Seite - 157 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hartmann-Heyser, Band 8
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HlNMU Sannau
hielt H. mit starker Hand das Venetia-
nische nieder, und deckte den Rücken der
Armee. Im Ganzen war Oberitalien
ruhig geblieben. Nur Brescia empörte
sich, nahm die zügellosen Haufen aus
Piemont und der Schweiz auf, ließ allen
Graueln und Excessen freien Lauf. H.
kam durch das Gebirge in's Castell von
Brescia. Es unterwarf sich nicht; nach
einem blutigen, aber entscheidenden
Kampfe lag das zweimal treulose Brescia
gedemüthigt zu H ayna u's Füßen. Von
diesem Tage an war sein Name gefürch-
tet, wie die Kraft des Wetterstrahles.
Nach diesem Intermezzo setzte H. die
Belagerung Venedigs fort. Jedoch bald
erhielt H. eine andere Bestimmung. Der
Wille des Kaisers rief ihn auf den großen
Kriegsschauplatz Ungarns. Durch seine
Ernennung zum Feldzeugmeister und selbst-
standigen Oberfeldherrn (30. Mai 184!))
sah H. sich an dem Ziele seiner Wünsche.
Er konnte nun die Bewegungen und den
Kampf großer Massen leiten und die Er-
Wartungen rechtfertigen, die er bean«
spruchte und die man von ihm hegte. Als
H. zur Armee kam, haite dieselbe eine
DefensivsteNung an der Waag und Donau.
Ein Theil war unter Ie l laö i6 nach
Slawonien marschirt und deckte die süd»
lichen Provinzen. H. zweifelte nicht an
einem glücklichen Erfolge. Dazu führte
ihn sein eigenes Selbstvertrauen, die
Tapferkeit seiner Armee, die den General
als den Vorboten ruhmreicher Ereignisse
begrüßte und die Ueberschau über die
ganze Lage der Dinge. Es haben alle un-
garischen Revolutionen eine starke Fami»
lienähnlichkcit; nur in ihrem Untergange
war die letzte von allen früheren ver-
schieden. I m 16. und l7. Jahrhunderte
haben die deutschen Fürsten, bayerische,
sächsische, brandenburgische Truppen die
ungarischen Schlachten mitgeschlagen; dießmal stand Nußland, der Bundes«
genösse aus den großen Kriegen, in wel-
chen die Freiheit Europa's gegen Napo°
leon erkämpft wurde, für Oesterreich ein.
Die Bekämpfung der ungarischen Revo-
lution war eine Sache der Ordnung für
Oesterreich und für Europa. I n früheren
Jahrhunderten schleppten sich die ungari-
schen Kriege durch Generationen hin;
dießmal brach die feindliche Kraft in Einem
Sommer zusammen, denn Mitte Mai
hatte H. den Oberbefehl übernommen
und am 9. August wurde der Sieg bei
Temesvar erfochten; H. concentrirte zuerst
seine Truppen am rechten Donauufer,
begann die offensiven Operationen mit
dem Sturme auf Raab (28. Juni), an
dem der Kaiser in aller Tapferkeit und
glänzendem Muthe wie bei Santa 3ucia
Theil nahm, es folgte die Schlacht bei
Comorn (3l).Iuni), jene am AcserWalde
(l . Juli), die Einnahme von Ofen-Pesth
(19. Juli). I n der Ueberzeugung, daß
nach der Lage der Dinge die Trennung
der beiden verbündeten Heere ohne Gefahr
sei, daß die russische Armee die Vernich-
tung Görgey's als ihr^auptziel vor
sich sah, hatte H. den Plan gefaßt, die
organisirten Streitkrafte der Insurgenten
im Süden, welche Ie l laö i 6 bedrängten
und Temesvl'n aufs Aeußerste brachten,
noch ehe sie zur Vollendung kamen, mit
einem Schlage zu vernichten. Und so
geschah es. Sch'önhals vindicirt dem
Zuge H ayn au's alles Recht; er nennt
ihn kühn, aber nicht tollkühn. Am 22. Juli
verließ die Armee Pesth; am 3. August
folgte die Schlacht bei Szöreg gegen
Dembinski; es zeigten sich bereits die
Symptome der Auflösung bei dem Nebel«
lenheere. Am 9. August erfocht H. den
Sieg bei Temesvär gegen Bem; der Rest
der Empörung war niedergeschlagen, Te-
mesvär befreit. Wahrend der Schlacht
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Band 8
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Hartmann-Heyser
- Band
- 8
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1862
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 514
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon