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uns dieses Oedahren ein wehmüthiges
Lächeln ab, wenn wir sehen, wie seine
Dichtungen, gleich Wein, wenn er älter
wird, mit jedem Jahre im Werthe stei-
gen; aber daß wir durch diese Consequenz
einer negativen Kritik um manches herr-
liche Kunstwerk gekommen, ist auch nicht
zu zweifeln. I m Jahre der Juli-Revo-
lution vollendete O. ein neues Werk,
welches wieder einen griechischen Stoff
behandelte, dessen Titel: „Des Meeres nntl
wr kiebe Meilen", G. aber absichtlich statt
des nahegelegenen „Hera und Veander" ge-
wählt, weil er nicht wieder wie bei
„Supjchll" den Anspruch absolut griechischer
Welt aufwecken wollte in deu Kritikern,
welche so gern philosophische Ansprüche
machen, wo poetische befriedigt werden.
Das Stück, zum ersten Mal im April
1831 aufgeführt, wurde nach wenigen
Vorstellungen zurückgelegt; erst in der
neueren Zeit 1851, u. z. den Bemühun-
gen und der geistvollen Iuscenesetzung
des DirectorZ ^'aube, ist dcr glänzende
Erfolg, ja die Zurückeroberuug dieser
Perle der deutschen Poesie fiir die deutsche
Bühne zu danken; Frau Bayer-Bürck,
welche die Rolle der Hero spielt, hat aber
auch großen Antheil daran, denn sie hat
sich diese Rolle zu eigen gemacht, wie keine
Künstlerin vor ihr und bisher keine nach
ihr. So hatte G. bereits den Boden der
Antike in wechselnder Gewandung, und
den der Geschichte betreten, nun schien
er beweisen zu wollen, daß er auch auf
jenem des Orients sich heimisch fühle,
und es entstand das wunderliche, doch so
herrliche Stück: „3er Gmnm em Aeben",
von dem der Dichter, ungewiß noch über
den glänzenden Erfolg, den es bei seiner
ersten Aufführung im October 1834 und
seither immer feierte, selbst sagte: „Ein
Dichter, der ein zweites Stück dieser Art
schriebe, verdiente Zücht'Gung, dies eine
gewagt zu haben, verdiene, daß es gefiele;
er liebe übrigens eben diese Dichtung, wiewohl der Erfolg durch die Form, die
Ausführung und das Publicum selbst,
wenn es zu weit voransdeuke, auf die
Spitze gestellt bleibe." Endlich hat das
durch ein Mißverstäudniß irregeleitete
Publicnm dem Dichter, der ihm bereits
eine stattliche Reihe von Meisterwerken
dargebracht, wenn nicht das weitere Pro-
duziren , so doch die Veröffentlichung sei-
ner Schöpfungen für immer verleidet.
Wir meinen hier die empörende Auf-
nahme des letzten Stückes, das G. zur
Darstellung brachte, das im März 1833
gegebene Lustspiel: „Metz' imn, der lügt".
Einerseus hatte die verunglückte Auffüh-
rung, veranlaßt durch schlechte Besetzung
der Hauptrolle, Schuld au dem Falle des
Stückes; 'andererseits war aber der völ-
lige Mangel an Pietät, die nian dem
Dichter solcher Werke, wie er sie geschaf-
fen, schuldete, eine Rücksichtslosigkeit, die
selbst eine weniger sensitive Natur als
jene G.'s tief verletzt haben würde. Seit
dieser Zeit beobachtet G. ein hartnäckiges
Schweigen, und nur in einzelnen Gedich-
ten, die ihm alljährlich abgebettelt werden
für Almanache u. dergl. m. und mitun-
ter wie herrliche Sterne aus der Fluth
gehaltloser Reimereien hervorleuchten,
gibt er von Zeit zu Zeit ein Lebenszei-
chen. I n die obige chronologische Folge
seiner dramatischen Arbeiten fällt noch
vor dem letztgenannten Werke: „N5ch'
dem, der lügt", sein Teit zur Oper „Mein-
mne", welcher ursprünglich für Beetho-
ven gedichtet, spater aber von Conradiu
Kreutzer componirt, und am 9. April
1835 im Iofephstädter Theater gegeben
wurde. Bon seinen übrigen Arbeiten sind
zu nennen, die zahlreichen in Almana-
chen zerstreuten und bisher nicht gesam-
melten Gedichte, von denen weiter unten
eine Uebersicht folgt, in so weit es wir
möglich gewesen, Kenntniß der Fundorte
dieser Perlen der Lyrik zu bekommen.
Wie von seineu Gedichten, so erschien
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon