Seite - 407 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Habsburg-Hartlieb, Band 7
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Hartleben 407 Hartleben
der Ausstattung und ihren innern Gehalt
hervorragenden Werke gedacht werden,
als da sind: Galleti's Weltkunde, wo«
von 4836 eine ungarische Uebersetzung
begonnen und 1860 die zwölfte deutsche
(Jubel-) Ausgabe vollendet wurde, H.
erhielt dafür (1861) die goldene Medaille
für Wissenschaft und Kunst; Hammer 's
Geschichte des osmanischen Reiches; des-
selben Constantinopolis; Bilder»Magazin
der Weltkunde; Cabinet des Naturfreun»
des; die bildliche Naturgeschichte aller
drei Reiche u. v. A. H. lebt gegenwärtig,
ein rüstiger Greis von 83 Jahren, noch
immer seinen Verlag persönlich leitend,
in Wien.
Neuer Plutarch »der Biographien und Bild«
nisse der berühmtesten Männer und Frauen
aller Nationen und Zeiten. Vierte Auflage,
redig, von August Diezmann (Pesth, Wien
und Leipzig 1858, C. A. Hartleben's Verlags-
Erpedition, kl. 6".) Bd. IV, S, 192. - H ar t-
leben'ö Vater und Bruder haben längere
Zeit, der Erstere in Wien gelebt, der Letztere in
Salzburg als Lehrer gewirkt, daher in nach-
stehenden Zeilen ihrer gedacht wird. Der
Vater. Franz Joseph H. (Rechtsgelehrter,
geb. zu Düsseldorf 23. September 174". gest.
zu Wien 1808), früh verwaist, wurde von
dem Beichtvater des Churfürsten von der Pfalz
erzogen, der ihn zum Jesuiten bestimmte. Er
floh aber, wurde Soldat und im siebenjährigen
Kriege Officier in einem preußischen Cavalle«
rie<Regimente. Im Frieden begann er das
Studium der Rechte. promouirte 1769 zu
Mainz, las über die Pandecten öffentlich und
mit Beifall vor und erhielt 1778 eine Profes-
sur; später wurde er kais. Hofpfalzgraf, Syn-
dicus der Stadt Mainz und Mitglied des
dortigen Revisionshofes. Alö 1797 Mainz in
die Hände der Franzosen gerieth, begab sich H.
nach Wien, wo er noch 13 Jahre lebte und im
Alter von 68 Jahren starb. Intriguen man«
nigfacher Art hatten, ungeachtet der Verwen-
dung einflußreicher Personen, seine Anstellung
im kais. Staatsdienste vereitelt. H. hat ver-
schiedene Streitschriften, kleinere Abhandlun<
gen rechtswisscnschaftlichen Inhalts und das
erste kritisch e Journal für Rechtswissenschaft
unter dem Titel: „Neueste juristische Literatur"
(Mainz 1784—1787, 8«.), in 4 Bänden, dann „AllgemeineBibliothek der neuesten juristischen
Literatur" (Frankfurt 1787—1789, 8<). in
3 Bänden, und fortgesetzt für 1791 in 2 Heften,
herausgegeben; ein Beitrag zur Darstellung
des deutschen Svecialrechtes ist seine „<7ui'iL-
äiotio moKUutiQk oräinklik oivilis LMopticv
äsliusata« (KIn.w2 1784, 8".). Obwohl H.
aus Familienpapieren bereits 1768 Kenntniß
erhielt, daß er von der niederländischen adeli-
gen Familie von Hart laeven abstamme,
machte er doch nie davon einen Gebrauch.
sErsch und Gruber, Allgemeine Encyklo»
pädie der Wissenschaften und Künste, I I . Sect.
3. Theil. S. lU. — Meusel, Gelehrtes
Teutschland, 3. Ausgabe, I I I , 90; IX, 313. —
Kopp, Lerikon juristischer Schriftsteller, I,
230. — Weidl ich, Biographische Nachrich-
ten. I , 23»; I I , Nachtr. 119; V, 109.) —
Der ältere Sohn. Theodor Conrad (Rechts-
gelehrter, geb. zu Mainz 24. Juni 1?70, gest.
zu Mannheim 13. Juni 1827), studirte in sei-
ner Vaterstadt, erhielt 179U die juridische
Doctorwürde und nachdem er in Diensten der
dortigen Nnwcrsität, dann in jenen des Bb
schofs von Speyer gestanden, folgte er 1793
einem Rufe an die Hochschule nach Salzburg
alö Professor dcö Staatörechtö. 1o Jahre trug
er daselbst vor und wurde, als l8U0 die Fran-
zosen Salzburg besetzten, in Folge seiner zweck-
mäßigen polizeilichen Anordnungen, Polizei-
director. und begann 1802 die Herausgabe der
init Recht geschätzten „Allgemeinen Justiz« und
Polizeifama" (1813—1827), später fortgesetzt
von Tödinger. Nach der Hand stand er in
pfalzbayerischcn (1803) und in coburgischen
Diensten (1807), wurde Professor der Rechte
und Mitglied der Regierung des Obercheins
zu Freidurg im Vreisgau, dann Kreisrath zu
Durlack) und endlich baden'scher Commissariub
bei der Rheinschissahrts-Commission in Mainz.
1820 wurde er als geheimer Regierungsrath
pensionirt; die Gründe, warum dieß geschah,
sind nicht bekannt. Seitdem lebte H. in Mann»
heiln, wo er im Alter uon 37 Jahren starb.
Von seinen zahlreichen rechts« und staatswis-
senschaftlichen Schriften, welche Kayser 'K
„Bücher-Lexikon" (Bd. I I I , S. 49) aufzahlt,
führen wir die in Oesterreich gedruckten auf:
„Ueber die Wahl deutscher Reichsdcputirten
zu Friedensverhandlungen" (Salzburg 1797,
Mayr, 80); — „Methodologie des deutschen
Staatsrechts" (ebd. 1800. gr. 8<>.); — „Oratio
äs oriKine, inorsuiout. ot louti-
Huriü ^u^bl. tsi'i'itoi'. imp. rom. Fyrin.
ü. 6w.« (sdcl. 1796); — „Die deutsche
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Band 7
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Habsburg-Hartlieb
- Band
- 7
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1861
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 472
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon