Seite - 245 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
Bild der Seite - 245 -
Text der Seite - 245 -
245
iVergl. über ihn: Bergmann (am angez.
Orte) I I . Bd. T. 473. — Oeftr. Zeitschrift
für Geschichtskunde 1836, Nr. 32 u. f.) —
3. Johann Anton Graf (Staatsmann,
geb. 3. Nov. 1699, geft. nach Bergmann 1748,
nach Knefchke 16. Aug. 1768) war ein Sohn
des Grafen Johann Peter. Erhielt am
26. Jänner 1718 die niederösterr. Landmann-
schaft im Herrenstande, am 22. Dec. 1730
im Lande ob der Enns; wurde 1739 Landes-
hauptmann in Kärnten, 1743 u. 44 Präsident
der Administration der eroberten churbairischen
Lande und laiserl. Statthalter in der Pfalz.
lVergl. über ihn: Bergmann (am angez.
Orte) I I . Bd. S. 481.) — 4. Johann Peter,
der Erste, Graf (geb. 23. März 1667, gest. 13.
März 1716) wurde von seinem Oheim, dem
Cardinal Johann, adoptirt; war schon im
Alter von 19 Jahren (1686) Reichshofrath und
wurde von Kaiser Leop old am 2. Aug. 1693
in den Reichsgrafenstand erhöbe»; im 1.1698
ging er als kais. Gesandter in die General-
ftaaten, leitete die Geschäfte in den Nieder-
landen und fungirte auf den Friedenscon-
Zressen zu Rastatt und Baden (1714). In Rom
hatte er sich mit Anna Grasin von 5inzendors
<geft. nach Bergmann 4. Februar 1739, nach
Kneschke 4. Oct. d. I.) vermalt. Im I. 1709
errichtete.er die beiden kärntnerischen Fidei-
^ommifse mit mehr denn 500.000 fl., und
starb als Landeshauptmann von Kärnten im
Alter von 50 Jahren. lVergl. über ihn: B er g-
Hn ann (am angez. Orte) I I . Bd. S. 460.1 —
H. Isabella Gräsin (geb. in den ö'ftr. Nieder-
landen i i . Juli 1784, gest. zu Rodaun
nächst Wien 6. Oct. 1855). Tochter des Gra-
fen Joseph von Thürheim und zweite Ge-
malin des Grafen Peter von Gosß lsiehe
den Folgenden). Mit seltener Frömmigkeit
und Herzensgüte verband sie ein lebhaftes
Interesse für Erhaltung von Alterthümern.
Ihrer Vorsorge ist das schützende Eisengitter
.zu danken, welches den Herzogsftuhl auf dem
Zollfelde in Kärnten umgibt, auch hatte sie
die Nuheftätte des Königs Boleslaus von
Polen wiederherstellen lassen. lVergl. über sie:
Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt)
L855, Nr. 26.1 —6. Pet«r Graf (Staats-
mann, geb. zu Florenz 8. Febr. 1774,
Heft. zu Wien 11. Juli 1846). Ein Sohn des
Grafen Johann Karl Anton, General-
majors u. Gardecapitäns des Großherzogs von
Äoscana, aus der Ehe mit der Gräsin Anna
von Chriftassnigg (9. Mai 1809). Kam 1790
nach Wien, wo er die Rechte ftudirte und 1795
in Staatsdienste trat. 7. März 1797 warb
«r überzähl. Kreiscommissär, 1798 l. l. Käm-
merer, 19. Nov. 1799 überzahl. Rath beim kärntnerischen Gubernium, 1800 war er als
Oberlandescommissar im Cond s'schen Corps
und bei den späteren Armeebewegungen in
Verwendung. Nun wurde er der Hofcommission
zugetheilt, welche die Organifirung von Iftrien,
Dalmatien und Cattaro leitete, wirkte seit
1802 als selbständiger Hofcommissär in Dal-
matien, wo er in der großen Hungersnoth
des I . 1802 eine solche Umsicht und Thätig-
keit entwickelte und so dem drohenden Uebel
steuerte, daß der Adel von Zara zum Anden-
ken an dieses aufopfernde Benehmen auf ihn
eine Medaille prägen ließ (siehe weiter unten).
Dabei hatte er aus eigenem Vermögen reiche
Summen gespendet. 1804 wurde G. Land-
rechtspräsident und ständischer Chef in Kärn-
ten, kam 1806 in ersterer Eigenschaft und als
Vicepräsident des fteiermärt. kärntnerischen
Guberniums nach Graz, im Juli 1803 als
Gouverneur nach Trieft. Anfang 1809 würd«
G. zum Generalintendanten für Italien und
Tyrol, 1809 zum Gouverneur vou Galizien
und 1815 zu j enem der venetianischen Pro-
vinzen ernannt. August 1819 als Hofkanzler
der lombardisch-venetianischen Hoftanzlei nach
Wien berufen, bekleidete er diese Stelle, bis
er im März 1823 erster Hofkanzler und Stu-
dien-Hofcommissions-Präsident wurde. Im
Verein mit diesen Würden bekleidete er meh-
rere Ehrenämter, so wurde er 1824 Oberst-
hofmeister Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs
Franz Kar l , 1834 Hofmarschall, nach des
Fürsten Rudolph Collo red p Tode (28. Dec.
1343) Stellvertreter des ersten Obersthofmei-
sters und 1345 Kanzler des Ordens der eiser-
nen Krone. Auch fungirte er von 1326—1842
als Präsident der niederöstr. Landwirthfchafts-
Gesellschaft und seit 1821 bis an seinen Tod
als Obercurator der Sparcasse. Im I. 1830
verlieh ihm der Monarch den Orden des gol-
denen Vließes. Der Graf war zweimal ver«
malt, zuerst mit seiner Nichte Naroline Frenn
von Vaiserstein, die während der Entbindung
(2/,. August 1800) in Klagenfurt starb; zum
zweiten Male mit Isaöella Gräfin v. Chürheim
s^. d. Nr. 5^, welche ihren Gatten mehrere
Jahre überlebte. Der Graf starb im Alter von
73 Jahren, indem er bis in die letzte Zeit
im Dienste thätig gewesen. Als Mensch von
seltener Herzensgüte, wohlwollend, und wo
er konnte helfend, war er als Staatsmann ein
Feind der Neuerungen in der alten Staats-
form. lBergl. über ihn: Schulz (Joseph),
Peter Graf v. Goetz als Mensch und Staats-
mann (Wien 1853, Sollinger, 3°., mit dem
in Kupfer gestochenen Porträte des Grafen).
— Schreibers (Joseph Ritter von), Dar-
stellung der Gründung und Entwicklung der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon