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H«bsburg — Leopold 427 Habsburg — Feopold
zur See die Engländer Gibraltar (4,
August 1704), welches seit dieser Zeit in
ihrem Besitze geblieben. Als im Feld
zuge des folgenden Jahres, 4703, die
Engländer unter Admiral Leake den
französischen Admiral de Pont is wieder
bei Gibraltar schlugen, starb, am Tage
dieses Sieges im fernen Ocean, zu Wien
der Kaiser Leopold. Nach dieser Skizze
der politischen Geschichte dieses Monar-
chen folge hier noch eine gedrängte Dar-
stellung des unter seiner Regierung in
Oesterreich Geschaffenen. 1637 wurde zu
Kaschau in Ungarn ein Lyceum errichtet;
nachdem im Jahre 1663 Lambecius
Hofbibliothekar geworden, kam die Bi-
bliothek aus Ambras in Tirol nach Wien
in die Hofbibliothek, auch wurde im näm»
liehen Jahre die kaiserliche Medaillen»
sammlung wesentlich vermehrt; im Jahre
1664 legte Erzherzog Leopold Wi l -
Helm, des Kaisers Oheim, den Grund
zur Bildergallerte imBelvedere; im Jahre
1669 entsteht durch ein Uebereinkommen
der oberösterreichischen Stände mit den
Jesuiten wegen Uebernahme der höheren
Studien das Lyceum zu Linz; zu Inns»
brĂĽck wird vom Kaiser 1672 eine Hoch-
schule gestiftet; im Jahre 1674 erhielt
das Lyceum zu Linz ein Diplom, das
Magisterium und Baccalaureat der Philo»
sophie zu ertheilen, auch wird im näm-
lichen Jahre die Bibliothek deS Marquis
von Gubreja aus Madrid der Hof-
bibliothek einverleibt; im Jahre !678
die Windhagische Bibliothek in Wien
eröffnet, wie im nämlichen Jahre auch
die nach dem Grafen Joachim von
Wind Hag, als Stifter, benannte Wind-
hagische Stiftung ihren Anfang nimmt;
im Jahre 1682 wird in Wien die nieder-
österreichische Landschaftsakademie errich-
tet; im Jahre 1686 kamen die Reste
der Corvinischen Bibliothek aus Ofen in die Hofbibliothek; im folgenden Jahre
wurde das von Kaiser Math ias I.
zu Ofen gestiftete Gymnasium erneuert
und ein neues zu Gran errichtet; 1690
tritt das von dem Jesuiten Martin
Gottseer gestiftete nordische Collegium
— dessen Stiftungen nach der Kloster-
aufhebung unter Kaiser Joseph I I . an
das KremsmĂĽnsterer Stift ĂĽbertragen
wurden — zu Linz in's Leben; im Jahre
1691 wird das Lyceum zu Klausenburg,
1698 das Piaristen Gymnasium in der
Iosephstadt in Wien errichtet, 1700 unter
dem Iesuitenrector Retz die Sternwarte
zu Prag erbaut; und 1703 wurden unter
dem juridischen Decanate des Wenzel
GallusOtschenassek in Wien die Sta-
tuten der Iuristenfacultät an der Wiener
Hochschule erneuert. Was des Kaisers
Privatleben betrifft, so verlieĂź ihn auch
in demselben nicht die Majestät, mit der
er im öffentlichen Leben auftrat. Ernst
— selten zeigte sich ein Lächeln auf seinen
Mienen oder kam ein Scherz ĂĽber seine
Lippen — tief religiös, war sein Streben
energisch dahin gerichtet, die katholische
Religion in seinen Staaten möglichst zu
festigen, hingegen die protestantische nicht
allein in seinem Reiche, sondern selbst
in England, Dänemark, Schweden, in
letzteren Staaten durch geheime Misstonen,
einzudämmen. Der Kaiser kannte und
liebt» die Wissenschaften und förderte
dieselben theils, wie bereits dessen gedacht
worden, durch Errichtung von wissen«
schaftlichen Anstalten, theils durch Her«
beiziehung gediegener, gelehrter Männer.
Er sprach fertig deutsch, französisch,
italienisch, spanisch und verstand mehrere
slavische Sprachen; die französische war
ihm aber so wenig sympathisch, daĂź sie
an seinem Hofe untersagt war. Von der
Wichtigkeit und dem EinflĂĽsse der Wissen-
schaft durchdrungen, nahm er keinen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon