Seite - 371 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
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land, wo er in die Schulen an der Brera
ging, an welcher der Exjesuit Calimer
Cattaueo undoerPriesterLuigiAlber«
to.lli, beide Muster ihres Faches, lehrten.
Zwar immer noch trug er das clericale
Gewand, weil sonst sein Onkel die Hand
von ihm abzuziehen drohte; aber feft ent-
schlossen war er, bei der ersten Gelegen-
heit , die ihm zur Ausführung seiner
Ideen geeignet erschien, es abzulegen,
um es nie wieder zu tragen. Zugleich
mit den vorgeschriebenen Lehrfächern be-
trieb er fleißig das Studium der classi-
schen Dichter seiner Heimat, und Pe-
trarca, Ariosto, Taffo, Parini,
wußte er auswendig; besonders ange-
zogen aber fühlte er sich
zu den Dialect-
Dichtungen, welche eben damals Carlo
Porta herausgegeben hatte, und ist es
namentlich G., der mit seinen späteren
Dichtungen das Andenken Porta's auf-
frischte. Nachdem er die Studien an der
Brera beendet, zog er das geistliche Ge-
wand aus und ging nach Pavia, um die
Rechte zu studiren. Schon damals dich-
tete er, und machten seine Arbeiten, mei-
stens im Dialect und Satiren auf die
Lehrer, die Nunde unter den Collegen.
Das größte, Aufsehen erregte aber seine
Satire auf Professor Piccioli, halb im
Malländer, halb im Benctianer Dialect,
die, jemehr man sich Mühe gab ihrer
habhaft zu werden, in um so mehr Hände
kam. 1810 erhielt er diejinid. Doctors-
würde und trat nun bei Ludovico Sa-
tz rett i, Advocat in Mailand, in die Pra-
xis; 1815 wurde er selbst Advocat, sollte
aber, da dieZahl derAdvocaten in Mailand
bestimmt und voll war, in die Provinz
gehen. G. zog es vor, in Mailand zu
bleiben und auf die Stelle zu verzichten.
Indessen begann er die ersten Stufen
auf der Nuhmeslener mit seinen Dichter-
werken zu erklimmen. Das Gedicht auf
den Finanzminister P rina, betitelt^ n ' -
erschien anonym und machte großes Aufsehen. Mau hielt allgemein
Porta für den Verfasser. G. aber wollte
nicht, daß ein Anderer seinetwegen ge-
fährdet werde. Er ging zu dem damali-
gen Gubernial - Präsidenten Grafen
Säur au und gab
sich als den Autor der
Satire an. Dieser Zug gefiel dem Staats-
manne. G. wurde freigesprochen und
das Urtheil lautete dahin, daß ihm diese
That weder jetzt noch sonst jemals in sei-
ner Laufbahn angerechnet werden solle.
Vor der Hand bestanden seine Dichtungen
immer noch in Handschrift und erst 1816
wurden zwei derselben: ^ a ^iogglia
cl^ o/'o^ und y^,» /i^glitiva" in der von
Franc.Cherubini(s.d.II.Bd.S.337)
herausgegebenen „Ooilesione
Fliori oxers geritts in
N686- abgedruckt. Der wachsende Ruf
des geistvollen Dichters brachte G. mit
Porta zusammen und bald entwickelte
sich zwischen beiden die innigste Freund-
schaft, welche nur Porta's Tod löste
(5. Iän. 1821). Im I . 1820 war G.'s
„liäsgon^a" erschienen. Nun aber brachte
er dem Freunde ein Todtenopfer dar,
indem er dessen zerstreute Dichtungen
sammelte, und 1821 in zwei Bänden,
von Porta's Biographie eingeleitet, her-
ausgab. Den verblichenen Freund sollte
nun ein zweiter nicht weniger hochsinni-
ger, Alexander Manzoni, ersetzen, und
wirklich fühlten
sich
die gleichgestimmten
Seelen so mächtig zu einander gezogen,
daß
sie
beisammenwohnten und 18 Jahre
hindurch in dieser Gemeinschaft blieben.
1826 ging G. daran, sein Wert: „ I^ o?n>-
bai'H alla^T't'm.a c^ociata ^ zu veröffent-
lichen. Die Unterzeichnung auf das Werk,
wie dies in Italien Sitte, wurde eröffnet
und nahm einen bis dahin nicht erlebten
Fortgang. In kurzer Zeit waren 2500
Exemplare gezeichnet, welche dem Dichter
einen Reingewinn von 30,000 Francs
abwarfen. G. kaufte sich für diese Summe
eine kleine Villa bei Treviglio, welche
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Band 5
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Füger-Gsellhofer
- Band
- 5
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1859
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 426
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon