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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
Seite - 346 -
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Seite - 346 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5

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346 dankenanfänge nnd gehen unter. Einer von ihnen trägt den Zulunftsleim unzerstreut nach Hause, weil er nicht leicht zugänglich, weil er nicht schwatzhaft ist, weil der dichterische Keim scine Mustbel bedrängt. Ueber diesen Einen schalten und schelten denn auch die tausend Vorübergehenden, daß er so sonderbar, ja verdrießlich sei, kurz, daß nichts mit ihm an- zufangen sei. Nein, die Masse weiß nichts mit ihm anzufangen, aber er selbst wciß an- zufangen, er wird ein Dichter und sein Name steigt ans der Masse empor. Dieser hcißt Franz Gri l lparzer. ... Italien und Griechenland waren G.'s Geiste innig vertraut. Man kann diesem formreinli- chen Zuge, dieser keuschen Liebe classischer Anschauung durch alle seine W.'rlc folgen. Sie ist dem Kurzsichtigen klar in „Sappho", in der „Mcdca", in „Hero und Leander", — „Des Mecrcö und der Liebe Wellen", — sie ist aber auch ersichtlich in den Schöpfungen, welche den Äürgcrsohn einer altgeschichtlichcn und romantischen deutschen Stadt, welche den Sohn eines völkerreichen und darum bunten Staates bezeichnen, den Verfasser Ottokars, welcher auf dem Marchfelde erlag, den Ver- fasser des Boucbonus — „TreuerDiener seines Herrn", — den Verfasser des altdeutfchen „Weh' dem, der lügt", den Verfasser des orientalischen „Traum ein Leben". In allen diesen Stoffen waltet der classische Sinn sauberer, sorgfältig abgeglätteter Form, der Sinn für einfach feine Gedanken."... Treffend und kurz erklärt Laube wie es kam, daß eine solche poetische Größe, wie Gr i l lparzer , so lange in Deutschland unbekannt bleiben konnte: „daß Ori l lparzcr ein Ocstcrreichcr ist und seinen Wirkungskreis immer nur in Oesterreich gesucht, das hat allerdings wesent- lich beigetragen, ihn unkenntlich zu erhalten für die Kritik deutscher Literatur. Der Mangel an Verbindung zwischen OcsterreiHu. Deutsch- land war groß, die in Deutschland zur Schau getragene Geringschätzung für österreichische geistige Größen war nicht minder groß und der Mangel an nachdrucksvollen Stimmen aus Oesterreich, welche die Leute jenseits der mäh- rischen und böhmischen Gränzgebirge hätten aufklären und überzeugen können, war noch größer. Sowie in Deutschland die Kritik über- wucherte, so stockte sie in Oesterreich und die Prosa, das Ergebniß des lebhaften Geistes- verkehres, entwickelte sich nicht. Darunter mußte der Nuhm einer österreichisch-poetischen Größe bitterlich leiden." . . . Laube schließt die Lebensstizze mit einer eben auf G r i l l - parzer ganz anwendbaren, aus der Beob- achtung einer Naturerscheinung geschöpften Bemerkung. Nachdem Laube die Perlenbil- dung der Muschel poetisch erklärt, als sam- melte nämlich die Muschel auf Kosten des sinnlichen Lebens alle edleren Bestandtheile in einen Punct, welcher Perle wird, und welcher den Menschen reizender und werthvoller er- scheint, als alles übrige Gehäuse und Leben, schließt er: „Wenigstens hat Gr i l lparZer wenn durch nichts Anderes, dadurch seinen Tichterberuf an den Tag gelegt, daß er sein ganzes Leben hindurch immer seine edelsten und reinsten Bestandtheile verdichtet und ver- klärt hat auf seine eigenen Kosten — zur Freude und zur Erhebung sinniger Menschen. Er ist eine Perle geworden für sein Vater- land." — Gervinus (G. G.), Geschichte der deutschen Dichtung (Leipzig, Engelmann) 4. Aufl. V. Td. S. 535, 624 u. 632. lDas Urtheil des großen Literatur-Geschichtschreibers der deutschen Nation über Gr i l lparzer yieher zu setzen ist unnöthig. Es ist nichtig von der Parteileidenschaft des Norddeutschen gegen alles Süddeutsche irregeführt, ja es erweckt sogar Zweifel, ob Gervinus die Werke Gr i l lparzers alle gelesen, weil in diesem Falle selbst die kühle norddeutsche Re- flexion zu wärmeren Ausdrücken und Ansichten über den Genius des süddeutschen großen Dichters gekommen wäre.) — Morgenblatt (Stuttgart, 4°.) 1819, Nr. 3. Im Aufsatze: „Unternacht-Gedanken über den magnetischen Weltkörper im Erdkörper. Nebst neuen magne- tischen Gesichtern" von Jean Paul kommt folgende Stelle vor: „Neue gute Tragödien- steller sz. B. Werner, Gr i l lparzer in der „Ahnfrau") stellen die von ihnen gebornen Personen in den letzten Acten häusig auf den Kopf und nie ohne Erfolg — was körperlich mit der Faulbrut bei den Bienen geschieht, wenn diese ihre Vienenmoden in den Zellen mit den Köpfen unten legen, nur daß sie dann nicht heraus können — sondern verfaulen — aber mit noch größerem Erfolge werden Tra- giker eingreifen, welche den neuen Ultra- oder Uebertheologen sich anschließend, ihren Kindern nicht einmal etwas geben, worauf sie zu stcllen wären." — Wienerbote. Beilage zu Dr. L. A. Frankls Sonntagsblättern 1848, Nr. 3, 5 . 10: „Grillparzers männliche und weibliche Charaktere." — Oeftr. Blätter für Literatur und Kunst. 1856, Nr. 5 u. f.: „Grillparzers Dramen. Eine kritische Studie."—Auch müssen wir hier des Urtheils von Borne über Gr i l l - parzer gedenken, welches derselbe in seinen dramaturgischen Blättern ausspricht. d) Zur Kritik und Geschichte seiner ein- zelnen Dramen. 4. „Nie Phnfrau." Zum ersten Mal aufgeführt am 31. Jänner 1817
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Füger-Gsellhofer, Band 5
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Füger-Gsellhofer
Band
5
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1859
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
426
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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