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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
Seite - 303 -
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Hanka 303 lichen serbischen Volkslieder von Wuk Stephanowitsch Karadschitsch (Nr. 2) aufgenommen wurde, welcher als» bald jene der G e sner'schen Idyllen (Nr. 3) solgte. Unwillkürlich wird man bei der bald darauf stattgehabten Auffin- dung der „Königinhofer Handschrift" von der Verschmelzung des Geistes der serbi- schen Volkslieder und der Gesner'schen Idylle, welcher aus den Gesängen der „Königinhofer Handschrift" unverkennbar weht, eigenthümlich berührt. In diese Zeit, jedoch vor Herausgabe der „Köni- ginhofer Handschrift", fällt die Heraus- gabe öechischer Sprachdenkmäler unter dem Titel: „Na^oö^a s/UttHam/s^ d. i. Merthümliche Gedichte (Nr. 27), wovon der erste Band eingeleitet von Iung- mann und mit einem Gloffar versehen vom Herausgeber 1817 erschien und mit welchem er das Gebiet der Hand- schriftenkunde betrat, auf demselben einen in der Gegenwart von der strengen Wis« fenschaft stark angefochtenen Ruhm ern- tend. Das genannte Jahr sollte fürHanka denkwürdig und verhängnißvoll werden. Hanka entdeckte in demselben die ober- wähnte nachmals so berühmt gewordene Königinhofer Handschri ft (Nr. 24). Hanka war bei einem Geistlichen, einem Jugendfreunde zu Königinhof, einem in der Nähe seines Geburtsortes gelege- nen Städtchen auf Besuch. Es war am 16. September 1817, als im traulichen Gespräche überdieVergangenheit, nament- lich über die Hussiten, Hanka von seinem Freunde erfährt, daß in einer Kammer an der Stadtkirche nebst alten Waffen und Gerathen aus der Hussitmzeit sich daselbst auch alte Handschriften, Bücher, Pergamente u.dgl. m. befanden. Hanka eilt an Ort und Stelle und zieht aus einem Haufen Gerölle nach und nach zwei schmale an Husfitenpfeile befestigte Pergamentstreifen und zwölf vollstan« dige Pergamentblätter hervor. Diese Per« gamentreste wurden nun unter dem Namen der Königinhofer Hand- schrift berühmt und von Hanka dem böhmischen Museum geschenkt. Die auf den Pergamentblättern enthaltenen Zieder stellten sich als Theile einer größeren Sammlung dar, welche, wie vermuthet wurde, zu Ende des 13. oder zu Anfang des 14. Jahrhunderts, jedenfalls zu einer Zeit veranstaltet worden fein mußte, in welcher man dem um sich greifenden Deutschthum gegenüber slavischer Seits kein anderes Rettungsmittel fand, als indem man diese Denkmäler alter Cultur und Sprache sammelte und verwahrte. Von den vierzehn aufgefundenen Liedern sind mit Ausnahme des ersten und letzten alle vollständig, sie sind in reimlosen Zeilen abgefaßt, bilden aber ein fortlaufendes Ganzes, das zuweilen von freien strophen« artigen Absätzen unterbrochen wird. Neun dieser Lieder sind lyrischen Charakters, eigenthümlich gedacht, lebendig empfun- den, zart und doch kräftig, klar. und durch und durch volksthümlich, fünf derselben sind sogenannte Heldenlieder, wie sie aus den serbischen Liedern von Karadschitsch Jedermann bekannt sind; sie behandeln Vorfälle, welche in die Zeit 1241, bis in's 9. Jahrhundert und die Zeiten der Bekehrung der öechen zum Chriftmthume zurückreichen. Die kritische Herstellung des Textes verzögerte die Her- ausgäbe des Fundes bis in's Jahr 1819. Dieser Fund war ein Ereigniß. Ein gerin» gerer Enthusiasmus, eine schwächere Theil- nahme von Seite des großen Publikums hatten vielleicht die Folge gehabt, daß dieser merkwürdige Fund unangefochten geblieben und zuletzt die Echtheit der Königinhofer Handschrift ohne weitere Prüfung als unzweifelhaft festgestellt
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Habsburg-Hartlieb, Band 7
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Habsburg-Hartlieb
Band
7
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1861
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
472
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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