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Habsburg — Karl 342 — Aarl
Feldzug, stellte sich an die Spitze des
Heeres und schlug die denkwürdige
Schlacht von Pavia, wo er nebst der
Schlacht auch seine Freiheit verlor (23. Fe-
bruar 1323). Die wachsende Uebermacht
Karl'sV. erweckte nun Heinrich's VIII.
von England Mißtrauen, und auf Wol-
sey's Zureden, der nach der Neihe zwei
neue Papstwahlen vor sich gehen und sich
getäuscht sah, löste England den Bund
mit dem Kaiser; dieser stellte nun dem
französischen Könige schwere Bedingun-
gen; als aber der gefangene König
Franz zu Gunsten seines Sohnes auf
die Krone verzichten wollte, wodurch
Kaiser Karl alle Früchte der Schlacht
von Pavia verloren hätte, ermäßigte
Karl seine Forderungen, es wurde der
Friedensvertrag zu Madrid (44. Jänner
1326) geschloffen. Als aber Franz frei
geworden, erklärte er. durch Papst Cle-
mens VII., der als das Haupi eines
gegen den Kaiser bestehenden Bundes
galt, seines gegebenen Wortes entbunden,
daß er diese nur unter dem Eindrucke der
Gewalt zugestandenen Bedingungen nicht
erfüllen werde. Ein indessen im Mailän»
dischen von dem Kanzler Hieronymus
Morone angesponnener Verrath, durch
welchen Karl V. seine Eroberungen
wieder verlieren sollte, wurde durch
Pescara, den Feldherrn des Kaisers,
denMorone zu seinen Zwecken gewonnen
glaubte, dem Kaiser entdeckt, und Morone
vor das Kriegsgericht gestellt. Indeffen
hatte der Papst wieder eine Liga gegen
den Kaiser geschloffen, zu welcher
König Franz, Herzog Franz Sforza,
Venedig und Florenz gehörten und
welche die Wiederherstellung der Freiheit
Italiens anstrebte. Der treulose Urhe-
ber dieses neuen Krieges, Papst Cle»
mens VII., wurde nun in seiner eige»
nen heiligen Stadt zweimal in einem Jahre belagert, Nom erobert (das erste
Mal 29. September 4326) und der
Papst gefangen und nach Spanien
gebracht. Als Doria selbst mit seinen
Galeeren auf die Seite des Kaisers trat,
neigte sich die Schale zum Vortheile
Karl's V. Unter solchen Wirren wurde
das Verlangen nach Frieden allgemein.
Margaretha von Oesterreich, des
Kaisers Tante, und Louise, Franz I.
Mutter, hatten mehrere Zusammenkünfte,
deren Folge endlich der sogenannte
Damenfriede von Cambrai (3. August
1323) war. Im folgenden Jahre kam
Karl selbst nach Italien, gab überall
Beweise seiner Mäßigung, setzte die
Medicis wieder in den Besitz von
Florenz ein, vergab dem Herzoge Franz
Sforza, ihn mit seiner Nichte Chri-
stine, der Tochter des Königs Chri-
stiern von Dänemark und seiner Schwe»
ster Isabella ss. Nr. 68^, vermalend;
dann ließ er sich zu Bologna von Cle-
mens VII. zum Könige der Lombardie
krönen. Alle Anzeichen auf einen dauern-
den Weltfrieden waren vorhanden, wenn
nicht die Neligionswirren in Deutschland '
Alles vereitelt hätten. Die Aussöhnung
mit dem Papste war schon (29. Juni
1329) zu Barcelona erfolgt; die mit
England erfolgte bald darauf (am 3.
August); im folgenden Jahre (4. Juli
4330) vollzog Franz seine Vennälung
mit Karl's V. Schwester Eleonore
ss. d. Nr. 32); und als des Kaisers
Tante Margaretha zu Mecheln (1.
November 1330) starb, hatte sie Tags
vorher in mütterlicher Liebe an ihren
Neffen Karl geschrieben: Friede mit
Frankreich, Friede mit England. Bisher
war Karl's Aufmerksamkeit durch seine
Kriege mit Frankreich und Italien von
Deutschland abgelenkt worden; nun aber
konnte er sich den immer verwickelter
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon