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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
Seite - 190 -
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Hafner 190 Hafner Gedanke, das Lustspiel mit dem Todfall der Braut und doch lustig zu schließen, ist originell durchgeführt. Joseph Sonn- leithner gab Hafner's „Gesammelte Lustspiele" (Wien 1812, 8".) in 3 Bdn. heraus. aber schon 1782 erschien eine „Sammlung aller seiner Lustspiele"; die Ausgabe S onnl eithner'S enthält außer den obgenannten Stücken noch Folgendes: „PnbelllürriZche Hansmurstentlänme", spater auch besonders gedruckt unter dem Titel: „KonFss HKN5w«?-F?/<?nss" (Wien 1790, Heubner, 8".). H. hatte dieselben für seinen Freund, den berühmten Hans- wurst Prehauser geschrieben, der sie auch als Epiloge vorzutragen pflegte; ferner „Gnllkatlul nnd Achnndi", welche Posse H. für das Liebhaberthater eines Herrn Bellesini in Schwechat geschrie- ben hatte; er selbst wollte ste nie öffent« lich aufführen lassen, und drohte seinen Freunden, in seiner posfirlichen Manier, daß er fich im Grabe umwenden würde, wenn sie je auf die Bühne gebracht würde; erst nach seinem Tode ver« langte Weiß körn, daß sie gegeben wurde, und Perinet bearbeitete sie als „Lustiges Trauerspiel". Noch erschien von Hafner: „scher; nnö Ornat in Neürrit", 2 Theile (Wien 1770, 8".), sie enthalten mehrere der Lieder, welche in den Stücken vorkommen. Wie beliebt Hafner als Lustspieldichter, so war er es in gleicher Weise, als Gesellschafter. Sein Gesprach, sein Thun war eine ununterbrochene Folge von drolligen Einfällen und Schnurren: Die exte mpor irren Komödien, die er mit einem einzigen Freunde in sehr vertrauten Cirkeln darzustellen pflegte, waren der Inbegriff grotesken Humors. Einige Stühle bildeten die Coulissen; ein Paar Lichter schieden die Zuhörer von der Bühne. Hafner und sein Freund stellten alle Personen der Komödie vor. Das Drolligste war immer, wenn die Anstalten zum Umkleiden, die immer Angesichts der Zuschauer getroffen wurde, stattfanden. Hafner war dem Trunke stark ergeben, dieß, verbunden mit Nachtwachen, wie sie sein Beruf mit sich brachte, zog ihm die Schwindsucht zu, der er auch im Mer von 33 Jahren erlag. Sein Humor verließ ihn aber auch im Sterben nicht; an seinem Todestage rief er zu dem an sein Bett tretenden Arzte, Dr. Mathes. zu: „Heut' is Matthä am Letzten", und wenige Minuten darauf verschied er. H af- ner zahlt zu den originellsten Köpfen, die je gelebt, Alles schöpfte er aus sich selbst, selbst die Form mehrerer seiner Stücke ist neu; hätte H. nur um 2 Decen» nien länger gelebt, bei seinem reichen Geiste, lebendiger Phantasie und sprudelnden Witze hätte er Ungewöhnliches geleistet. Einer seiner Biographen bemerkt über ihn: „Der mit Recht bewunderte Plau» tus nahm den Stoff seiner Lustspiele aus griechischen Dichtern, Mol iöre selbst, obschon er H afner an Cultur weit über» trifft, steht ihm art Originalität nach, und wenn es denn verglichen sein müßte, so könnte man Hafner nur dem origi» nellen Holberg an die Seite setzen, der so wie er Alles aus sich selbst schöpfte; wie er unmittelbar für die vaterlandische Bühne schrieb; wie er sich selbst von der üblichen Form losmachte; wie er den ganzen freien Weg des Geistes ging. Ein Vorzug, den Hafner vor Jenem behauptet, ist die strengere Beobachtung der Sittlichkeit, unflätige Stellen wird man hier und dort finden, aber keine Zote. Er schrieb größtentheils in der österrei» chischen Mundart, aber selbst gegen diese kommen hier und dort Fehler vor". Erwähnen muffen wir noch eines Unrechts, daß der so tüchtige und mit Recht aner-
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Habsburg-Hartlieb, Band 7
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Habsburg-Hartlieb
Band
7
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1861
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
472
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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