Poesie; sie war kaum 16 Jahre alt, da
erschien schon ihr erstes Gedicht in einem
Wiener Blatte, wenn wir nicht irren:
„An die Männer vnnnr Ait" , in der Wit-
thauer'schen „WienerZeitschrift" 1832,
Seite 821, unterzeichnet: Betti Glück.
Die erste größere Sammlung einfach
betitelt: .Feilichte Ulln Netti Pllllli" (1841,
8°.) war dem Dichter Nikolaus Lenau
gewidmet. Dieser ersten Sammlung
folgte die zweite unter dem Titel: „Nach
dem Gewitter" (Pesth 1843, 2. Aufl. 1850).
Nun trat sie mit einer Reihe prosaischer
Arbeiten auf: „Nie Melt nnd mein Angr".
3 Bde. (1844), welche Novellen, dar«
unter auch mehrere Jugendarbeiten der
Dichterin, enthalten; — der „Kllmllncem"
(Leipzig 1845, G. Wigand) ist der jüngst
verstorbenen Bettina gewidmet und
enthält vier kleinere lyrisch-epische Dich-
tungen. Zunächst folgten nun die „Neuen
Gedichte" (Pesth 1850), jene Sammlung,
welche das Geläutertste, was die geist-
volle Dichterin bis dahin schuf, enthalten,
und worin das Sonett an einen Palast in
Italien, von dem
sie singt, daß aus dem-
selben ihr Geschick hervorgegangen, eini-
ges Licht über das Dunkel ihres Lebens
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon