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und weiß, das linle gold und roth abgetheilt,
auf dem linlen den schwarzen Adler von 4.
Graffenstew, Franz Anton (Thier-
maler, geb. in Wien 11. März 1717,
gest. um 1730). Bildete sich in Wien
in der Akademie der bildenden Künste.
Anfänglich malte er Alles und seine Ar-
beiten waren ohne höhere Bedeutung.
Später aber verlegte er sich
auf die Thier-
malerei, in welcher Hamilton und Dom
seine Vorbilder waren, und leistete in
diesem Fache Vorzügliches. 1769 wurde
er Mitglied der Akademie, für welche er
einen Rehkopf und einen Fasan als Auf-
nahmsstücke gemalt hatte. Auch hatte er
für den Kaiser Franz I. mehrere Thiere
der Scho'nbrunner - Menagerie gemalt.
Seine Arbeiten in diesem Genre erfreu-
ten sich
bald solcher Anerkennung, daß er
für Bestellungen aus Italien, Deutsch-
land und Rußland arbeitete.
lDe Lucaj Das gelehrte Oesterreich. Ein Ver-
such (Wien 1778, Trattnern, gr. 8°.) I. Bdes.
2. Stück, S. 307. — Nagler (G. K. Dr.),
Neues allgem. Künstler-Lexikon (München
1835 u< f., 8°.) V. Bd. S. 322.
Grailich, Wilhelm Joseph (Kry-
stallograph, geb. zu Preßburg 16.
Febr. 1829, gest. zu Wien 14. Sept.
1859). Sein Vater ist Professor der Phi-
lologie am evang. Lyceum zu Preßburg.
Die Schulen besuchte der Sohn in seiner
Vaterstadt und seiner Neigung für natur-
wissenschaftliche Studien folgend, vollen-
dete er dieselben an dem Polytechnischen
Institute in Wien. Mineralogie und
Mathematik trieb er mit besonderem Ei-
fer und, kaum 23 Jahre alt, widmete er
sich der Untersuchung der optischen Ver-
hältnisse complizirter Zwillingskrystalle,
insbesondere der räthselhaftenGruppe der
Glimmer. Schon im Dec. 1852 legte er
seine erste Arbeit: „NutimNnng des Winkels
der optischen Aitn mitklzt der Farbelllinge" der
kaiserl. Akademie vor. Sie und die Fol-
genden erregten die Aufmerksamkeit der Männer vom Fach und drei derselben^
im Ausland geschätzte Gelehrte Oester-
reichs, Ettingshausen (s< d. IV. Bd.
S. 109), Haidingerund Schrötter
unterstützten mit ihrem Rathe den jun-
gen geistvollen Forscher. Die Erforschung
der Krystalle hatte sich G. zur Lebens-
aufgabe gemacht. G. wurde nun Doctor
der Philosophie an der Wiener Univer-
sität und habilitirte sich als Docent für
Krystallographie und höhere mathema-
tische Physik. Von dem Mohs'schen Sy-
stem in der Krystallographie abweichend,
bekannte er sich zu den Methoden von
Neumann und Miller und trug durch
die Bearbeitung der Krystallographie des
Letzteren wesentlich zur Verbreitung die-
ser trefflichen Methode im Kaiserftaate
bei. Diese Uebersetzung des Mil ler-
schen Buches, welche G. bescheiden nur
eine Erweiterung desselben nannte, be-
zeichnet die wissenschaftliche Kritik als
eine Zusammenstellung aller Forschun-
gen über die physikalischen Verhältnisse
der Krystalle, u. z. als das erste Lehr-
buch der Krystallphysik. Nun machte
sich G. an die Beantwortung der am 30.
Mai 1855 von der kaiserl. Akademie der
Wissenschaften ausgeschriebenen Preis-
frage: „Ueber die Bestimmung der Kry-
stallgeftalten" und erhielt den Preis
(1857). Diese Preisschrift, ein Meister-
werk in seiner Art, enthält vollständige
optische Untersuchungen einer großen An-
zahl künstlich dargestellter Krystalle, neue
Beobachtungen, Entwickelungen neuer
sinnreicher Apparate, und über die unter
dem Namen Fluorescenz längst bekannte
Erscheinung. Aufschlüsse, wodurch diese
die erste wissenschaftliche in die höchsten
Probleme der Physik eingreifendeBegrün-
dung erlangten. Nach Kenngotts Ab-
gang an das Polytechnikum in Zürch
wurde G. an dessen Stelle zum Custos-
Adjunct am kais. Hof-Mineralienkabinet
und dreiviertel Jahre darauf zum außer-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon