Seite - 448 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Guadagni-Habsburg, Band 6
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Habsburg — Ludwig 448 Habsburg — Ludwig
Napoleon Sieger war, legte Erzherzog
Ludwig das Commando zurĂĽck. Nun
widmete sich derselbe dem Studium der
Naturwiffenschaft und Mathematik. I n
den Jahren 4813 und 4316 unternahm
er in Gemeinschaft mit seinem Bruder,
dcm Erzherzoge Johann, Reisen durch
Frankreich nach England, einerseits um
den Prinz'Regenten im Namen des Kai-
sers Franz zu begrĂĽĂźen, andererseits,
um in technischen, militärischen und com»
merciellen Fächern Erfahrungen zu sam-
meln. Am 22. October 1815 kamen die
Erzherzoge in Dover an, wurden von
dem Prinz»Regenten, nachmaligem Könige
Georg IV., und dem Volke mit Jubel
empfangen, worauf sie das prachtvolle
Hotel des verstorbenen Hcrzogs von St.
Albans im Orfort-Street bezogen und
nach einem mehrtägigen Aufenthalte in
der Themsestadt am 3. November die
Reift nach Schottland antraten. Sie
besuchten nun die wichtigsten Fabriks-
städte und in denselben die großartigen
Manufacturansialten, Maschinenwerkstät-
ten, Eisen- und Stahlwaaren.Fabriken,
Spinnereien, Webereien u. dgl. m. Der
Empfang der beiden kaiserlichen Prinzen
in Glasgow und Edingburgh war beson-
ders ehrenvoll. Die Universität der erstern
Stadt gab den hohen Gästen zu Ehren
ein Festmal, der Stadtrath der letztern
verlieh ihnen das BĂĽrgerrecht. Nach ihrer
RĂĽckkunft in London machten sie mehrere
AusflĂĽge in der Umgebung dieser Stadt
und besuchten die wichtigsten Anstalten
Londons und der nächstgelegenen Staote,
als: Orford, Bath, Plymouth. Bir-
mingham und Bristol. Mit der Besich»
tigung der technischen Anstalten aller Arl
verbanden sie auch die Erwerbung genauer
Beschreibungen, Plane und Modelle des
Wichtigsten und fĂĽr die Anwendung Ent-
sprechendsten. Am 3. März 1846 verließen die Erzherzoge London und kehrten über
Dover, Calais, die Niederlande, LĂĽttich,
Aachen und Mainz in ihr Vaterland
zurĂĽck. Die Reise beider Erzherzoge wurde
von H u g o , Altgrafen von Salm.
beschrieben und in „Hormayr's Archiv
fĂĽr Staats- und Kriegskunde" 1816,
Nr. 132—146 und 1817, Nr. 140—133;
ferner „Auszüge aus ihrem Tagebuche"
im Stuttgarter Morgenblatte. 1817, Nr.
292—297; 1818, Nr. 21—30. 77—80,
123—133, 210-217; 1819, Nr. 63—
67. 143—148, 230 u. f. mitgetheilt.
Nun nahm der Erzherzog seinen bleiben«
den Aufenthalt in Wien, wo er sich den
Staatsgeschäften widmete, Mitglied des
Staatsrathes und 1822 — nach des
Feldmarschall'Lieutenant Grafen Collo»
redo Mansfeld Tode — General-
Director der Artillerie wurde. Indem ihm
ferner sein erlauchter Bruder, der Kaiser,
einen Theil der Staatsgeschäfte übertrug,
repräsentirte er auch denselben in dessen
Abwesenheit, und unterzeichnete häusig
die Cabinetsschreiben im Namen des Kai<
sers. Noch größeren Einfluß gewann der
Erzherzog nach dem Tode seines Bruders,
des Kaisers und der Thronbesteigung des
Kaisers Ferdinand I., welchem der
sterbende Vater den Erzherzog als die
wichtigste Stütze der Regierung empfoh«
len haben soll. Schon am zweiten Tage
nach des Kaisers Franz Tode, am
4. März 1833, wurde im gedachten Sinne
ein Handschreiben an den Erzherzog
erlassen, der nun als Chef dem Staats«
rathe präsidirte, dessen Mitglieder der
Erzherzog Franz Kar l , der FĂĽrst Met-
tern ich und Graf Kolowrat waren.
I n dieser Stellung vertrat der Erzherzog
das vom Kaiser Franz befolgte Stabi-
Mätssystem. Mit dem Umschwünge der
Verhältnisse der Neuzeit trat der Erz-
herzog, dessen strenge Gerechtigkeitsliebe
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Band 6
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Guadagni-Habsburg
- Band
- 6
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1860
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 502
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon