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Bartig 400 Artig
dienst, wurde 4815 Gubernialrath in
Brunn, wo er seine sinnvollen Arbeiten
für das Landesbauwesen und rationelle
Landwirthschaft begann, letztere nicht ohne
fördernde Mitwirkung des als Berg» und
Hüttenmannes und als großartig experi»
mentirenden Oekonomen hoch verdienten
Grafen Salm. Im Jahre 4819 wurde
Graf Franz Hofrath und Referent der
politischen Hofkanzlei und 1823 Gouver«
neur von Innerösterreich. Mitten unter
den Umtrieben einer Partei der Intoleranz
und Verfinsterung wirkte der Graf im
Geiste edlerund wohlthätiger Mäßigung,
in seinen Maßnahmen wesentlich gefördert
durch Erzherzog Johann, der, was zur
Verbreitung nützlicher Kenntnisse und zur
Belebung der gesunkenen Erwerbszweige
der schönen Steiermark und Unter»
kärnthens beitrug, mit allen ihm zu
Gebote stehenden Mitteln unterstützte.
Auch in dieser Stellung hatte Graf
Franz es mit einem mächtigen Gegner
zu thun, mit dem Gratzer Bischof Roman
Zängerle, der. wie es die Umstände
erheischten, offen und heimlich dem segens-
vollen Wirken des Grafen entgegentrat.
Doch desGrafen durchdachte Verfügungen,
gekrönt von dem sichtbar zunehmenden
Wohlstande im Lande und den Beweisen
allseitiger Zufriedenheit der Bewohner
mit der Regierung, vereitelten alle Um-
triebe dieser mächtigen und energischen
Gegenpartei. Nach dem Tode des Grafen
Straßoldo wurde ihm, 1. Juli 1836,
das Gouvernement in Mailand über»
tragen. Es war dieß, obgleich die Militär«
gewalt nicht mehr in den Händen des
Statthalters sich befand, und durch die
Gegenwart des Vicekönigs auch die
administrative Bedeutenheit gesunken war,
der wichtigste und schwierigste Posten im
Kaiserstaate. In seine Zeit siel, 1838, die
Krönung des Kaisers Ferdinand zum Könige des lombardisch ' vmetianischen
Königreiches, welcher festliche Act mit
großer Pracht begangen wurde. Der
Graf bekleidete diesen Posten durch volle
zehn Jahre, bis er im Jahre 1840 in die
Hauptstadt berufen wurde, wo er als
Staats- und Conferenzminister und als
Sectionschef der-inneren Angelegenheiten
eine energische und erfolgreiche Thätigkeit
entfaltete und von der öffentlichen
Meinung als der dereinstige Nachfolger
des Grafen von Kolowrat bezeichnet
wurde. Für den Geist seiner Verwaltung
in Mailand gibt das achtungsvolle An-
denken, in welchem sein Name bei allen'
Parteien Italiens steht, den entsprechend-
sten Beleg. Ja als im Jahre 1848 die
Revolution in Mailand ausbrach, gab es
keinen populäreren Namen als den des
Grafen Hartig, und alle Hoffnungen
«auf einen friedlichen Ausgleich waren
auf ihn gesetzt. Der Graf wurde auch
zum kaiserlichen Commiffär mit unum-
schränkter Vollmacht ernannt und richtete
am 17. April eine versöhnende Procla«
mation an die mailändische Bevölkerung.
Aber es war bereits zu spät, die Revo»
lution im vollen Zuge, und Mitte Juli
legte der Graf seine Mission nieder. Bald
darnach erschien das Werk: „Genesis der
Revolution in Oesterreich im Jahre 1848"
(Leipzig 1831, Fleischer, 3. Aufl. mit vie-
len Zusätzen, 8".), welches in den bethet»
ligten Kreisen großes Aufsehen erregte
und als dessen Verfasser, nach Anderen als
Urheber, der Graf bezeichnet wurde. In
den letzten Jahren zog
sich
der Graf von
den Staatsgeschäften zurück, bis ihn das
Vertrauen seines Monarchen wieder berief,
als die sich immer verwickelter gestaltenden
Verhältnisse im Innern des Kaiserstaates,
die Berufung des verstärkten Reichsrathes
(mit Allerhöchstem Handschreiben vom
29. April 1860) nothwendig machten.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon