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Habsburg — Karl Leopold 392 Habsburg — Karl Leopold
rief er den Flüchtigen entgegen, und wie
er war, ohne Küraß, warf er sich an
die Spitze einiger Geschwader und hielt
den vordringenden Tataren so inuthvoll
Stand, daß
sie, von panischem Schrecken
ergriffen, in Schaaren flohen. Noch'fand
er so viel Zeit, eine Besatzung von
40.000 Mann in das hartbedrängte Wien
zu werfen, wo die Noth mit jedem Tage
zunahm, bis der große Tag des Entsatzes
(12. September 1683) herankam, dessen
Ehren Karl Leopold mit Johann
Sobieski von Polen, Max Ema-
nuel von Bayern und Johann
Georg III. von Sachsen theilten. Dieser
Sieg über das nach eigenen Angaben
473.700 Mann starke, mit ungeheuren
Vorräthen versehene türkische Belage»
rungsheer befreite Europa von der tür-
kischen Geißel. Karl aber benutzte mit
Sobieski den Sieg, eilte den Fliehen
den nach, schlug sie — die voreiligen
Polen rettend — bei Barkan, nahm
nach fünftägiger Belagerung Gran (27.
October 1683), wo sich beide Fürsten
trennten. Bevor der Feldzug des folgen
den Jahres begonnen wurde, beschwich>
tigte der Feldherr die Ungarn und brachte
die Mißvergnügten zur Ruhe, dann griff
er die Türken energisch an, nahm
Viffegrad (23. Juni 1684), nach gläw
zendem Siege bei der Stadt, die Stadt
Waitzen (28. Juni) und rückte mit seiner
Armee bis vor Ofen, dessen Belagerung
er am 14. Juli begann. einer zum
Entsatze Ofens herbeieilenden türkischen
Armee eine siegreiche
Schlacht lieferte,
die Belagerung aber am 1. November
wieder aufgab. Die Belagerung von
Neuhäusel begann er im folgenden Jahre,
und zwar schloß er es am 7. Juli 1683
ein. Auf die Nachricht, daß die Türken
einen neuen Angriff auf Viffegrad aus-
geführt und Gran einzuschließen beabsich- tigten, überließ er die Belagerung Neu-
Häusels dem General Grafen von Ca«
prara und eilte dem Feinde vor Gran
(18.August) entgegen. Karl Leopold
commandirte den rechten Flügel, Max
Emanuel von Bayern den linken, Lud-
wig von Baden, bei dem Prinz Eugen
sich befand, das Centrum. An acht Stunden
hatte die Schlacht gedauert; die Türken
hatten 7000 Mann Todte, eben so viel
Verwundete; ferner wurden 37 Kanonen,
16 Mörser, 40 Fahnen und Standarten,
130 Munitionswägen und die ganze
feindliche Bagage erbeutet. Der Verlust
der Kaiserlichen betrug 1000 Mann.
Wenige Tage später nach diesem glänzen«
den Siege wurde Neuhäusel (19. August)
mit Sturm genommen. Es war dieß die
letzte größere Unternehmung dieses Feld«
zuges. Der Feldzug des Jahres 1686
beschränkte sich auf die blutige Erstür«
mung des noch immer von den Türken
besetzten Ofen, zu dessen Entsatze ein
mächtiges Heer von Effegg heraufeilte.
Am 18. Juni begann die Einschließung
Ofens; am 2. August langte die 60.000
Mann starke türkische Armee vor Ofen
an, um es zu entsetzen, was ihr aber
nicht gelang. Am 2. September ord°
nete der Herzog den Generalsturm an,
denn Ende August war der kais. Gene»
ral Graf von Scherffenberg mit
10.000 Mann frischen Truppen aus
Siebenbürgen zum Belagerungsheer vor
Ofen gestoßen. Der Sturm gelang
und alle Türken bis auf 2000 Mann
wurden niedergemacht. Der Herzog, seinen
Sieg benutzend, ließ eine hinlängliche
Besatzungstruppe zurück und eilte dem
fliehenden Feinde nach, welcher aber
keine Schlacht annahm. Noch begann
der Herzog die Belagerung von Fünf«
kirchen durch ein Armeecorps, daS Mark»
graf Ludwig von Baden befehligte,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon