Seite - 225 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
Bild der Seite - 225 -
Text der Seite - 225 -
Hahinger 228 Hahinger
Lexikon (Hildbu'rghausen, Bibliogr. Institut,
gr.8°.) Suppl.Vd. I I I , S. 1238. — Didas-
kalia 1840, Nr. 166. — Porträte. 1) Unter«
schrift: M« NÄi2iQF6r. G, Nehrlich pinx., A.
Schüler so. (Carlsruhe, 8".); — 2) Facsi.
mile der Unterschrift: AmalieHaizinger. Krie-
hub er 1835 (lithogr.) (gedr. bei Ios. Stoufs
in Wien, Verlag von L. T. Neumann Fol.);
— 3) Unterschrift: Bärbel (Facsimile der
Künstlerin). Krieh über 1835 (lithogr.).
Amalie Haizinger in dem Schauspiele
„Dorfund Stadt" (F. Paterno in Wien); —
4) nach L'Allemand lithograph. von Giere
(Hannover, Giere, gr. Fol.); — 5) Litho-
graphie (Carlsruhe, Müller, Fol.). — Zur
Charakteristik der Künstlerin. Emi l Kuh
in seinem Schauspieler-Porträt der Frau Hai-
Zinger charakterisirt sie treffend wie folgt:
„Die komisch-gutmüthige Natur des Weibes,
u.z. des deutschen Weibes, die launige, uon
den bitteren Erfahrungen des Lebens sittlich
gefestigte, aber sinnlich nicht getrübte Frau,
die leicht verwundbare, doch ebenso rasch hei'
lende Seele, das mitthcilsame, liebenswürdig
geschwätzige, sich gern anschmiegende Wesen,
die Freude, die sich am liebsten darin äußert,
Andern etwas zukommen zu lassen, der
Schmerz, der eher durch fremdes Unglück als
durch eigenes wachgerufen wird, dieß ist der
Kreis, den AmalieHaizinger mit Meister«
schaft beherrscht und in welchem unseres Wis-
sens vor ihr noch keine Schauspielerin so
menschlich Schönes und künstlerisch Vollende-
tes geleistet hat. Sie ist die Episoden-Schau-
spielerin Dar oxosUenco, ihre reizendsten, be-
zauberndsten Figuren mahnen uns an Schwal-
bennester, aus denen die glückbringenden Vögel
ihre klugen Köpfchen stecken,
wohin diezierlichen
Alten ihre Halme und Fliegen tragen, und auf
solch' ein Schwalbennest, das die Künstlerin
baut, blickt man immer gerührt und im Inner-
sten erquickt hin und findet dadurch nicht selten
Ersatz für die Oede und Unfreundlichkeit des
Stückes, für die Unwahrheit der Hauptper-
sonen und die Unwahrscheinlichkeit der Hand-
lung . . . Die Zuthunlichkeit, die Drallheit
und Frische und etwas weichliche Gemüthsart
in der Darstellung Amalic Haizinger's
verkünden ihre schwäbische Abstammung und
haben mit den diese besondere deutsche Volt's-
thümlichkeit wunderbar spiegelnden Gedichten
Mörike's, namentlich mit dessen Liedern:
„Suschen Vogel", „Rath einer Alten", „Stor-
ch enbotschaft", eine nahe Verwandtschaft."
Diese Charakteristik der Künstlerin bezieht sich
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. VI I . auf ihre Gegenwart. Treffend zeichnet aber
der „Berichterstatter vom Neckar" bei Gele«
genheit ihrer Jubelfeier das Bild der noch
jungen Künstlerin. „Sie ist— sagt er an einer
Stelle — nicht gemacht, wie uns Deutschen
eine Mars erscheinen müßte, nicht mit ihrer
Genialität über die Schnur hauend wie die
Dorva l ; nicht groß und dämonisch wie die
Rachel. Amalie Haizinger war als
Prototyp eines deutschen Mädchens geboren,
sie war eine deutsche Schönheit ganz und gar
mit ihrer lieblichen Fülle, ihren blonden Flech-
ten, ihren Veilchenaugen, ihrem weichen Tone;
ihr Herz war voll deutscher Empfindung. Trotz
erweiterter Ausbildung und eines ausgedehnten
Nollenkreises in verschiedenen Fächern, ist die
reine Unmittelbarkeit eines scharf ausgeprägten
süddeutschen Naturells der Künstlerin geblieben.
Sah man sie
früher als Margar etha in den
„Hagestolzen", hörte man sie singen: „Was
frag'ich viel nach Gold und Gut?" sah man
sie herzige Kußhändchen zum Fenster des alten
Hofrathes hinauswerfen, so war's das Mäd-
chen aus Weinheim ooer tiefer aus dem Oden-
walde, wie es leibt und lebt. Sah man
sie als
Baronin in der „Lästerschule", eine ihrer
köstlichsten Rollen früherer Zeit, so war es
keine Puppe, komödiantisch aufgesteift, „» xou,
pi'Lä" eine Salondame repräsentirend, wie
man
sie sich vorstellt, wenn man davon gelesen
hat; die Baronin der Haizinger war eine
durchaus deutsche Frau der höheren Gesell-
schaft, ganz in ihrem eigenthümlichen Sich«
gehrnlassen und zwar allereigcntlichst wie sie
aus eigener Erfahrung sie kannte, mit einem
Worte, wie sie
selbst eine war." — Die funs-
Z'üiährige Jubelfeier der Künstlerin. An der-
selben nahmen nicht nur ihre Kunstcollcgen,
sondern das ganze große kunstgebildete Publi-
kum in seiner Weise Theil. Die Vorsteher
mehrerer Humanitätsanstalten Wiens, nament-
lich auch aus der nächsten Umgebung, über-
reichten der Künstlerin eine Dankadresse für
die Unermüdlichkeit und die Fülle ihres Wohl»
thuns, anläßlich welcher einor ihrer Biographen
schon im Jahre 1840 schrieb: „Als die mit ihrem
Talente nie geizende Wohlthäterin der Armen
hatsie fortwährend auf ihren Gaftreiscn sowohl,
als im Laufe ihres Engagements eine wahr«
haft beispiellose Liberalität entwickelt. Nie«
mals und nirgends verweigerte sie ihre Mit-
wirkung zu einem wohlthätigen Zwecke, sei es
zum Besten uon Instituten oder von Indivi-
duen,
sie spielte, sang oder declamirte, je nach«
dem gewünscht wurde, keine Localitat ver-
13
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon