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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
Seite - 362 -
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Habsdurg — Karl 362 Hadsburg — Karl lichm Ende gebracht worden wäre, ob- gleich es nicht an diplomatischen Künsten und andern Hebeln, einen letzten endgil' tigen Ausspruch zu erhalten, fehlte. Ueber den weitern Verlauf dieser Erbschafts- angelegenheit haben die französischen Historiker die Sache zu ihren Gunsten dargestellt und nach diesen hatte Kar l I I . — obgleich es ja widersinnig ist, daß er, ein Habsburger, sein eigenes Haus ent- erbt haben sollte — doch zu Gunsten Phil ipp's von Bourbon, Herzogs von Anjou. Enkels Ludwig's XIV., sich entschieden. Im Monat October 1700 hätte sonach Kar l I I . ein drittes Testa- ment errichtet, welchem zufolge er den Enkel Ludwig's XIV. zu seinem Nach- folger in den spanischen Reichen erklärt haben sollte. Daß dieses Testament unter- schoben war, daß der König ausdrücklich den österreichischen Erzherzog zu seinem Erben ernannt, und daß Cardinal Porto Carrero, der Herzog von Medina Sidonia. der französische Gesandte, der Herzog von Montal to und Lessa (am 8. October 1700) das erwähnte Testament unterschlagen und vernichtet und das nachher von Frankreich geltend gemachte geschmiedet haben, ist nach der Hand historisch festgestellt worden. Uebrigens ist es vornehmlich der Unfähig» keit des österreichischen Gesandten in Madrid zu verdanken, daß diese Nichts« Würdigkeit vor sich gehen konnte, da dieser Diplomat sich um nichts bekümmerte, und nicht wußte, was um ihn vorgehe. Die Folge dieser Umtriebe war der blutige und langwierige Successionskrieg, in welchem Oesterreich Spanien verlor. Miß Pardoe in ihrem Werke: „I^ouis XIV. anä tko ", erzählt die unwürdige Comö- die, die man mit dem Könige gespielt, .stail I I . besaß alle Anlagen zu einem guten Regenten und wäre es geworden, wenn Don Juan d'Auftria länger gelebt hatte. Aber gewissenlose und unfä- hige Rathgeber einerseits, wie das lacher« liche spanische Hofceremoniel, welches alle Selbststandigkeit eines Regenten von vorn herein vernichten mußte, andererseits, machten es unmöglich, daß etwas Gedeih- liches zu Stande kam. Um sich aber von diesem HofceremonieleineIdee zu machen, sei hier erwähnt, daß der bestimmten Hof- vorschrift gemäß die Königin im Sommer um 10, im Winter um 9 Uhr zu Bett sich legen mußte, ob sie Schlaf hatte oder nicht. Vergaß des Königs junge Gemalin zur Zeit zu Bette zu gehen, so erschienen die Kammerfrauen noch während der Mahlzeit, nahmen ihr schweigend den Kopfschmuck ab, während Andere sie unter dem Tische entkleideten und so wurde die Königin, ehe sie sich's versah, zu Bette gebracht. Wenn sich der König Nachts in seiner Gemalin Schlafgemach begab, so mußte es vorschriftmäßig im folgenden komischen Aufzuge geschehen: Die Schuhe mußten eingetreten sein, der Mantel über der Schulter hängen, eine Art von Schild hing an einem Arme; am andern an der Schnur ein silbernes Nachtgeschirr. I n der einen Hand hielt der König einen großen spanischen Dhgen, in der andern eine Blendlaterne und so mußte er — gleichsam heimlich — sich zur Königin schleichen. Karl I I . starb in jungen Jah- ren. Er zählte 39 Jahre als er verschied. Die Bourbonen erhielten durch Trug nach ihm ein Land ohne Industrie, ohne Ackerbau, ohne Unterricht, ohne Marine, regiert von Personen, die zu anderen Dingen berufen sind, als zum Regieren, mit schwachen Einkünften, die in schlechter Münze bezahlt wurden, während die erpreßten Schätze der überseeischen Pro- vinzen vergeudet worden waren.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Guadagni-Habsburg, Band 6
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Guadagni-Habsburg
Band
6
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1860
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
502
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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