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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
Seite - 286 -
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Seite - 286 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5

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Außerdem zahlreiche kleinere Gedichte, kritische und satirische Aufsätze u. d. m. ll. Zur Kritik von Carlo Gozzi's Schriften N2Ü2N2 (I3r65oig. 1822, kl. 3°.) III. Nä S. «9; in der deutschen Uebersetzung (Zürch 1830, Orell, Fueßli und Comp.» I I I . Bd. S. 76. lWir entnehmen der ebenso scharfen als geistreichen Charakteristik einzelne Stellen: „Carlo Gozzi war ein Sonderling, oder wie die Alten gesagt hatten, ein neuer Mensch, aber von solcher Neuheit, daß man sie gemein nennen mochte; und wie Leute von solchem Gemüth pflegen, erhöhte er noch durch Kunst, was er Seltsames von Natur hatte. . . G. war im Acußern ein Heraklit, im Innern aber ein Demokrit, den die Kenntniß der Ve- netianer und iyres Treibens und selbst sein Beruf als komischer Schriftsteller gelebrt hatte, nur d:e lächerlichen Seiten der menschlichen Natur aufzufassen, und er selbst gesteht uns diese seine Neigung an tausend Stellen seiner Denkwürdigkeiten ein. Und wenn er auch in seinen Memoiren besorglich für die Ehre thut, so scheint er doch nie eine gewisse Tiefe des Herzens und Geistes in der menschlichen Natur auch nur geahnt zu haben; und wenn er auch wohl eine Spur davon in andern zu ent- decken glaubte, so hielt er es für bloße äußere Ziererei und hatte seinen Spatz darüber (ms- in,ori6 inutili si?97j I I I . Bd. S. 33). Diese gemeine Ansicht, die er von den Menschen hatte, rührte wohl von der verworfenen Ge- sellschaft her, in der cr sein ganzes Leben hin- durch sich umgetrieben hatte. In Folge dieser Lebensweise und den Maximen, die er daraus schöpfte und festhielt, blieb er in einer erstaun- lichen Unwissenheit in Allem, was über die Stadtgeschichten hinausging und er that stolz darauf. Er war äußerst bewandert in allen vaterstädtischen Gebräuchen und Gewohnhei- ten, und wenn es sich darum handelte, wo man den süßesten Kürbis 2II2. vsuesiknö. be- kommen könne, oder wo man gewisse kleine Fischlein am besten backe, so war Keiner ge- lehrter als er, im Uebrigen war er freilich selber nur ein Fisch der Lagune. Aeußerst auf- geweckt in seinem Wasser, würde er, wenn man ihn daraus genommen, gewaltig nach Luft geschnappt haben und er wäre in jedem andern Winkel der Erde wohl die allerneueste und wunderlichste Erscheinung gewesen."1 — Lismoncii, 0 e I2. l i tttzi-kturs äu 2l iäi äs I 'Lurope. I I . Lä. 8. 383 ^stellt die Behauptung auf, G.'s Komödien seien nicht aus dem italienischen Charakter geboren; man möchte sie viel eher für das Wert eines Deut- schen halten. Die Scenen, welche er seinen Improvisatoren anvertraute, waren so vorbe- reite: und skizzirr, daß sie weder in Bezug auf die Absicht, die man erreichen wollte, noch auf die Qualität der anzubringenden Späße, noch auf den Effect, den man hervorbringen wollte, leicht irregehen konnten. Sismondi klagt, daß die Masken in G.'s Feenmärchen ihren individuellen Charakter verloren namentlich Pantalon, in welchem Sismondi einen Repräsentanten der Rechtlichkeit, Einfachheit und Gutherzigkeit der alten venezianischen Kaufleute zu erblicken wähnte). — OmFnsns inderNi<)Fi'3.r,ki2univ6i'5k1iV XVIII. Lä. 8. 236 im Artikel Gozzi, widmet dem- selben eine sehr ausführliche Darstellung und will in ihm einen der feinsten und scharfsin- nigsten Geister, einen der originellsten nnd italienischsten (im Gegensatze zuSismondi) Schriftsteller der letzten Zeiten finden. — Im Gegensatze zur oben angeführten Charakteristik Ug 0 ni's nennt Schlegel in „Ueber drama^ Kunst und Literatur" I I . Bd. S< 59 G 0 z; i's Stücke: „Stücke auf den Effect, wenn es je dergleichen gegeben hat, von kecker Anlage, noch mehr phantastisch als romantisch, wie- wohl er zuerst unter den italienischen Lnst- spieldichtern Gefühl für Ehre und Liebe zeigt." Geistreich bezeichnet Schlegel in G.'s Stücken ihre Haupteigenthümlichkeit, nämlich den Con- traft: daß G.'s Masken sich in ihrem gcmeinen plcbeischen Dialect ausdrücken, während die ernsthaften Personen (oft in Versen) nicht die Sprache gemeiner Leidenschaften reden. Hätte G. den Wcrtb dieses Umstandes selbst einge- sehen, er hätte in seinen guren Folgen frucht- bar werden müssen; denn der Umstand, daß die Träger des niedrigen und prosaischen Lebens diejenigen deö böhcren und poetischen beob- achten und zu parodiren suchen, kann bci con- fequenter Wiederholung nicht ohne Wirkung bleiben. — Auch im Gegensatze zu Ugoni und Sismondi und übereinstimmend mit Guingenä sagt die Sta iN: „Gozzi , Goldoni 's Nebenbuhler, hat mehr Origi- nalität in seinen Compositionen, sie gleichen weit weniger regelmäßigen Komödien . . . er hatte zu seiner Zeit einen erstaunlichen Beifall und vielleicht isi er derjenige tomische Dichter, dessen Gattung am meisten für die italienische Imagination paßt." — Horn (F.), Ueber Carlo Gozzi's dramatische Poesie, insbesondere über dessen „Turanvot" nnd die Schiller'sche Bear- beitung dieses Schauspiels, in Briefen . . . . (Penig 1803, Dicnemann und Comp.). — In neuester Zeit (Jänner 1859) las Pro- fessor Schnackenburg in einem zu Berlin von mehreren Gelehrten zu Gunsten der Schiller-Stiftung gehaltenen Cyklus von
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Füger-Gsellhofer, Band 5
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Füger-Gsellhofer
Band
5
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1859
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
426
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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