Seite - 368 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
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Zabsburg — Karl 368 Habsburg — Karl
gefüllte Schatzkammer waren die ein
zigen, sicheren Garanten der pragma-
tischen Sanction." In Ungarn wurde
die alte Palatinalverfaffung, unter deren
biegsamer Form die Anarchie ihre Blüthen
trieb, durch die zu Ofen errichtete könig/
liche Statthaltern (consilium lacmni
tbnon.ti3.s rsFiks) ersetzt. Zur Hebung
des Handels und der Industrie, ange-
regt durch das Beispiel Großbritanniens
und der vereinigten Niederlande, that
Karl VI. manchen erfolgreichen Schritt
vorwärts, Trieft wurde zum Freihafen
erhoben; die Hafen von Buccari, Fiume
und Porto Rö wurden verbessert; das
adriarische Küstenland, Croatien, Dalma»
tien, Karnthen und Tirol von Straßen
zügen durchschnitten, welche den Transito
Handel auf eine noch nicht gesehene Stufe
hoben. Einen großen Gedanken, die
Gründung einer Gesellschaft für den
Welthandel zu Ostende, mußte er der
Eifersucht Englands und Hollands opfern,
welche mit Recht eine Concurrenz besorg-
ten. In religiösen Dingen bewährte
Karl VI. weise Toleranz. Dem Prose-
lytenmachen der Gesellschaft Jesu unter
den Protestanten Ungarns trat der Kaiser
selbst in einzelnen Fällen entgegen; um
der allzugroßen Verbreitung der geist-
lichen Güter einen Damm zu setzen, gab
er neue Amortisationsgesetze; auch stif»
tete der Kaiser, dem Widersprüche Roms
entgegen, das Erzbisthum Wien. Für
die Förderung' der Wissenschaften that
Kar l VI. viel und in den Annalen der
Gelehrten . Geschichte Oesterreichs wird
stets sein Name glänzen. Sein Brief'
Wechsel mit dem großen Leibnitz, der
1713 nach Wien kam, über die Begrün-
düng einer Akademie der Wissenschaften,
welche der Förderung der Geschichte in
ihrem ganzen Umfange, der deutschen
Sprache und gemeinnützigen Künsten gewidmet sein sollte, beweist, welches
Gewicht der Kaiser auf eine weise Pflege
der Wissenschaft legte. An Karl's VI.
Hofe, zu seiner Zeit von ihm reich
unterstützt und in ihren Arbeiten geför-
dert, wirkten Männer, welche die Gegen«
wart noch mit gerechter Bewunderung
nennt; um nur Einiger zu gedenken,
seien hier genannt der gelehrte Abt von
Göttweih, Gottfried Bessel, die zwei
Brüder Benedictiner von Melk, Hierony-
mus und Bernard Petz, die berühmten,
in der Wissenschaft hochgepriesenen Bene-
dictiner der Kongregation von St. Blasien
im Schwarzwalde, der Hofbibliothekar
Genti lott i , der Hofaströnom Mari»
noni, Karl 's Leibarzt, der berühmte
Garel l i ; ferner Argelat i , Baluze,
Boerhave, Eccard, Keyßler, Me-
tastasio, Montfaucon, Murator i
und viele Andere. Die Hofbibliothek ehrt in
Karl VI.ihrenzweitenStifter; Eugen's
Bücherschatz, die kostbare Sammlung des
kais. Generaladjutanten von Hohen«
dorf, die griechischen Manuscripte des
berühmten, von K arl VI. hochgeschätzten
Apostolo Zeno, die Bibliotheken des
Erzbischofes von Valenza aus dem Hause
Cordona, Alexander Ricardi's, die
vielen kleineren, hie und da in kaiserlichen
Privatgebauden befindlichen Sammlungen
wurden sämmtlich vereinigt, überdieß im
Auslande oft mit hohen Summen, welche
die kaiserliche Munificenz zu diesem Zwecke
anwies, viele höchst schätzbare Werke ange-
kauft und Alles in dem unter seiner Regie»
rung von Fischer von Erlach in den
Jahren 1726—1735 auf dem heutigen
Iosephsplahe erbauten großen und präch-
tigen Bibliothekssaale aufgestellt. I n
Karl 's Regierungsperiode fallen viele
Neubauten in Wien, und überhaupt eine
in ziemlich großartigem Maßstabe aus-
geführte Verschönerung der Residenz. Zu
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon