Seite - 254 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
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den Studenten den Zutritt versagten
rächte G. sich und seine Collegen mit
einem so argen Pasquille, daß er aus der
Anstalt ausgeschlossen wurde. Durch Ver»
mittlung eines Mönches fand jedoch G.
bei seinen Eltern, ungeachtet dieses außer-
ordentlichen Vorfalls, eine nachsichtige
Aufnahme und nun weilte er im Eltern-
hause. Als der Ba:er uach Ndine über-
siedelte, folgte ihm sein Sohn dahm,
ebenso nach Görz, wo der Vater den kais.
General Lantieri, welcher in Krain
und öfterr. Friaul ein Armeecorps be
fehligte, in ärztlicher Behandlung hatte.
Graf Lantieri, wie seine Vorfahren
und Nachfolger, war ein gastfreier Cava>
lier. In dessen Gefolge begab sich die
Familie Go ldoni auf des Grafen Herv
schaft Wippach nach Krain. Der Graf
ließ daselbst ein Marionetten-Theater
aufstellen, wo G. Gelegenheit hatte, seine
heitere Muse zur Geltung zu bringen.
Er wurde im Hause bald beliebt und
unternahm mit dem Secretä'r des Grafen
eine Reise nach Innerösterreich über
Laibach nach Oraz. Als Graf Lantieri
vöüig genesen war, entließ erreich beschenkt
seinen Arzt, der nun in's Venetianische
zurückkehrte; der Sohn ging nachModena,
um an der dortigen Hochschule seine Stu-
dien zu beendigen. Die Bestrafung eiues
Geistlichen, welcher von einem Weibe
des Mißbrauches der Beichte beschuldigt
wurde, machte auf G. einen so tiefen
Eindruck, daß er in einem Zustande reli-
giöser Schwärmerei beschloß, Kapuziner
zu werden. Als er seinem Vater diesen
absonderlichen Entschluß mittheilte, war
dieser weit entfernt, seinem Sohne das
Vorhaben auszureden, sondern er ließ ihn
zu sich kommen, verschaffte ihm allerlei
Zerstreuungen uud diese Kur hatte als-
bald erwünschten Erfolg: Goldoni kam
auf andere Gedanken. Da es endlich galt,
einen Beruf zu wählen, trat er bei dem
Gehilfen des Kanzlers, der im Namen des Statthalters von Chiozza die Straf-
rechtspflege versah, in Dienste und gab
Proben tüchtiger Befähigung. Seiner
alten Neigung zur Bühne getreu, brachte
er jetzt zwei Possen ;ur Aufführung, die
er selbst verfaßt, die aber später ein Vene«
tianischer Advocat sich angeeignet hatte.
Als fein Vater in Bagnocavallo, wo er
in letzter Zeit die ärztliche Praxis aus-
geübt, starb (1731). übersiedelte die
Mutter nach Venedig und wünschte, daß
ihr Zohn
sich daselbst ansäßig mache und
die Advocatie ausübe, für welche damals
in Venedig ein goldener Boden war. In
Padua hatte O. (1738) die Doctorwürde
erhalten und ging nun nach Venedig;
ehe er sich aber zur Geltung bringen
konnte, mußte er zu dramatischen Arbei-
ten als Nebenerwerb die Zuflucht neh-
men. Eben als sein Glücksstern aufzu-
steigen begann, brachte ihn ein Liebes-
verhältniß in neue Verlegenheiten. Er
wollte dasMädchen seiner Wahl heiraten,
aber die Angehörigen der Braut ließen die
verabredeten Bedingungen unerfüllt und
G. sah
sich gerade in dem Augenblicke, als
sich ihm günstigere Aussichten eröffneten,
genöthigt, seinem Berufe zu entsagen
und in die weite Welt aufs Gerathewohl
zu wandern. Mit dem Drama ^maln-
ta" in der Tasche trat er seine Wan-
derung an uud ging zuerst nach Mailand.
Dieses streng
nach den classischen Negeln
der Einheit der Zeit, des^ Ortes und der
Handlung gearbeitete Stück fiel schon bei
der Probevorlesung durch. In dieser
Noth, da er seine letzte Hoffnung, durch
dieses Drama sich sein Fortkommen zu
begründen, schwinden sah, fand er bei
dem venetianischen Gesandten, dem er
empfohlen war, Hilfe. Dieser nahm ihn
als Gesaudtschaftscavalier in's Haus und
n dieser Stellung, die sehr wenig Zeit
in Anspruch nahm, konnte G. seiner
dramatischen Muse nach Belieben huldi-
gen. Dem bekannten Charlatan Buo n a-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon