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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
Seite - 390 -
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Hartenkeil 390 Hartenkeil seine Herstellung, die ihm ausgeworfene Unterstützungssumme bedeutend erhöhte. Nun kehrte H. nach Paris zurück, beschloß aber, den Winter in London zuzubringen. Durch Empfehlungsbriefe gelang es H. in England die Bekanntschaft der vor- züglichsten Manner seines Faches zu machen. Unter diesen war einHunter, ein Tott , der rühmlichst bekannte S i m o n und Joseph Banks, in dessen Hause damals ein Verein von Naturhistorikern und Aerzten bestand, welcher insgemein die Samstagsgesellschaft hieß, weil dessen Versammlungen am Sonnabend statt- fanden. In einer derselben hielt H. über die Operation des AugenstaarS einen Vortrag und erhielt die Aufforderung, das Verfahren am Cadaver zu erläutern, welchem Wunsche er entsprach und sich dadurch die Theilnahme der ersten Lon» doner Aerzte erwarb. Im Juni 1787 begab sich H. nach Salzburg und trat den Posten des erzbischöflichen Leib« chirurgs an, mit welchem der Hofraths' titel und eine Besoldung von 1000 st. verbunden war. In Salzburg blühte damals einiges literarisches Leben. Auf- gefordert von mehreren Seiten, entwarf H. den Plan zu einer medicinisch'chirur- gischen Zeitschrift, wandte aber volle zwei Jahre zu den Voreinleitungen an, leitete eine weitläufige Korrespondenz mit den berühmtesten Literatoren seiner Wis» senschaft ein, ordnete seine Bibliothek, bewarb sich um Mitarbeiter und Mate» rialien, und dann erst legte er Hand an das Werk. Im Jahre 1790 begann die medicimsch. chirurgische Zeitschrift zu erscheinen, deren Redaction Hartenkeil und Metzler durch vier Jahre gemein« schaftlich besorgten. Von 1794 an blieb H. bis an seinen Tod ununterbrochen der alleinige Herausgeber. Für die Tuch. tigkeit des Journals sprechen die steigende Theilnahme für dasselbeund der vermehrte Absatz. Fest, parteilos, unbestechlich sprach sich dieses Journal jederzeit über die Zeichen der Zeit aus, über die wechselnden Systeme, über die Gründe ihrer Verfech. ter. H. lebte ganz für seine Zeitschrift und beschränkte seine ärztliche Praxis lediglich auf einige der ersten Familien. Doch nahm ihn die Zuziehung zum oollsAiuni nasäioum stark in Anspruch. Im Jahre 1800 besorgte er die Aufsicht der Feldspitäler, denen selbst die Fran- zosen Gerechtigkeit widerfahren ließen, indem sie dieselben als die wohlgeord» netften rühmten, welche sie jemals gesehen hätten. Durch den Frieden von Luneville kam Salzburg an den Erzherzog Fer- dinand, welcher im Jahre 1804 nach H.'s Idee einen Medicinalrath organi- sirte, und ihn zum Director desselben und zum Vorstand des medicinisch-chirurgischen Studiums an der dortigen Universität ernannte. Nach dem Frieden von Preß- burg gelangte Salzburg an die öster- reichische Dynastie; Kaiser Franz, der ihm schon 1793 die große goldene Medaille und den Rathstitel verliehen, und auch sonst noch Beweise kais. Huld gegeben hatte, ernannte H., da Verhält» niffe eine Umftaltung des Systems for« derten, zum Protomedicus und zum wirklichen k. k. Regierungsrathe. Har- tenkeil genoß aber dieses schönen Standpunctes nicht lange. Seine durch das Salzburger Klima sehr angegriffene Gesundheit schien sich zwar im Winter 1807 mit einem Male bessern zu wollen; doch nur zum Schein. Am 23. Mai 1808 übersiel ihn ein Brustkrampf mit außer- ordentlicher Gewalt und schon nach zwei Wochen machte der Tod seinem Leiden ein Ende. Als Schriftsteller hat H. mit Ausnahme der obigen Zeitschrift, deren Gediegenheit jedoch selbst im Auslande
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Habsburg-Hartlieb, Band 7
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Habsburg-Hartlieb
Band
7
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1861
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
472
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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