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Hainau 220 Haindl
Gerold.gr.80.). ^Vergl. „Annalen der Litera-
tur und Kunst in den österreichischen Staaten"
(Wien 1803. I . V. Degen, 4".) I I . Iahrgs.
2. Bd. Intelligenzblatt Nr. 29, Sp. 234.)
HllinllU, siehe: tzatMll, Julius Frei-
Herr von.
Haindl, Anton Franz (Arzt und
Director des allgemeinen Krankenhauses
in Wien, geb. zu Leitmeritz 14. Sep«
tember 1803, gest. 23. September 1833).
Sohn eines österreichischen Militärarztes.
Die unteren Schulen besuchte H. in Tur-
nau, wo sein Vater nach dem Aus»
tritte aus dem Militärdienste lebte, das
Gymnasium in Iungbunzlau, die philo»
sophiscben Studien und den theoretischen
Curs der Medicin beendete er in Prag,
den praktischen in Wien. 4829 erhielt er
die medicinische Doctorwürde in Prag,
widmete sich, dem Wunsche seines Vaters
zu Folge, dem Zehramte seines Faches,
und wurde 1831 Professor der Anatomie
an der damaligen chirurgischen Lehr«
anstatt zu Klagenfurt, an der er, nachdem
mehrere seiner Collegen andere Posten
erhielten, auch ihre Fächer supplirte. Als
diese Anstalt 1834 aufgehoben wurde,
kam H. in gleicher Eigenschaft nach Lem-
berg, später wurde er dort Director des
allgemeinen Krankenhauses und der damit
verbundenen Irren» und Gebärabtheilung.
Seine umsichtige Verwaltung lenkte bald
das Auge der Regierung auf ihn, und
als man die Errichtung einer Irren«
anstatt in Lemberg beantragte, wurde
H. 1843 amtlich mit der Mission be.
traut, die Irrenanstalten Deutschlands,
Frankreichs und Belgiens zu besuchen.
Von seiner Reise zurückgekehrt, wurde H.
in die Commission berufen, welche 1846
1n Wien wegen des Baues einer neuen
Irrenanstalt daselbst zusammentrat. Nach-
dem
sich
diese Commission beendeter Arbeit
wegen aufgelöst, kehrte H.nach Lemberg zurück. Dort that er sich während der
Cholera.Epidemie 1848, und als zur
Zeit des Durchmarsches der russischen
Hilfstruppen das Spital mit den Kran»
ken derselben überfüllt war, so sehr her»
vor, daß ihn 1830 Se. Majestät mit dem
Franz Joseph-Orden belohnte. Im fol.
genden Jahre, 11. Juni 1831, wurde
ihm, ohne daß er sich darum beworben
hatte, die Directorstelle im allgemeinen
Krankenhause in Wien verliehen. Dort
entwickelte H. eine energische Thätigkeit,
schaffte Mißbräuche ab, machte die Fort-
setzung von Unterschleifen, welche in der»
gleichen Anstalten sich so gerne als gutes
Recht einbürgern, unmöglich und brachte
in Allem, was nicht die Pflege und
Heilung der Kranken betraf, jenen Geist
weiser Sparsamkeit zur Geltung, der das
segensvolle Gedeihen solcher Anstalten
nicht nur nicht hemmt, sondern vielmehr
fördert. Seine Verdienste ehrte der
Monarch durch Verleihung des Titels
eines k. k. Regierungsrathes. Während
der mittlerweile ausgebrochenen Cholera»
Epidemie verdoppelte H. Thätigkeit und
Eifer und wurde alsbald im Alter von
32 Jahren ein Opfer derselben. Als
Schriftsteller war H. nicht thätig, denn
außer seiner Inaugural - Dissertation,
welche eine wegen ihrer praktischen Brauch«
barkeit von Schülern der Anatomie sehr
gesuchte „ Darstellung drr Muskeln des menzch-
lichm Wrpers" enthält, hat H. nichts durch
den Druck veröffentlicht. Sein Bericht
über die im Jahre 1843 ausgeführte
Mission des Besuches der Irrenanstalten
Frankreichs, Belgiens, Deutschlands und
der Schweiz liegt in Handschrift im Lem»
berger Gubernialarchive. Es ist, wie
Sachkenner erklärten, ein gediegenes, mit
Plänen und Zeichnungen ausgestattetes
Elaborat. Seine Drucklegung wurde
beschlossen, kam aber in Folge der Zeit-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon