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Habsburg — Leopold 420 Habsburg — Leopold
es kam zur Schlacht bei Klausenburg,
deren Sieg zu seinen Gunsten nur durch
die im Kampfe erhaltenen Wunden ver-
eitelt wurde; thatsächlich erlag er auch
denselben vier Tage später (6. Juni
1660). Die Türken hatten sich in
Ungarn festgesetzt, und sie zu ver-
treiben, konnte den kaiserlichen Truppen
allein kaum gelingen, die Ungarn aber
sendeten statt der versprochenen 10.000
Mann nur 130 Reiter. Dennoch war es
Montecuccoli gelungen, die Türken
aus Ungarn zu verdrängen. In Sieben»
bürgen hingegen hatte sich Michael
Apafy, von der Pforte begünstigt, an
die Spitze des Landes gestellt und jede
auswärtige Macht, die sich in die innern
Angelegenheiten des Landes mengen
würde, für einen Feind des Landes
erklärt. Bei so bedenklicher Sachlage zog
es Montecuccoli vor, seinen wohler«
wordenen Ruhm ungetrübt zu erhalten
und den Oberbefehl des Heeres nieder«
zulegen, da die feindselige Haltung der
Ungarn wenig gedeihliche Aussichten dar-
bot. Auf Bitten des Kaisers nahm jedoch
Montecuccoli wieder das Commando
an. Seine Untergenerale Souches und
Heister entsetzten nun das von den
Tatarenvölkern hartbedrängte Levenz
(29. Juli 1664) und zwei Tage später
wurde die Schlacht bei St. Gotthärd
(1. August) von 9 Uhr Morgens bis
4 Uhr Abends geschlagen, in welcher
die Türken eine solche Niederlage erlitten,
daß schon am 10. August im türkischen
Lager bei Vischar ein zwanzigjähriger
Waffenstillstand zu Stande kam. Kaum
war die türkische Angelegenheit zu einem
verhältnißmäßig befriedigenden Abschlüsse
gebracht, als König Phi l ipp IV. von
Spanien (17. September 166ö) starb.
Phi l ipp war der Schwiegervater des
deutschen Kaisers LeopoldI. und des französischen Königs Ludwig XIV.;
denn ersterer hatte eine Tochter Phi.
l ipp'sIV., Margaretha Theresia,
letzterer die andere, Mar ia Theresia,
zur Gemalin. Phil ipp's Sohn, der bei
des Vaters Tode kaum 4jährige Karl,
hatte die gerechtesten Ansprüche auf den
Schutz seiner beiden Schwäger; aber wie
auch Leopold seinerseits Alles aufbot,
um Karl und sein Erbe zu schützen,
Frankreich brachte jetzt wieder ein neues
Völkerrecht, deffen Paragraphe es sich
selbst machte, wie es sie eben brauchte,
zur Geltung. Das schimpfliche Verhalten
einiger deutschen Fürsten, unter denen
der Landgraf von Hessen Frankreich seine
Festungen antrug, der cölnische Dom-
capitular von Fürstenberg aber zu
allen französischen Ranken bereitwillig
die Hand bot, machte es möglich, daß
es Ludwig XIV. wagte, im Mai 1637
in den Niederlanden einzubrechen und
gleich die wichtigsten Plätze wegzunehmen.
Spanien war entschlossen, lieber Alles
zu verlieren, als von seinem guten Rechte
nur das Geringste aufzugeben. Holland,
das sich durch die Siege Frankreichs
zunächst bedroht sah, wendete sofort Alles
an, den Frieden herzustellen, und so
wurden am 13. April 1668 die Friedens-
präliminarien zu St. Germain unter-
zeichnet, welchen am 2. Mai derDefinitiv-
tractat von Aachen folgte. Frankreich
behielt in Folge desselben alle in den
Niederlanden eroberten Plätze, gab aber
die Franche-Comte zurück. Drei Tage
später aber schlössen die Generalstaaten,
Schweden und England im Haag die
berühmte Trippel-Allianz, wodurch Frank-
reich gehindert ward, in seinen selbst-
süchtigen Ausschreitungen fortzufahren.
Leider hatte diese Trippel-Allianz keine
lange Dauer. Der englische König
Karl I I . , heimlich Katholik, fand an
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon