Seite - 189 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
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Hafner 189 Hafner
die Nothwendigkeit, daß etwas für die
Hebung der Bühne geschehen müsse.
Hafner, der den Drang zu schaffen
in sich fühlte, fand an dem Grafen den
rechten Mann. Durazzo hatte sich über«
dieß auch an Ausländer gewendet, um
durch sie die Bühne mit neuen Arbeiten
zu versehen. Sein Briefwechsel mit
Favart ^man vergleiche den ersten
Band der „Hl6lu,oiro8 et corryLpon-
litterairs ärkinirti^uoL 6t aneo-
.5^vin'ti« (Paris 1808)^
verbreitet einiges Licht über den dama-
ligen kläglichen Zustand der Wiener
Bühne und des Grafen Bemühungen,
sie zu heben. I n der That fand H. von
Seite des Grafen, wie von jener der
damals beliebtesten Komiker, Pre Häu-
ser und Weißkorn, Unterstützung in
seinem Beginnen. Die Vorsicht Hafne r's,
daß er gleich in seinem ersten Stücke nicht
geradezu gegen die Anhänger der ertem«
porirten 'Komödie auftrat, sondern viel-
mehr in demselben, wie noch in dem fol-
genden mehrere Stellen anbrachte, die er
ganz dem Vortrage und der Improvi-
sationsgabe des Schauspielers überließ,
sicherte ihm den Erfolg; das von der
Neuheit der Sache überraschte Publikum
fand daran Gefallen und auf dem einmal
betretenen Wege wurde rüstig fortgeschrit-
ten. Innerhalb einiger Jahre schrieb
Hafner mehrere Possen, und schon in
der dritten, wie in den folgenden, fehlten
jene Stellen, die dem Schauspieler zur
Improvisation überlassen waren. Haf-
n e r's Stücke und andere literarischeArbei»
ten sind in chronologischer Folge ihres
Druckes: „Ner alte Günarda nnü der lnchcr-
liche Hanswurst", eine ertemporirte Komo»
die, im Jahre 1753 anonym an Weiß.
ko rn, den Director der deutschen Schau»
spiele im Kärntnerthor-Theater, einge-
sendet; diese köstliche Reliquie wurde in den Sonntagsblättern 1842 wieder
mitgetheilt; — „Mägera, die fürchterliche
Hexe, adrr das liezllllberte Schluss brs Herrn
mn Ginhurn" (Wien 1764, 8".); — „Nie in
dauerhafte Freundschaft 5ich veltullndelnüe Alichr"
(ebenda 1763), Fortsetzung des vorigen
Stückes, beide Stücke absurd, wie alle
Stücke dieser Gattung, aber es waren
die zwei ersten Arbeiten, mit denm H.
öffentlich als Gegenstücken zur bisherigen
ertemporirten Komödie auftrat, worin
aber noch für die improvisirten Inter-
mezzo's vorgesehen war; — „(5tmllS zum
Bachen im Fasching uaer Nurlius' und Hans-
wurst's seltsame ^arilruakMIle" sebd. 1771),
später von Perinet, der die meisten
Possen Hafner's zu Singspielen um«
arbeitete, unter dem Titel: „Lustig
lebendig", neu aufgeführt; — „Nie bür-
yrrliche Name uder die Jusschmeit'mtg eine? mgel-
lll5m Eheweibes mit NlM5wnr2t nnd Nallliubina"
(ebd. 1771); Stephanie, der altere,
weigerte sich, in diesem Stücke den Baron
Bagatel l i zu spielen, Graf Durazzo
aber bestand darauf, daß er spiele, und
das Stück wurde eilf Abende nachein-
ander aufgeführt; — „Der Furchtsame",
Lustspiel in 8 Aufzügen (ebd. 1774),
unter Per inet 's Bearbeitung: „Das
neue Sonntagskind", allgemein bekannt;
— „Nie reisenden Komödianten aber der
gescheite nild damische*) Illiftrr35lU'a", Lustspiel
(ebd. 1774), strotzend von Witz und
Humor, von Per in et unter dem Titel:
„Die Schwestern von Prag", bearbeitet;
— „Dramatische Unterhaltungen unter gnten
Freunden" (ebd. 1774), ein Stück in Einem
Acte, welches ein anderes Lustspiel (gleich«
falls von Perinet neu unter dem Titel:
„Das lustige Beilager" bearbeitet) in sich
faßt, und voll Humor und Witz ist; der
") und nicht, wie eö in Kaiser's Bücher-Lexi-
kon, Abtheilung Schauspiele, heißt: „Der ge-
scheidte und dänische Impresario".
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon