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Habsburg — Leopold 424 Habsburg — Leopold
wurde für Leopold's Nachkommen-
schaft und nach deren Aussterben für die
spanisch. österreichische Linie festgesetzt.
Erst wenn diese beiden Linien des Hauses
Habsburg gänzlich erloschen sein wür-
den, sollte das alte Wahlrecht wieder
eintreten. Leopold's Sohn Joseph
wurde zum Könige von Ungarn gekrönt
(9. December 1687). Während diese
Beschlüsse gefaßt wurden, lahmte der
Schrecken —den Caraffa's zu Eperies
niedergesetztes Blutgericht allenthalben
einflößte — jeden weitern Widerstand
oder sonstigen Versuch dazu. Im Laufe
des Jahres 1638 wurden noch Stuhl«
weiffenburg, Munkacs und ganz Servien
gezwungen, sich den kaiserlichen Waffen
zu ergeben. Wohl wurden noch Serbien
und Albanien erobert, letzteres durch die
List des Generals Piccolomini, der
eine alte griechische Sage benutzte, die
Albamsen für sich zu.gewinnen. Dieser
Volkssage gemäß würde ein Fürst das
Land vom türkischen Joche befreien, auf
dessen Kameelen ausländische Thiere
reiten würden. Graf Piccolomini ließ
nun Affen, Meerkatzen, Adler, Papageien
auf den Rücken seiner Kameele setzen und
durchzog auf solche Weise Bosnien und
Albanien. Der ersehnte Fürst war also
der Sage nach er und wirklich lief in
Schaaren von Tausenden das Volk ihm
zu, und nur sein vorschneller Tod zu
Prestina (1690) und eine ganz verfehlte
Politik machten es, daß diese Eroberungen
ebenso schnell wieder verloren gingen, als
sie gemacht worden waren. Am 18. April
16W starb der Herzog von Lothringen,
und Ludwig von Baden übernahm
den Oberbefehl. Am 19. August 1631
erfocht er dm glänzenden Sieg bei
Salankemen. Mehrere Jahre hindurch
geschah wenig von Belang in Ungarn,
bis Gugen von Savoyen — damals 34 Jahre alt — das Commando in
Ungarn übernahm und bei Zentha (am
11. September 1697) einen Sieg erfocht,
der alle bisherigen Siege über die Osma«
nen zu verdunkeln sauen. Der Friede zu
Karlowitz (26. Jänner 1699) machte dem
'ünfzehnsährigen Kampfe mit den Türken
ein Ende, in welchem Frankreich durch
seine Ränke nur eine untergeordnete Rolle
gespielt hatte. Während dieser Reihe von
Siegen, welche Lothringen in Ungarn
erfocht, pflegte die französische Politik,
alter Gewohnheit gemäß, sorgfältig das
Gebiet der Ränke, und den nächsten Anlaß
zum Kriege bot ihm beim Aus sterben der
Simmer'schen Linie im ChurHause Pfalz
die Nachfolge der Zweibrücken'schen.
Churfürst Maximi l ian Heinrich von
Cöln war gestorben. Zwei Kandidaten
bewarben sich
um den erledigten Churhut:
Wilhelm Egon von Fürstenberg,
Bischof von Straßburg, den Frankreich
unterstützte, und IosephClemensvon
Bayern, den der Papst und das Cardi«
nal-Collegium bestätigt hatten. Frank-
reich war entschlossen, seinen Candidaten
mit Waffengewalt durchzusetzen. Gegen
Frankreich rüstete sich nun der am 9. Juli
1686 zu Augsburg geschlossene Bund,
bestehend aus dem Kaiser, Wi lhelm
von Oranien mit den Generalstaaten,
den Höfen von Stockholm und Madrid;
später trat noch Savoyen dem Bunde bei.
Aber der Bund gewann auch nicht Eine
Schlacht über die Franzosen; der fran-
zösische Feldherr Luxemburg gewann
einen Sieg bei Fleurus (l. Juli 1690)
über den Fürsten von Wald eck; Cati»
nat bei Staffarda (18. August d. I.)
über den Herzog von Savoyen, einen
Vetter des berühmten Siegers bei Bel-
grad; Luxemburg wieder bei Steen-
kerken (2. August 1692) über den Chur-
i fürsten von Bayern und Wilhelm von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon