Seite - 311 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
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vorgetragen werden, noch mehr, die heiligsten
Wahrheiten erscheinen oft in possierlichster
Kleidung; statt sie ehrwürdig zu machen, er-
scheinen sie lächerlich."). — Mensel (Ioh.
Georg), Das gelehrte Teutfchland (Lemgo
1783, Meyer'sche Buchhandlung, 8°.) Vierte
verbess. und verm. Ausg. I. Bd. S. 599. —
Pillwein (Bened.), Linz. . II. Thl. S. 33.
— Allg. deutsche Bibliothek XII. Bd. S. 241
und XXII. Bd. S. 169.
Grasmayr, Johann Georg Daniel
(Maler, geb. zu Briren in Tyrol 1690,
gest. zu Wiltau 1751). Sein Vater war
ein anerkannter Glockengießer in Briren.
Den ersten Unterricht in der Kunst erhielt
I . G. Daniel von dem Maler Joseph
Alb erti in Cavalese, dann aber ging er
nach Italien, und setzte seine Studien
unter Karl Loth in Venedig und Tre-
visaui in Rom fort. Nach siebenjährigem
Aufenthalt im Lande der Kunst reiste G.
nach Deutschland, dann nach Lothringen.
In Mannheim stand er einige Zeit im
Dienste des Hoses, in Donaueschmgen
malte er im Schlosse des Fürsten Für-
sten b er g, endlich ließ er sich 1724 zu
Wiltau in Tyrol bleibend nieder und
übte daselbst bis an seinen Tod die Kunst
aus. Nach dem tyrolischen Künstler-Lexi-
kon wäre er aus Verdruß über seine un-
glückliche Ehe und über die Zurücksetzung
gestorben, daß statt ihm dem Maler Mi-
chael Unterberge r die Ausführung des
Hochaltarblattes der Brirener Domkirche
übertragen worden. G. war ein sehr
fruchtbarer Maler, Tyrol desitzt wenig-
stens 50 Altarblätter seiner Hand, außer-
dem viele Landschaften. Unter seinen Al-
tarblättern
sind
zu nennen in Innsbruck:
„Ner heil. Sebastian" ; — „Maria Himmel«
tahrt" und „Ner heil. Johann uon Neponmk",
in der Pfarrkirche zu Innsbruck; —
„Nie sieben Diiter" und „Ner heil. PeNegrin",
in der Servitenkirche; — „Ner h. Georg"
in der Capelle des Landschaftspalastes; —
„Ner heil. Andreas" und „Nie heil. Katharina"
in der Pfarrkirche zu Wiltau; — ferner
„Ver heil. Schnhengel", in der kleinen Kirche zu Stufels nächst Briren; — außerdem
zu Innsbruck im Bibliotheksaale das De-
ckengemälde in Oel. die Speisezimmer
bei den Serviten. Zwei seiner Land-
schaften sind im Besitze des Franz von
Weinhart in Innsbruck. G.'s Arbeiten,
welche sich durch richtige Zeichnung und
treffliche Composition auszeichnen, und
nur im Colorit das Brandige in der
Carnation aufweisen, ein Uebel, das er
sich von seinem ersten Meister Alberti
angeeignet hatte, werden noch heut zu
Tage in Tyrol geschätzt. In seinen Land-
schaften ist die Perspective immer vor-
trefflich und nur die Farbe läßt manches
zu wünschen übrig. — Von seinen zwei
Söhnen starb einer Joseph Lukaa, der
bereits gute Landschaften malte, in der
Blüte seines Lebens, mit 15 Jahren;
der zweite Johann Sebastian malte auch,
ging aber in Unthätiqkeit unter und siel
seiner Schwester zur Last, welche auch
malte.
Erscheint als Grasmayr und Grasmeyr;
Meusels „Neue Miscellen" II. Bd. S. 237,
Lipowsky's „Bairisches Künstler-Lexikon"
und Fueß l i ' s „Allgemeines Künstler-
Lexikon" berichten das oben Gesagte von
einem Mathias G-; sis dürfte dies, wenn
nicht ein zweiter Künstler Namens Mathias
besteht, wohl eine Irrung in den Taufnamen
fein, da alle anderen Quellen, insbesondere
aber Tschischka unseren Künstler Johann
Daniel nennt. — Staffler (Ioh. Jakob),
Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topogr.
. . . . (Innsbruck 1847, Rauch, 8°.) II. Bd.
S. 98. — Nagler (G. K.Dr.), Neues allg.
Künstler-Lexikon München 1837, 8°.) V. Bd.
S. 338. — Tschischka (Franz), Kunst und
Alterthum in den öfterr. Staaten. — Tiro-
lisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, F.
Rauch, 8°.) S. 71. — Oestr. National-En-
cyklopädie (von Gräffer und Czikann),
(Wien 1835) II. Bd. S. 415. — Monument.
Der k. k. Hofrath Ios. Freih. v. Sp erges,
ein besonderer Verehrer G.'s, dessen Zögling
er war, verherrlichte sein Andenken durch ein
Denkmal, welches er ihm in der Kirche zu
Wiltau von Stein errichten ließ. Das Denk-
mal weist G.'s Porträt in weißem Marmor,
von dem berühmten Bildhauer Fz. Zaun er
aufgeführt, und folgende Inschrift: 0. 0. 2l.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon