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Habsburg — Karl Leopold 391 Aabsburg — Karl Leopold
theidiget wurde. Der ungarische Dichter
Stephan Gyöngyösi behandelte diesm
Vorfall in einem epischen Gedichte. I n
den beiden Feldzügen, in denen Monte»
cucoli und Turenne sich gegenseitig
aufsuchten und einander immer in Bereit»
schaft fanden, so daß es nie zu einer
Hauptschlacht kam (1672—i 673). bildete
sich Karl Leopold zum Feldherrn. Bei
mehreren Gelegenheiten bewies er sich
als kühner und einsichtsvoller Reiter«
general. Monte cucoli sah sich in der
Lage, den damals 34jährigen Helden
dem Monarchen als den Würdigsten zu
bezeichnen, dem er den Feldherrnstab
übergeben könne (1676). Die Belagerung
von Phi l ipps bürg, welche Festung
Frankreich als einen höchst wichtigen
Punct und mit Reckt ansah, und deren
Vertheidigung General Fay mit aller
Umsicht leitete, war die erste Aufgabe,
mit deren Lösung nach Montecucoli's
Rücktritt K a r l Leopo ld betraut
wurde. Der Marschall von Luxemburg
mit einer Armee von 43.000 Mann
suchte alle Anstalten Karl Leopold's
zu vereiteln, jedoch vergebens; Philipps»
bürg mußte sich ergeben. Weniger glück-
lich war er im darauf folgenden Feld»
zuge, der ihm auch zum Besitze des durch
Karl's IV. Tod erledigten HerzogthumS
Lothringen verhelfen sollte. Die Fran-
zosen waren zu keiner offenen Schlacht
zubringen, nahmen aber Freyburg, die
Kehler' und Rheinschänzen bei Straßburg,
und die kaiserliche Armee konnte nur noch
Rheinfelden, Offeuburg und Straßburg
rechtzeitig bedecken. In der Zwischenzeit
war König MichaelKorybut sl0.No-
vember 1673) gestorben. Kar l Leopold
wurde neuerdings für den polnischen
Thron in Antrag gebracht, aber wieder
ohne Erfolg, denn Johann I I I . So«
bieSki wurde (19. Mai 1674) gewählt. Korybut's Witwe aber, Kömgin Eleo«
nore, schon früher dem Herzoge Kar l
Leopold zugedacht, wurde nun dessen
Gemalin und die Vermälung zu Wiener
Neustadt 6. Februar 1678 vollzogen.
Einige Zeit hielt Karl Leopold seinen
Hofstaat in Innsbruck, wo er als Statt«
Halter vom Kaiser bestellt war; aber
schon in kurzer Zeit mußte er an den
Rhein eilen, wo de Crequi bei Offen«
bürg und Breisach feste Stellung genom-
men hatte. Der einzige Erfolg dieses
Feldzuges war die Einnahme vonLandau.
Der Friede von Nymwegen (1679)
machte den Feindseligkeiten ein Ende.
Kar l Leopold, welcher nun in den
Besitz seines Herzogthumes gelangen sollte,
zog es vor, darauf zu verzichten, als eS
unter den Bedingungen anzunehmen, die
ihm Frankreich gestellt und welche seine
vollgiltigen, unentäußerten Ansprüche in
erniedrigender Weise beschränkten. Von
1679 bis 1683 genoß Karl Leopold
den Frieden des Privatlebens. Da brach
der König von Frankreich die Tractate
des Nymweger Friedens und hatte auch
die Türkei zum Friedensbruche beredet.
Kaiser Leopold stellte den Herzog an
die Spitze der ungarischen Armee, welche
nur 37.000 Manu zahlte und überhaupt
Vieles zu wünschen übrig ließ. Der Feind,
dessen Macht wahrend seines Zuges durch
Ungarn täglich an Stärke zugenommen
hatte, zählte nahezu 200.000 Mann und
drang unaufhaltsam gegm Wien vor.
Karl Leopold mußte bereits die Bela°
gerung von Neuhäusel aufgeben, um
Oesterreich näher zu bleiben. Bei Petro«
nell wurden die Seinigen geschlagen und
waren auf voller Flucht, als ihnen der
Feldherr von seiner Rückkehr aus Wien,
wo er nme Befehle eingeholt hatte, ent»
gegen kam. „Wie, Cameradm! ihr gebt
die Ghre der kaiserlichen Waffen preis?"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon