Seite - 357 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
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zelnen Stückes. DieAbsicht Hardegg's
in Mezöhegyes, dem großartigsten Gestüt,
des europäischen Corrtinents, ein Lehr>
mstitut für Pferdekunde zu begründen,
dessen Gemeinnützigkeit nicht bestritten
werden kann, scheiterte an finanziellen
Bedenken. Aber den Umschwung im
Wirthschaftsbetriebe auf den einzelnen
Gestüten, deffen Durchführung in
Hände des Gestüts-Inspectors gelegt,
und keiner hindernden Beeinflussung von
Außen ausgesetzt war, diesen im groß>
artigsten Maßstabe durchzuführen, wa
dem Feldmarschall'Lieutenant Hardegg
vorbehalten. Mezöhegyes bietet das
getreueste Bild seiner Leistungen. Im
Jahre 1815 war Mezöhegyes eine unab>
sehbare Steppe (Puszta), ohne Saatfeld,
ohne Baum, bewachsen mit Haidekraut,
Ginster und Unkraut; gegenwartig von
stattlichen Alleen durchzogen, von mannig
faltigen und umfangreichen Baum» und
Waldgruppen belegt, mit einer blühenden
Bodencultur ausgestattet, gewährt es
einen freundlichen, wohlthuenden Ein
druck. Mit einer bewunderungswürdigen
Beharrlichkeit verfolgte H. sein Ziel, alle
Hindernisse besiegend, worunter der schwer
zu bearbeitende Boden einen großen, aber
altherkömmlicher Schlendrian und Bös-
Willigkeit noch größere Factoren bilden.
1816 begann H. seine Reformen, und der
von einem Pfluge vordem nie berührte
Aoden wurde im Umfange von 2431
Joch aufgebrochen, und schon in wenigen
Jahren konnten 17.000 Mehen des
ararischen Roggens und Weizens an
die ärarische Verpflegsanstalt veräußert
werden. Diese seit 1828 in erfreulicher
Weise sich wiederholenden und steigernden
Erfolge erweckten den Neid und die
Scheelsucht der benachbarten Gutsver-
waltungen, welche das gehässige Gerücht
verbreiteten, daß Graf Hardegg für ein Unternehmen Geld vergeude, das
nie ein nachhaltiges Ergebniß verspreche.
Als dieses Gerücht zu den Ohren des
Monarchen gelangte, wurde der damalige
Präsident der ungarischen Hofkammer
beauftragt, der Sache'auf den Grund
zu sehen und das Ergebniß der Prüfung
war, daß nicht nur das böswillige
Gerücht sich als Lüge darstellte, sondern
Mezöhegyes als eine wahre Muster«
anstalt erklärt wurde. Außer einer
Mahlmühle, Brotbäckerei, Oelprefse und
Ziegelbrennerei, welche technischen Neben«
anstalten den Hauptzweck der Pferdezucht
nicht beeinträchtigen, war H.'s Augen«
merk auf die Zucht der Thiere und eine
dieselbe im hohen Maße fördernde Ver«
befferung und Entwickelung des Bodens
gerichtet. H. hatte es zu einem jährlichen
Durchschnittserträgnih von 70.000 Metzen
Hafer, 16.000 Mehen Gerste, 20.000
Metzen Roggen und Weizen. 2000 Metzen,
Oelfrucht, 4.000 Metzen Mais, 140.000
Pfund Heu und 230.000 Pfund Futter-
und Streustroh gebracht. Der Waldbau,
der 1322 anhebt, gedieh in gleich erfreu«
licher Weise', in einer Ausdehnung von
1221 Joch ausgeführt, warf er während
eines 23jährigen Zeitraumes bis 20.000
n. ö. Klafter Brenn- und Gerätheholz ab
,md ist der Holzbedarf für daS ganze Insti«
ut mit 20jahriger Umtriebszeit sicherge«
stellt. Diese Ergebnisse sprechen für sich
elbst, insbesondere, wenn man bedenkt,
>asi noch im Jahre 1816 der größte Theil
)es Haftr^ und Heubedarfes für die
Pferde des Gestütes angekauft werden
mußte. I n analoger Weise wirkte Har-
egg in den kleineren Geftüts'Terri«
orien, brachte in den nöthigen Auf-
wand aller Verwaltungszweige der
hm untergeordneten ärarischen Anstalten
orgfältige Sparsamkeit, ordnete das
Rechnungswesen, trennte die Verrech«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon