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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
Seite - 324 -
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Habsburg — Joseph 324 Habsburg — Joseph Gratz. — Außer diesen humanistischen Anstab ten, deren Segen bereits die Generationen fast eines Iahrhundertes empfunden haben und noch empfinden, hat Joseph mehrere sittliche und physische Verschönerungen theils ange- bahnt, theils ausgeführt; so wurden die Kir- chen von allem überflüssigen, oft lächerlichen Schmuckwerke, die Altar- und Heiligenbilder darin von ihren Perücken, Reifröcken und Rauchmänteln u. dgl. m. befreit; die Zahl' tische vor den Kirchthüren, der Trödel vor denselben und die wenig erbauliche Opern« musik in derselben abgeschafft; die kaiserliche Bibliothek entsprechend eingerichtet, sie wie die Gemäldesammlung im Belvedere und andere öffentliche Anstalten der Art mit werthvollen Büchern und Gemälden bereichert; das Natio- naltheater allmälig verbessert und ihm eine edlere sittlichere Gestalt gegeben; die Glacien Wiens mit Bäumen bepflanzt und mit Wegen für Wagen, Pferde und Fußgänger versehen; die Beleuchtung in der innern Stadt und in den Hauptstraßen der Vorstädte vermehrt; die unausgesetzte Straßenreinigung eingeführt; der Augarten, bisher dem großen Publikum verschlossen, als „ein allen Menschen gewid- meter Belustigungsort von ihrem Schätzer", wie diese Aufschrift, welche noch heut' zu Tage über dem Eingangsthore des Gartens prangt, erklärt; der verderbliche Wienfluß eingedämmt, 178? tiefer gegraben, mit Weiden und Feldern besetzt und dadurch seine verheerende Macht gebrochen; die Begräonißplatze, welche bis dahin innerhalb der Stadt sich befanden, außer die Linien versetzt. Mit diesen Aufzeichnungen sind Joseph's Monumente, die er sich selbst erbaute, lange noch nicht erschöpft, aber das Angeführte genügt, um gewiß zu sein, daß die an die Geschichte gestellte Frage: welcher gleich mächtige Fürst der vorigen Jahrhunderte hat in so wenigen Jahren gleich viele, gleich große Dinge gethan? unbeantwortet bleibt. — Die bisher angeführten Monumente waren solche, welche Kaiser Joseph der Menschheit errichtet; die folgenden sind jene, welche seinem Andenken sind errichtet worden. Nachricht von dem schönsten derselben gibt F/Zmau^e?' iV.^, I^s monumeut äo ^osonii I I . sriFö xn,l Ü?. Mnods, ?oi.). — C. A. Schimmer in seinem Werke: „Kaiser Joseph der Zweite, das Leben und Wirken u. s. w. Briefe und Actenstücke von diesem großen und unvergeß» lichen Monarchen" (Wien 1853, so.) Fünfte Aufl. S. 301—371: „Das Joseph-Denkmal in Wien" ^eine ausführliche Beschreibung der Zauner'schen Iosephstatue, mit Erklärung aller Basreliefs, Angabe aller Inschriften und mit der Abbildung des Monuments. Die Inschrift auf dem Fußgestelle vorne lautet: ^^so5SV^0 I I . ^.UF. Hui Laluti vuklillÄQ vixit nou 6.1U 8SÄ totus"; rückwärts: ,)1?ra,noi3ou3 Koni. st ^ustria.6 Imp. sx krn,trs n6Z)08 altsri xarsnti xosnit, 1806". Diese vorste- hende Inschrift wurde benützt, nachdem die des Hofrathes von Birkenstock: ^oLsylio I I . — ^.räuiü nato — IC^Fnis pyi'ky.neto — Na^oriduL praoi'Lxto", nicht gestattet worden war). — Span (Martin), Neden bei Er« richtung der Statue Joseph's I I . (Wien 1810, Geistinger, gr. 8".). — Ueber der Thüre der päpstlichen Sacristei in Nom steht auf einer Marmortafel folgende Inschrift: -.70»ftM<) I I . K,0N1. IN1P. H.UFULt0. Hnnä In Domwioi NawliL Disi 8oIsrrmitlUi üt saora Seit Kar l dem Großen feierte kein Kaiser den sshristtag in Nom als Kaiser Joseph I I . , u. z. an der Seite eines andern souveränen Fürsten, Gustav's I I I . von Schweden; aus diesem Anlaß ist obige Gedenktafel aufgestellt worden. — Auf derLiechtcnstei n'schen Herr« schaft Posorzitz in Mähren (nicht, wie es öfter vorkommt, Posowitz), auf der Landstraße zwi- schen Brünn und Olmütz, unweit Raußnitz, ackerteI o seph I I . am 19. August 1769 auf offe- nem, dem Bauer Tr enka gehörigen Felde mit dem Pfluge eines Bauers einige Furchen. Wen- zel Fürst Liechtenstein ließ auf dem nämli- chen Acker ein Denkmal von Marmor setzen, mit der Inschrift: „Iinp. Oass. ^0309^0, <Uvi ^rlmoisoi vt Hl. i'ksroLiu.y ^.UF. i>io tNio, czuod, iä anno KIOOOI^XIX inonso ^.UF. äie 19. a.ä sxoitanäa,!^ populorum inäuLtriam, cluoto V^r totuin noo Mssruin nlktro, aZri- oulinram numHui Fenori» nutriooiu nodili- niounllisv.tum ^oüuit ^oL pi'iuospg a. I^iolitouätew." Auf die Pflug- scharre ist auch eine Inschrift gegraben, und der Pflug den Ständen Mährens zur Aufbe- wahrung geschenkt worden. Der Barde Denis hat diese That durch eine Ode: „Die Säule des Pssügers", verewigt. Der Pflug befindet sich gegenwärtig im Dicasterialhause zu Brünn im
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Guadagni-Habsburg, Band 6
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Guadagni-Habsburg
Band
6
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1860
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
502
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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