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Harrach 380 Harrach
Karl Borrom aus. Nach beendeten
juridischenStudien wurde Graf Johann
1776 von dem Churfürsten Reichserzkanz
ler in Mainz zum adeligen Hof. und
Regierungsrathe berufen und schon 1777
zum adeligen Hof- und Gerichtsrathe
erhoben. 1779 folgte er einem Rufe der
Kaiserin Mar ia Theresia in öfter»
reichische Staatsdienste als Regierungs-
rath und 1783 ernannte ihn Kaiser
Joseph zum wirklichen Reichshofrathe,
in welcher Eigenschaft er 1792 auch
den Kaiser zur Krönung nach Frankfurt
begleitete. Im nämlichen Jahre trat H.
aus dem Staatsdienste, um der Kunst,
den Wissenschaften und der Verwaltung
seiner ausgedehnten Herrschaften und
Industrieanlagen ausschließlich zu leben.
Um die Förderung des vaterländischen
Gewerbsfieißes besitzt Graf H. große
Verdienste; der Flor der Leinwaaren»
Fabrikation auf seinen Herrschaften zu
Ianowitz (Olmützer Kreis in Mahren),
zu Starkenbach und Schluckenau (in
Böhmen), der Eisenwerke ebenda, der
Glashütte zu Starkenbach, sind glän-
zende Belege dafür. Schon des Grafen
Johann Oheim, Graf Ferdinand
Bonaventura (II.) ^ d. S. 377^,
hatte zu Ianowitz in unwirthlicher
Gegend um 1730 die ersten Weber aus
Böhmen anzusiedeln versucht, ihnen
Wohnhäuser unentgeltlich gebaut, Grund»
stücke zugetheilte Der Versuch gelang
vollkommen; im Jahre 1829, zur Zeit
des Todes des Grafen Johann, waren
nebst vielen anderen auf eigene Rechnung
arbeitenden Meistern für die graflich
Harrach'sche Fabrik allein 600 3ein°
Weberstühle im regen Betriebe und über
3000 Spinner mit Erzeugung der Garne
beschäftigt. In gleicher Weise wurden
die Eisenwerke ebenda, und die Glas-
hütte zu Neuwald auf der Herrschaft Starkenbach vervollkommnet. I n letzterer
wurden die geschmackvollsten Arbeiten,
selbst Flintglas für achromatische Inftru«
mente, erzeugt. Die 43jährige Verwal»
tung des Grafen Johann war eine in
jeder Hinsicht segensvolle; der Wohlstand
seiner Unterthanen steigerte sich; viele
neue Wohnge'baude wurden errichtet,
Volksschulen bestellt, und in den schweren
Nothjahren 1803. 1812, 1816 und 1817
wurden die Arbeiten nicht eingestellt,
sondern vielmehr, um die Noth zu
lindern, ohne Rücksicht auf Gewinn fort-
gesetzt. Diese Verdienste um Staat und
Menschheit anerkannte der Monarch durch
die 1823 an Grafen Johann geschehene
Verleihung des goldenen Vlie߻Ordens.
Graf Johann war auch ein großer
Kunst- und Naturfreund; er sammelte
Kupferstiche und Gemälde und die Samm-
lung derselben ist eine der werthvollften
in der Monarchie. Die Gemäldesamm-
lung enthalt Werke verschiedener Schulen,
insbesondere aber ausgezeichnete Stücke
aus der italienischen Schule. Die Kupfer«
stichsammluug zählte über 200 Porte,
feuilles. Ihre Grundlage bildet die Her-
tel'sche Sammlung, welche der Graf
um 22.000 Gulden angekauft hat.
Eine besondere, höchst werthvolle und
interessante Abtheilung derselben ist die
Sammlung der Carricaturen, welche
Johann's Bruder, Graf Karl Bor»
romäus ss. d. bes. Artikel S. 381), auf
seinen Reisen angelegt hatte. Auch für
die Vermehrung der bereits vorhandenen
Bibliothek mit den neuesten zweckmäßigen
und oft sehr kostbaren Werken hatte der
Graf Sorge getragen. Die Bibliothek
war nicht in besonderen Räumlichkeiten,
sondern in den von dem Grafen selbst
iewohnten Gemächern aufgestellt. Die
llnlage des heut' noch durch seinen Blu-
menflor berühmten Gartens zu Brück an
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon