Seite - 236 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
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Mirsch 236 Zalirsch
zeitig ein reiches Dichterleben, das noch
manches Schöne zu schaffen berufen war,
in dem Geleisteten aber zum Ansprüche
auf dauernde Erinnerung berechtiget ist.
Die deutschen Zeitgenossen unseres Dichters
waren-gerechter gegen denselben, als ihre
Nachfolger; dennW.Alexis,H.Marg.
graf und andere berechtigte Stimmfüh«
rer in der deutschen Kritik urtheilten in
anerkennender Weise über ihn und sein
schönes Talent, wahrend ihn die späteren
Stimmführer, welche über die poetische
National.Ziteratur der Deutschen schrei-
ben, gar nicht nennen und kennen, durch
diese Unkenntniß eines gediegenen Poeten
aber nur ihrer Literaturkenntniß, nicht aber
dem ungerecht Vergessenen ein Armuths-
zeugniß ausstellen.
I. Biographisches. Ludwig Halirsch's litera-
rischer Nachlaß. Herausgegeben von Johann
Gabriel Seidl (Wien 1840, C. Gerold.
kl. l>o.) Bd. I, S. 1—42: „Biographische
Andeutungen über Ludwig Halirsch", von
Gabriel Seidl ^nit der liebevollen Pietät
des Freundes geschrieben^ . — Der Frei'
müthige (Berliner belletristisches Journal,
4«.) 1832, Nr. 79 im Artikel: „Zeitgenossen",
uon Willibald A leri s. — Berliner-Kon«
versationsblatt vom S. März 1836:
„Erinnerungen anL.Halirsch". — Blätter
für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brock'"
haus, 4°.) 1840, S. 491. — Guden (Karl
Friedrich Armin Dr.), Chronologische Tabellen
zur Geschichte der deutschen Sprache und
Nationalliteratur. In drei Theilen (Leipzig
1831, Gerh. Fleischer, 4«) Theil I I I , S. 286.
— Conuersations Lexikon der neuesten
Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig
1833. Bwckhaus). Bd. I I . S. 322. -
Oesterreichische National'Encyklopä-
die von Gräffer und Czikann (Wien 1835,
8«.) Bd. I I , S. 480. — Oesterreichisches
Militär-Conversations-Lerikon,
herausg. von I. Hirten feld (Wien, Ler. 8«.)
Bd. III, S. 24 M't irrig den 10. März 1832
als Halirsch's Todestag an^. — XouvoNs
NioFlaV^io 8vn6r»,1o ... xnbiieo xar
NIHl.I^riuin Diäot ti-öreä LouZ 1a äirection
60 kl. 1o Oi-. Il o olor (1?ai-j2 1832, 31-. 8°.)
2'om. XXlIl, p. <4s. — Wiener Zeit- schrift für Literatur, Mode u. s. w. von
Schickh, 1832, S. 400: „An Ludwig
Halirsch", von Gabr. Seidl. — Die-
selbe, S. 372: „An meinen früh entschlum«
mcrten Freund Ludwig Halirsch", uon Eduard
Silesius. Der vierte Band von Ca stellt's
Memoiren, von denen bisher nur der erste
gedruckt erschienen ist (1860), enthält unter
anderen Charakteristiken auch jene unseres
Halirsch, sie ist zur Beurtheilung Halirsch
des Menschen wichtig. In der „Ludlamshöhle",
vor 1848 ein Verein von Künstlern, Schrift'
stellern und Dichtern, wie in der Gegenwart
etwa die Künstlergesellschaft „der Ritter von
der grünen Insel", führte Halirsch den Namen:
„Peter der Grantige", seines reizbaren Charak-
ters und seines cholerischen Temperamentes
wegen.
II. Porträte. Mit der Unterschrift: Ludwig
F. Halirsch, geboren in Wien am 7. März
1802. gestorben in Verona am 19. März 1832,
Krieh über lith., gedr. lith. Inst. in Wien
(gr. 4«.)
III. Grabdenkmal. Dasselbe, aus einem einfachen
Steine, der seinen Namen trägt, bestehend,
befindet sich auf dcm Olmitoi-o äella 15. citta
äi Väi-ona, nächst dem Portale, welches die
Aufschrift trägt: „luFLnio <ülg.ri".
IV. Zur Charakteristik. I n G erv inus, Julian
Schmidt und G 0 ttschall suchen wir ver-
gebens dm Namen Halirsch; daß er bei
Gottschall fehlt, ist ungehörig. Solche Aus«
lassungssünden gehören zu den Eigenthümlich«
keitrn der genannten Literaturhistoriker. Ge-
hörte Halirsch nicht zu dem österreichi-
schen Literaturkreise, er würde gewiß genannt,
denn viele Talente, welche mit jenen unseres
Halirsch lange nicht auf einer Höhe stehen,
erfreuen sich in den Literaturwerken der genann-
ten theils der Nennung, theils der hätschelnden
Anerkennung. UeberH alirsch, den Schrift-
steller, läßt sich
Seid l. sein Biograph, so ver-
nehmen : „Das Leben und die Schriften
Halirsch's erklären
sich
gegenseitig, es ist sein
persönlicher Charakter, der sich in der Gesammt-
heit seiner Dichtungen offenbart; eine Mischung
von Lebensfreudeund Melancholie, einSchweben
zwischen Himmel und Erde, eine ernste, nicht
gewöhnlicheAnschauung des Lebens und der gro-
ßen Räthsel desselben, aber nirgends eine innere
Zerrissenheit ilnd Trostlosigkeit, nirgends eine
Poesie der Verzweiflung, wie sie Goethe nennt.
Für das Reelle seines Talentes sprechm drei
Dinge. Für's Erste spricht sich in allen srinen
Arbeiten eine klare, aus wahrhaft poetischer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon