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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
Seite - 421 -
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Seite - 421 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6

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Habslmrg — K M 421 Habsburg - diesem Bunde mit zwei protestantischen Mächten kein Behagen und fühlte sich vielmehr zum katholischen Frankreich hin- gezogen. Diplomatische Künste, bei wel- chen Frauenschönheit (die Reize des Frau« leins von Querouaille, nachmaliger Herzogin von Portsmouth) mitwirkten, brachten zwischen England und Frankreich eine geheime Allianz zu Stande (1. Juni 1670), welche Hollands Bestand sehr gefährdeten; aber Wilhelm von Ora» nien vereitelte diesen Anschlag und wurde durch seine Gewandtheit und Menschenkenntnis feinen Geist und ener- gischen Charakter die Hauptstütze der Freiheit und des politischen Gleichgewich» tes in Europa und des land er- und ranke» süchtigen Frankreichs entschiedenster und gefürchtetster Gegner. Oesterreich gegen- über beobachtete Frankreich wie gewöhn- lich die Politik der Täuschung. Seine Rüstungen, die es im großartigen Maß» stabe vornahm, gab es vor, auszuführen, um die protestantische Religion auszurot» ten. Dieser religiöse Ausrottungskrieg verwandelte sich aber mit einem Male in einen planmäßig orgcmisirten Nachekrieg gegen Holland, dem der große Churfürst, durch die Lage seiner Länder selbst am nächsten betheiligt, eiligst mit einem wohl« disciplmirten Heere von 20.000 Mann zueilte. Zu gleicher Zeit spann Frank- reich seine Fäden nach Spanien hinüber, wo der unfähige Karl II. eine Puppe war in den Handen französischer und spanischer Ränkeschmiede. Die Angele» genheiten in Ungarn verschlimmerten sich auch durch die maßlosen Be« drückungen, welche die Protestanten zu erleiden hatten. Die Hälfte Ungarns war türkisch, die andere Hälfte ver» schwor sich gegen den Kaiser und bewarb sich heimlich um französischen und türkischen Schuh. Die ersten Großen des Reiches standen an der Spitze der Verschwörung: Der Palatin Wesse» lenyi, der Ban von Croatien Peter Zrini, der oberste Hofrichter Franz Nädasdy, der Graf Christoph Fran- gipani und der Fürst Franz Rakoczy, welche noch den Statthalter von Steier- mark, Erasmus Grafen von Tatten« dach, in's Verständniß gezogen hatten. Durch den Tod des Palatin erhielt der kaiserliche Hof urkundliche Beweise des schändlichen Verrathes, dessen Urheber, u. z. Nadksdy zu Wien, Frangipani und Zrini zu Neustadt (30. April 167Y und Tattenbach zu Gratz (1. Decem« ber d. I.) enthauptet wurden. Rakoczy ward begnadigt. Bezüglich Ungarns aber wurde beschlossen, fortan es mit planmäßiger Strenge und als erobertes Land zu behandeln. Wurde schon dieser Beschluß gefaßt, so mußte er einem stren« gen aber untadelhaften Manne, einem Manne, der unnachsichtlich, aber auch gerecht handelte, zur Ausführung überlas» sen werden. Aber der Hoch» und Deutsch- meister Johann Caspar von Amprin« gen war ein roher Mann, der dem Rechte und dem Kaiser zu dienen glaubte, wenn er seinem Eigennutze diente und Verschwörungen erdichtete, die gar nie« mals bestanden hatten. Frankreich unter« nahm indessen seinen lange überlegten Angriff auf Holland mit vier Armeen, welche von Turenne, Condö, Luxem» bürg und Crequy geführt wurden; der Krieg begann im April 4672. Wah- rend die Armeen operirten, wurden — jedoch vergeblich — verschiedene Vermit« telungsversuche gemacht. Der Krieg wurde bald auf deutsches Gebiet gespielt; in der Pfalz hausten die Franzofen mit thierischer Grausamkeit. Churfürst Karl Ludwig, ' empört über solche Ver. Wüstung, forderte Tu renne zum Zwei»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Guadagni-Habsburg, Band 6
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Guadagni-Habsburg
Band
6
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1860
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
502
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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