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Hadsburg — Ladislaus 49? Habsbnrg — Ladislaus
jährigkeit Ladis laus' sich
selbst regieren
würden. Von dem vereinten Ungestüm der
Ungarn mit Hunyad an der Spitze, der
Böhmen, geführt von Podiebrad, des
Grafen von Cilly und anderer Edlen
gedrängt, war Friedrich genöthiget, die
Vormundschaft über Ladislaus auf-
zugeben, der nun den Grafen von Cilly
zum Vormunde erhielt. Während Ladis«
laus' Minderjährigkeit sollte Hunyad
in Ungarn, Podiebrad in Böhmen
die oberste Gewalt behalten. Zu Preß-
burg leisteten nun die Ungarn dem jungen
Könige om Eid der Treue und in Böhmen
wurde er am 28. October 1433 gekrönt.
Indessen hatte sich Graf, Ulrich von
Cilly durch sein rohes und ausschweifen-
des Verhalten allgemein so verhaßt ge«
macht, daß ihn der junge König aus seiner
Nähe verbannte, worauf der Landes-
hauptmann Eynzinger an Cilly's
Stelle trat. Eynzinger aber behauptete
sich nicht länger als anderthalb Jahre;
Ladislaus berief wieder den Grafen
Ulrich zurück, dessen Uebermuth in leicht-
begreiflicher Weise nur zunahm. Aber
Einer leistete ihm Widerstand: Hunyad,
den auf's Blutgerüste zu bringen, der
verworfene Cilly vergebens versuchte.
Aber wo die menschliche Schlechtigkeit
scheiterte, half der Tod aus, dem Hu-
nyad im Jahre 4436 zum Opfer fiel,
eben als er zuvor den Sieg bei Belgrad
über die andringenden Türken erfochten
hatte. Graf Ulrich war nun allein Herr
und sein ganzes Streben ging darauf hin,
Hu nyad's ganzes Geschlecht, von wel-
chem er immer Widerstand besorgte, aus»
zmotten. Cilly wich vor keinem Mittel
zurück und beschloß durch Meuchelmord
die Söhne Hunyad's aus dem Wege
zu räumen. Aber sein schändliches Vor-
haben wurde entdeckt und er von den
Trabanten seiner Opfer in Gegenwart des jungen Königs niedergehauen. Da
Hunyad's Söhne dem Könige Ladis»
laus den Meuchelbrief des Grafen Ul«
rich vorwiesen, erhielten sie von ihm für
ihr Beginnen Gnade. Aber später, von
den Gegnern der Hunyady überredet,
ließ er einen der Brüder, den Mathias
Hunyady, den Bischof von Wardein
und mehrere Andere ihrer Anhänger zu
Ofen hinrichten; den zweiten Bruder,
Ladislaus Hunyady, nahm er ge-
fangen. Nun begann Ladislaus Krieg
mit seinem Vetter, dem Kaiser Fried-
rich, mit dem ihn noch Graf Ulrich, so
lange er lebte, entzweit hatte. Doch auf
des Papstes Zureden und durch Eyn»
zinger's Vermittlung wurde zwischen
beiden Vettern, dem Kaiser und dem
Könige, Friede geschloffen. Nach been-
digtem Streite hatte Ladislaus eine
Gesandtschaft nach Paris entboten, um
die Hand Magdalenens, der Tochter
des Königs Karl VII., zu werben. Er
hatte schon alle Vorbereitungen zu einem
herrlichen Beilager getroffen, als er zu
Prag, am Jahrestage der Hinrichtung
des Mathias Hunyady, am 23. No»
vember 443? plötzlich starb. Der Ver»
dacht einer Vergiftung — durch Po die-
brad — ist nicht erwiesen, aber wird
allgemein angenommen. Erst in neuester
Zeit hat die Forschung ss. die Quellens die
Vergiftungsfrage wieder aufgenommen.
Auf den nun ledig gewordenen Thron
Böhmens schwang sich Podiebrad, in
Ungarn wurde Ladislaus Hunyady
zum Könige erwählt, der
sich
mit Podie-
brad's Tochter Katharina vermalte.
Ladislaus, noch zu jung, um über
seinen Charakter ein Urtheil zu fällen —
denn alles, was geschah, war das Werk
semer Günstlinge, die er sich weniger
selbst gewählt, als sie sich durch Ränke
seiner Person zu nähern und durch Klug.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon