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läge. Korrespondenz aus München vom 16.
Februar über Tyroler Künstler.
Grohmann, Johann Joseph (Staats
und Conferenzrath, geb. zu Schon-
linde, Leitmeritzer Kreises in Böhmen,
1. Ang. 1753, gest. zu Wien 5. April
1811). Seine musikalischen Anlagen ver-
schafften ihm die Stellung eines Sänger-
knaben bei den regulirten Chorherrn zu
Sagan in Preußisch - Schlesien. Im Je-
suiten - Collegium daselbst besuchte er die
Humanitätsclaffen und hörte in Prag die
Theologie, entschlossen, in den Orden der
regulirten Chorherrn des heil. Augustin
zu treten. Aber schon nach 2 Jahren ver-
tauschte er das theologische Studium mit
dem Staatsdienste, dem Polit. Fache sich
widmend. Seit 1773 bei der böhm. Lan-
desftelle dienend, zog er durch seine gedie-
genen Arbeiten in kurzer Zeit die Auf-
merksamkeit der Höheren auf sich; einer
semer Borgesetzten bewirkte seine Ueber-
setzung zur Hofkanzlei in Wien und Kai-
ser Joseph II. ernannte ihn 1782 zum
Staatsraths - Concipisten. 1787 wurde
er wirkl. Hofsecrelär beim Staatsrathe
und 1789 Gubernialrath in Böhmen.
Auf diesem Posten entwickelte G. bei den
ständischen Verhandlungen, in gleicher
Weise die Rechte der Krone, wie die Ver-
fassung des Landes wahrend, eine solche
Energie, daß ihn Kaiser Leopold 1791
zum Hofrathe bei der böhm.-österr. Hof-
kanzlei ernannte. 1796 wurde G. Kanz-
leidirector des Staatrathes, 1800 wirkl.
Staatsrath, im verhä'ngnißvollen Kriegs-
jahre 1809 erhielt er das Directorium
über das ganze Staats- und Conferenz-
Departement in inländischen Geschäften,
und noch in feinem letzten Lebensjahre
die Kanzlerwürde des neu gestifteten öftr.
Leopold-Ordens. G.'s Wirksamkeit bildet
eine Kette von Handlungen, durch welche,
er mit seinem reichen gediegenen Wissen
in die wichtigsten Staatsangelegenheit
ten fördernd eingriff, verfassungsmäßige Rechte und Freiheiten schützte und auf-
recht hielt, gesetzwidrige Vorgänge obrig-
keitlicher Beamten unschädlich machte,
kurz für das Wohl des Staates und sei-
ner Bürger thätig war. Im Alter von
58 Jahren, zu früh für das allgemeine
Wohl, fetzte der Tod seinem segensvollen
Wirken ein Ende.
Archiv für Geographie, Historie, Staats- und
Kriegskunst. II. Jahrg. (Wien 1811, Strauß,
4".) S. 2Z9: „Nekrolog." — Oestr. National-
Encyklopädie (von G raff er u. Czilann),
(Wien 183S) II. Bd. S. 425.
Grois, Alois (Schauspieler, geb.
zu Szarvar in Ungarn 1811). Widmete
sich anfänglich dem Lehrfache, nebenbei
mit Musik sich beschäftigend. 1826 trat
er in Maria-Lanzendorf als Schulgehilfe
ein, dann hörte er in Wien den höheren
Curs der Pädagogik und wirkte gleich-
zeitig als Kirchensänger. Als ihn der
Director des kaiserl. Hofoperntheaters
Duport hörte, trug cr ihm ein Enga-
gement bei der genannten Bühne an.
Auf seine weitere Ausbildung im Ge-
sänge bedacht, machte G. in kurzer Zeit
so günstige Fortschritte, daß ihm 1828
der Antrag wurde, als erster Bassist am
Theater in Lemberg aufzutreten, wo er
als Sara ftro debütirte. Nun sang er
in Ofen, Hermannstadt, Graz; in letzte-
rer Stadt beschloß er aber seine Wirk-
samkeit bei der Oper, widmete sich dem
komischen Fache und wurde bald sehr be-
liebt. 1836 nahm er ein Engagement bei
Director Carl an, aus welchem er nach
Carls Tode in jenes des Directors
Nestroy überging. Gegenwärtig spielt
er noch immer am Carltheater. Auch un-
ternahm er Gastspiele in Berlin, Dres-
den, Hamburg, Frankfurt a/M., Mann-
heim, Prag und andern Bühnen. Als
Carl lebte, war G. mit diesem, Nestroy
und Scholz der vierte im Bunde; nach
dessen Tode wurde er der dritte, und
blieb es mit Nestroy und Treumann,
als Scholz starb. G.'s Komik ist eigen-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon