Seite - 238 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
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ein. Der Jüngling, vom Starrkrämpfe
befallen und todt geglaubt,» sollte beer»
diget werden, da tritt der Todtgeglaubte
gerade im Augenblicke unter die Menge,
als diese bemüht ist, den wehklagenden
Vater über den Verlust seines Sohnes
zu trösten. Zur völligen Herstellung seiner
Gesundheit kam H. nun nach Linz in's
Spital der Barmherzigen, dort verfiel er
neuerdings in eine sehr schwere Krankheit,
von welcher genesen, er
sich
aber zeitlebens
bis in sein 79. Jahr der festesten Gesund-
heit erfreute. Während seines schweren
Leidens that er das Gelübde, wenn er
genesen sollte, in ein Kloster zu treten.
Er löste dasselbe, trat am 29. September
4800 in das Benedictinerstift Krems«
münster, in diese geheiligte Stätte der
Wissenschaft, aus welcher, von gediegenen
Priestern gebildet, so viele tüchtige Man»
ner bereits dem praktischen Leben gewon»
nen worden. Daselbst erhielt er den
Namen Placidus, und wurde nach
beendeten theologischen Studien 4803
Professor am dortigen Stiftsgymnastum,
welches Amt er bis 1826 bekleidete. Als
Schulmann entwickelte H. eine fruchtbrin-
gende Thätigkeit und seine Methode im
Lateinunterrichte war so tüchtig, daß man
seine Schüler wegen ihrer Kenntniß in
dieser Sprache vorzugsweise Placidaner
nannte. Ueberhaupt war Placidus
als Schulmann einer der hervorragend»
sten und geliebte'sten Mönche des Stiftes
und seine Zelle wimmelte immer von
Studenten, deren ärmere er stets
beschenkte
und mit seiner ersparten Nahrung betheilte.
In den Ferien unternahm er in Beglei-
tung seiner Studenten Reisen, die sich auf
den größten Theil von Deutschland, die
Schweiz, Ungarn und Italien erstreckten.
Zur Zeit der französischen Invasion im
Jahre 1809 versah er auf einige Zeit die
Pfarre Thalheim. Bei dieser Gelegenheit befreite er mit^eigener Lebensgefahr meh.
rere österreichische Soldaten, die in fran-
zösische Gefangenschaft gerathen waren,
aus derselben, und rettete sich selbst nur
durch die Flucht, die er unter dem feind-
lichen Kugelregen über die halb zerstörte
Traunbrücke nahm. Der Kaiser Franz
zeichnete den muthigen Priester für seine
schöne That mit der goldenen Verdsenst.
Medaille aus. Nachdem er 21 Jahre lang
das Lehramt bekleidet hatte, trat H. in
die Seelsorge und wirkte als Pfarrer zu
Fischelham, Grunau und Pfarrkirchen.
Wie ihn früher seine Schüler, so liebte
und verehrte ihn jetzt seine Pfarrgemeinde.
Aber noch jetzt setzte er sein Lehramt fort
und unterrichtete die Schulkinder im Kir>
chengesange; auch in seinem Brauche, sie
zu beschenken-, fuhr er fort; indem er sie im
Hofraume der Pfarrei erwartete, und
wenn
sie
die Schule verließen, mit Butter»
brot und anderen aufmunternden Kleinig'
keiten betheilte. Hall 's Leben, das eines
würdigen Priesters, der seine Lehren durch
seinen Lebenswandel bekräftigte, und eines
Pädagogen, der in seiner unerschöpflichen
Liebe zur Jugend manches Räthsel des
schweren Amtes der Erziehung in einer
Weise löste, von der die pädagogischen
Drakonen keine leise Ahnung haben,
bietet reichen Stoff zu einer idyllisch.päda»
gogischen Studie.
Gmund ner Wochenblatt 1833, Nr. 28:
„Nekrolog". — Ein anderer Andreas Hal l
war in den 30gcr Jahren dieses Jahrhunderts
Porträtmaler in Wien und seine Porträte waren
in den Ausstellungen der Akademie der bildenden
Künste in Wien in den Jahren 1828 und 1834
ausgestellt. Näheres über ihn und ob er mit dem
obigen vielleicht verwandt war, ist dem Heraus«
geber dieses Werkes nicht bekannt. In den
späteren Catalogen der Kunstausstellungen er»
scheint sein Name nicht mehr. sMergl.: Catalog
der Ausstellungen der Jahre. 1628 und 1834; —
Pietznigg's Mittheilungen aus Wien 1834.
Bd. 3, S. K7.^
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon