Seite - 323 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
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Habsburg — Joseph 323 Habsburg — Joseph
Xlll. Monumente des Kaisers Joseph. Nicht
jene, Statuen und Denkmäler, welche die
schmeichelnde Mitwelt oder die Nachwelt, oft
aus nicht edleren Motiven, den Fürsten errich-
tet, nicht dieß sind die wahren Monumente
eines Fürsten. Die Werke seines Geistes,
seiner Völkerliebe, seiner Obsorge für das all-
gemeine Staatswohl sind es, auf welche die
Nachwelt mit Bewunderung und Dankbarkeit
hinblickt, und so sei denn neben seinen Statuen
und jenen Gedenktafeln, die Iosep h's Namen
verewigen, auch aller jener Werke des großen
Kaisers gedacht, deren Wohlthaten noch den
heutigen Generationen wie den nachfolgenden
zu Guten kommen; aber auch jener, die von ihm
in's Leben gerufen, ein Opfer wechselnder Sy-
steme geworden. Es sind folgende: Das all ge-
meine Kranken haus. In der Alseruorstadt
1784 errichtet. Mit dieser Anstalt in Verbin-
dung gründete er das Gebärhaus, das
schon im ersten Jahre 800 Neugeborene zählte,
den Narrenthurm, an dessen verfehltem
Baue nicht der Monarch, sondern das falsche
Princip der Wiffwschaft in Behandlung der
Irren Schuld trägt; das reformirte Finde l-
haus und das 1788 gestiftete Inocula-
tions< (Impft) Haus. Das allgemeine
Krankenhaus trägt die Inschrift:
saluti et Lolatio
^05VViiU8 I I . 1784. —
Das Generalscminariu m. Nm das Lehr-
system des inlandischen Clerus dem Staats-
systeme unterzuordnen, errichtete Joseph im
ehemaligen akademischen Collegium der Jesui-
ten zu Wien das Generalscminar, als Muster-
anstalt für ähnliche Institute in anderen Diä-
cesen der Monarchie. Ueber dem Eingänge des
Generalseminars stand die Inschrift:
Institution! Olari
Rsli3io!ii5 I'irmäuiVvto
Vovit ^oss^1iU5 I I . ^,uZ.
NV60I.XXXIII. —
Das Mädchenpensionat. Um taugliche
Lehrerinen für Mädchenschulen zu bilden, errich-
tete Kaiser Joseph 1787 dieses Institut, 24
Mädchen werden darin durch 8Jahre verpflegt,
unterrichtet und für ihren Zweck gebildet. Der
Kaiser hatte sich die Aufnahme würdiger Offi-
ciers- und Beamtcntöchter selbst vorbehalten.
Wie wohlthätig wirkte dieses Institut schon in
jenen Tagen. In der Gegenwart ist damit dem
allgemeinen Bedürfnisse lange noch nicht
abgeholfen; kaum dürfte in Wien über irgend
etwas mehr Klage zu führen sein, als über die Übeln Verhältnisse des Mädchen-Unter-
richts, der aber durchaus nicht so gering
angeschlagen werden darf, als es zu gesche-
hen pflegt; denn an guten und unterrich'
teten Müttern ist in unserer Residenz wahr-
haftig kein Ueberfluß und in diesem Mangel
steckt die Quelle manchen großen Uebels. —
Die medicinisch-chirurgische Mil i tär-
Akademie, gewöhnlich das Iosephinum
genannt, mit eigenem botanischen Garten,
eigener Bibliothek, Instrumenten und Wachs«
praparaten-Cabinete. Joseph's Leibwund-
arzt Brambil la besitzt unvergängliche Ver-
dienste um die Ausführung dieser herrlichen
Anstalt des großen Kaisers. — St i f tung
für arme Iägerskinder. Leopold der
Heilige ließ an der Stelle, wo der Schleier
seiner Gattin gefunden wurde, Klosterneuburg
erbauen. Hunde waren es, die den Schleier
gefunden. Aus Dankbarkeit stiftete Leopold
den ewigen Unterhalt dieser Hunderace. Kai«
ser Joseph glaubte den Heiligen richtiger zu
ehren, wenn er das für Hunde bestimmte Stif-
tungscapital für Menschen verwenden ließ, und
gab es dem Waisenhause mit der Widmung,
daß dafür arme Iägerskinder erhalten werden
sollten. — Das Taubstummen-Institut.
Eine Frucht der Pariser Reise Joseph 's und
seines Besuches bei Abo« l'Ep se. Es wurde
1784 auf dem Dominikanerplatze errichtet, 1786
wurde damit eine Buchdruckerei verbunden.
Es war für 30 taubstumme Kinder, welche
unentgeltlich darin verpflegt wurden, bestimmt.
Das Haus hatte die Inschrift:
sm-äoi-uni KIu.tornuiy.uo
Institution! Ot Viotui
^05SxK.U5 I I . H.U3.
Das Thierarznei.Institut und das
Thierspital in der Rabengasse der Vorstadt
Landstraße. Joseph legte schon 1769 den
ersten Grund dazu und ließ den Professor
Walstein zu diesem Zwecke reisen. Als
Walstein 1777 zurückkehrte, kamen beide
Anstalten vollkommen zu Stande und W.
erhielt deren Leitung. I n der Thierarzneischulc
werden alle Theile der Thierarznei theoretisch
und praktisch gelehrt, und eine Verordnung
uom Jahre 1777 versagt allen Schmieden das
Meisterrecht, welche nicht den Lehrcurö in der
Thierarzneischule zurückgelegt haben. 1780 kam
als Vortragögegenstand die Seuchenlehre hinzu
und im nämlichen Jahre entstanden Pro<
fessurcn über die Veterinärkunde an den Hoch-
schulen zu Prag, Lemberg, Freiburg und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon