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Badsburg — Joseph 294 . 'Habsburg — Joseph
glänzenderen Sieg erfochten Eugen
und Mar lborough am 11. Sep-
tember 1709 bei Malplaquet. Im März
1710 begannen we Friedensunterhand-
lungen; aber Oesterreichs Bündniß mit
England wurde durch den Sturz des
Whigministeriums gelockert, und so konnte
Ersteres aus allen diesen Erfolgen nicht
jenen Nutzen ziehen, auf den wohl gerech-
net worden war. Eines gerichtlich ver-
folgten römischen Edelmannes wegen
fanden auch Mißhelligkeiten mit Rom
Statt, die so schlimm wurden, daß der
'österreichischeGesandte, Graf Lamberg,
ohne Abschied Rom verließ; dazu gesellten
sich noch andere scheinbare Beeinträch-
tigungen Roms. Papst Clemens XI.
rüstete bereits in Rom, ließ auch acht
Thore seiner Residenz zumauern, endlich
gab er aber doch nach und ein Vertrag
vom 13. Jänner 1709 machte allem
Unfrieden ein Ende. I n Ungarn wurde
der Krieg auch siegreich zu Ende geführt.
Durch seine Stellung zum Auslande war
der Kaiser nun in die Lage gesetzt, seine
ganze Macht zur Entscheidung des spani-
schen Erbfolgekrieges zu verwenden. Alles
harrte gespannt der Entscheidungen des
Jahres 1711, als der Tod des Kaisers,
dem nun sein Bruder, Kar l , als
Kaiser Kar l VI . , folgte, die Sach-
läge in unerwarteter Weise veränderte.
Was die Reichsangelegenheiten unter
Kaiser Joseph I. betrifft, so sind die
wichtigeren derselben die Feststellung
der noch von seinem Vater errichteten
Chur Hannover. Da aber die Reichsstände
nun ein Nebergewicht der Protestanten
im Churcollegium fürchteten, so wurde
für einen vorgesehenen Fall festgesetzt,
daß die Stimmen der katholischen Chur»
fürsten um eine vermehrt werden sollten.
Chur-Hcmnover erhielt das Amt des
Reichs. E'l-zschatzmeisterS. Auch wurde (1708) die von seinen Vorfahren ver-
nachlässigte Churwürde von Böhmen
wieder in ihre vorige Wirksamkeit geseht.
Das seit Decennien verfallene Reichs»
kammergericht hielt zwei Monate vor des
Kaisers Tode — Ende Januar 1711 —
wieder seine erste Versammlung. Joseph
hatte sieben Familien in den Reichs«
fürftenstand und mehrere andere zur
reichsgräflichen Würde erhoben. Die
Reichsstädte, welche keine eigenen Bevoll'
mächtigten auf den Reichstagen hielten,
sondern ihre Anliegen durch den Magistrat
von Regensburg besorgen ließen, mußten
nun besondere Abgeordnete absenden.
Auch im Münzwesen wurde einige Ord-
nung eingeführt. Im Uebrigen konnte
Joseph, durch seinen frühen Tod unter-
brochen, leider keine durchgreifenden Maß-
regeln vornehmen, so nothwendig diesel-
ben bei dem
sichtlichen Verfalle des deut»
schen Reiches waren. Speciell für Wien
umfaßt Kaiser Joseph's I. Wirksamkeit
den Bau der Vorstadt Iosephstadt, der
unter seiner Regierung begonnen wurde,
die Wiederherstellung der alten Peters-
kirche, den Bau eines Theaters, des
Lustschlosses Schönbrunn, das jedoch erst
unter seinem Nachfolger beendet wurde
und die Begründung einer Kunstakademie
(7.December 170!>). Hormayr schildert
den Kaiser folgendermaßen: „Joseph
war von mittelmäßiger Leibesgrößc, stark
und schön gebaut, hohe Anmuth in seinen
Zügen, etwas Durchdringendes und
Imponirendes in seinem raschen feurigen
Blicke. Er hatte eine hohe Stirne, blonde
Haare, stark hervorstehende blaue Augen,
hohe, etwas aufgeworfene Lippen, einen
weiblich zarten Teint, seine Farbe war
nngemein blühend und jugendlich. Sein
Temparament war sanguinisch. Er war
ungemein heftig und aufbrausend, aber
ebenso schnell wieder besänftigt, mit allen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon