Seite - 367 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
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Habsburg — Karl 367 Habsburg — Karl
und Rußlands Schutz Friedrich
August's II. Sohn, August III.
(8. October). Spanien, Sardinien und
Frankreich erklärten nun Kar l ' n den
Krieg, und mit solcher Raschheit drang
eine französisch-sardinische Armee in die
3ombardie ein, daß in kürzester Zeit
(December 1733) dieselbe in feindlichen
Besch kam. Zu gleicher Zeit wurde der
Feldzug am Rheine eröffnet. Mit wech-
selndem Glücke ward auf beiden Seiten
gekämpft. Aber durch die Siege bei Bi-
tonto (43. Mai 4734), Colorno (3. Juni)
und bei Parma (29. Juni) verlor Oester-
reich auf immer Neapel und Sicilien, wo
sich Don Carlos (am 3. Juli 1738) zu
Palermo zum Könige krönen ließ. End-
lich kam durch britisch-batavische Ver-
mittlung der Friede zu Wien zu Stande
(3. October 1738), m Folge dessen
Stanis laus der Krone Polens zu
Gunsten August's II I . entsagte, dafür
aber die Herzogthümer Lothringen und
Bar erhielt, die nach seinem Tode
(28. Februar 1766) mit Frankreich ver-
einiget werden sollten. FranzStephan
von Lothringen sollte für sein Stamm-
land Lothringen Toscana nach des Groß-
herzogs Johann Gaston, des letzten
Medicis. Tode erben, welcher am
9. Juli 1737 erfolgte. Don Carlos
behielt das Königreich beider Sicilien, der
Kaiser aber die übrigen Staaten in Italien
mit Parma und Piacenza, und Frankreich
garantirte die pragmatische Sanction.
Am 30. November 1733, am Ordensfeste
des goldenen Vließes, wurde dieser
Friede bekannt gemacht. I n seinen letzten
Lebensjahren wurde Kar l noch durch
den Ausbruch des Türkenkrieges in
Anspruch genommen. Der große Eugen
war todt (gest. 27. April 1736). Die
Kaiserin Anna von Rußland hatte den
Türken den Krieg erklärt und Kar l , als Rußlands Bundesgenosse, mußte am
Kriege theilnehmen; aber man merkte es
bald, daß Eugen fehlte. Die Nieder-
lagen des kaiserlichen Heeres bei Bania»
luka in Bosnien (4. August 1737), bei
Zimok (28. September d. I.) und bei
Krotzka in Serbien (23. Juli 1739),
hatten den Belgrader Frieden zur Folge
(18. September 1739), in welchem die
Pforte Belgrad, Serbien und die österrei-
chische Walachei zurück erhielt und Oester-
reich von Eugen's Eroberungen nichts
blieb, als das Temesv^rer Banat. Nur
mehr ein Jahr überlebte der Kaiser diese
Niederlagen. Nach diesem Ueberblicke der
politischen Ereignisse soll hier noch im
Allgemeinen der Zustände im Innern des
Reiches gedacht werden. Unter Karl's VI.
Staatsmännern erblicken wir den großen
— noch nicht erreichten — Eugen von
Savoyen , Gundaker Grafen von
Stach emberg, den Staatskanzler
Philipp Ludwig Grafen von Sinzen»
dorf und den Staatssecretär Johann
Christoph von Bar ten st e in , vier
Namen voll Klang in der Geschichte der
österreichischen Verwaltung und Politik.
Ueber das Unwesen des Hofknegsrathes
und über die unrühmlichen Niederlagen
des berühmten österreichischen Heeres nach
Eugen's Tode, veranlaßt durch die mit
Dünkel ohne Wissen, Schwäche ohne
Einsicht verbundene Herrschsucht dieses
unfähigen Körpers, berichten die Memoi-
renschreiber jener Zeit. wie Seckendorf,
Graf Neipperg, und des Kaisers Aus«
spruch: „Ist denn mit Eugen alles
Glück von meinen Adlern gewichen?
habe ich denn gar keinen General mehr?"
bestätigt diese traurige Thatsache. Das
Finanzwesen befand sich in äußerst zer»
rüttetem Zustande, im traurigen Gegen-
satze zu Eugen's weisem Rathschlage:
„Eine vollzählige, wohlgeübte Armee und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon